Die traditionelle Wohler Jungbürgerfeier gibt es nicht mehr. Der Gemeinderat hat beschlossen, dieses Jahr erstmals alle jungen Einwohnerinnen und Einwohner zu einer gemeinsamen Feier ihrer Volljährigkeit einzuladen. Das Konzept unter dem Namen «JungWohle-Fiir» ist vorderhand an die bisherige Jungbürgerfeier angelehnt, das Fest wird wiederum in das traditionelle Open Air Zamba Loca integriert.

Der Anstoss dazu kam vom Jugendparlament

Die Idee dazu ist nicht im Wohler Gemeinderatszimmer geboren worden, sondern im Jugendparlament: «Die Jungbürgerfeier war im Rahmen der Jugendsession schon mehrmals Thema», sagt der ressortverantwortliche Gemeinderat Paul Huwiler. Im vergangenen Jahr sei darüber aber besonders intensiv diskutiert worden. Das habe letztlich in einem Auftrag an den Gemeinderat gemündet, das bisherige Konzept zu überprüfen.

Die jungen Leute, erklärt Huwiler weiter, sähen eine Feier für alle 18-Jährigen als eine erste Klassenzusammenkunft: «Sie sind zusammen aufgewachsen, haben die Schulzeit miteinander verbracht und sich dann für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Das Erreichen der Volljährigkeit sehen sie als Anlass, sich wieder einmal zu treffen und auszutauschen. Ein solches Treffen, sagen die jungen Leute, solle nicht nur den Schweizerinnen und Schweizern vorbehalten sein, sondern auch für Ausländer offen.»

Der Gemeinderat habe die Idee aufgenommen und sie wie bei solchen Anträgen üblich dem Jugendrat zur Stellungnahme unterbreitet. Das Echo war positiv, und so habe der Gemeinderat entsprechend Beschluss gefasst.

172 junge Frauen und Männer sind eingeladen

Jetzt ist man im Gemeindehaus gespannt auf das Echo. Es bestehen laut Paul Huwiler berechtigte Hoffnungen, dass sich dank dem neuen Konzept an dieser Feier mehr Leute beteiligen als bisher. Wie in anderen Freiämter und Aargauer Gemeinden hat das Interesse an der traditionellen Jungbürgerfeier auch in Wohlen stark nachgelassen. «2018 haben wir für das Fest 127 Einladungen verschickt, lediglich 31 Personen haben sich angemeldet», sagt Huwiler. Viel mehr Einladungen sind auch dieses Jahr trotz der Integration der Ausländer nicht auf die Post gebracht worden: «Wir haben diesmal 172 junge Frauen und Männer eingeladen und hoffen, dass die Teilnehmerquote deutlich über den 2018 registrierten 25% liegt», erklärt der Gemeinderat.

Der Ablauf der Feier, die am 23. August stattfindet, ist gleich wie bisher. Treffpunkt ist im Zirkuszelt auf dem Festivalgelände des Open Airs Zamba Loca, die jungen Leute erhalten dafür vom Gemeinderat einen Zweitagespass. Nach Ansprachen von Paul Huwiler und Gemeindeammann Arsène Perroud gibt es einen Apéro, danach können die jungen Gäste individuell am Festival teilnehmen: «Für das nächste Jahr müssen wir uns eine andere Form überlegen, weil das Zamba Loca dieses Jahr bekanntlich zum letzten Mal stattfindet», erklärt Paul Huwiler dazu.

Auch in Muri ein Fest für Volljährige aller Nationen

Neu ist der Weg nicht, den Wohlen beschreitet. In Muri hat man, aus den gleichen Gründen, gar darüber diskutiert, die Jungbürgerfeier ganz abzuschaffen. Auf Antrag der Jugendkommission gibt es dort jetzt aber am 14. September erstmals ein Fest für zwei Jahrgänge gleichzeitig. In Muri sind dazu – wie am 23. September in Wohlen – die Volljährigen aller Nationen eingeladen.

Nicht nur in Wohlen und Muri sind die Teilnehmerzahlen der Jungbürgerfeiern immer weiter gesunken. Im Oberen Seetal haben sich vier Gemeinden schon vor Jahren zusammengeschlossen. Die Jungbürgerfeier von Bettwil, Fahrwangen, Meisterschwanden und Sarmenstorf findet seither gemeinsam statt, nach altem Muster. Andere Gemeinden im Aargau, wie zum Beispiel Oberentfelden, haben die Feier ganz abgeschafft, in vielen Gemeinden findet sie nur noch alle zwei Jahre oder zusammen mit der Neuzuzügerfeier statt.