Wohlen
Jugendlohn statt Taschengeld – wie Schüler die Schuldenfalle vermeiden

Präventionsfachfrau Andrea Fuchs zeigt den Eltern der Bezirksschüler auf, wie sie ihre Kinder vor Schulden schützen können. Sie weiss: Auch wegen aggressiver Werbung haben viele junge Menschen unrealistische Vorstellungen von Geld.

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Ein Tipp, um Schulden zu vermeiden: Jugendlichen sollen lernen, nur so viel Geld auszugeben, wie ihnen zur Verfügung steht

Ein Tipp, um Schulden zu vermeiden: Jugendlichen sollen lernen, nur so viel Geld auszugeben, wie ihnen zur Verfügung steht

Keystone

Verschuldung ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Da Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren genauso wie Erwachsene von diesem Phänomen betroffen sind, wird das frühzeitige Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld immer wichtiger. Aus diesem Grund führte der Elternrat Bez Wohlen zusammen mit der Schule und der Schuldenberatung Aargau-Solothurn einen Elternabend zum Thema Jugendliche und Schulden durch.

Andrea Fuchs, Psychologin, Präventionsfachfrau und Mitarbeiterin der Schuldenberatung Aargau-Solothurn, informierte in einem eindrücklichen Referat über die typischen Schuldenfallen und zeigte Lösungsvorschläge auf.

Über Geld reden

Jugendlichen stehen heute unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, Geld auszugeben. Zudem ist die Werbung für Kreditaufnahmen und vordergründig billige Angebote viel aggressiver geworden (Handy für 1 Franken). Schliesslich haben viele junge Leute eine unrealistische Vorstellung von Geld. Sätze wie «jeder kann ein Auto besitzen», «Eltern können zu jeder Zeit alles kaufen» oder «später werde ich viel Geld verdienen» sind in ihren Köpfen verankert.

«Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern mit den Jugendlichen über Geld und reale Lebenskosten sprechen», hielt Fuchs fest. Man müsse den Jugendlichen erläutern, was beispielsweise die Wohnung, Esswaren, Haushalt, Nebenkosten, ein Auto, Steuern, Versicherungen, Ferien und persönliche Ausgaben kosten und welche regelmässigen Kosten zu begleichen sind.

Die Fachfrau riet, die Jugendlichen in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und ihnen die Einnahmen und Ausgaben anhand von einfachen oder Budgets aufzuzeigen. «Wichtig ist, dass die Jugendlichen lernen, nur so viel Geld auszugeben, wie ihnen zur Verfügung steht», hielt sie fest.

Selber einzuteilen lernen

«Zusätzlich zu den Gesprächen ist es sinnvoll, den Jugendlichen ab der Oberstufe die Möglichkeit zu geben, das Geld selber einteilen zu lernen», riet Andrea Fuchs. «Dafür eignet sich, statt des Taschengelds, die Abgabe von Kleidergeld oder einem Jugendlohn.»

Wenn nämlich Jugendliche selbst für Anschaffungen wie Kleider, Schuhe, Handy, Sportgeräte, Vergnügen, Schulmaterial und Ähnliches verantwortlich seien, würden sie auch mehr Sorge dazu tragen und sich den Kauf teurer Markenartikel sehr genau überlegen.

Beim Taschengeld werde oft nur an Shopping, Style und Ausgang gedacht. «Der Jugendlohn lehrt früh, mit Geld umzugehen, Entscheidungen zu treffen und einzuteilen. Dies kann dazu beitragen, beim ersten richtigen Lohn realistisch einzuschätzen, was das eigene Leben kostet.»

Mit dem Beginn der Lehre müsse diskutiert werden, was die Eltern weiterhin bezahlen und was die Jugendlichen übernehmen müssen. «Empfehlenswert ist zudem das Einrichten eines zusätzlichen Sparkontos, neben dem Lohnkonto», so die Fachfrau. All dies helfe den Jugendlichen, sich selbst finanziell gut zu organisieren.

Nach dem Vortrag mit vielen wertvollen Tipps und Informationen konnten die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen die Themen noch einmal durchlesen und hatten die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen. (az)