Nadine Burtscher, Co-Präsidentin des Dachverbandes Schweizer Jugendparlamente (DSJ) hat es bestätigt: Die Wohler Jugendsession ist nicht nur das einzige Jugendparlament im Freiamt, sondern im gesamten Kanton. Vizeammann Paul Huwiler hat es rasch überschlagen: Nur rund 3 % der Schweizer Ortschaften haben ein solches Jugendparlament. «Das ist eine super Leistung für Wohlen. Wir reden nicht nur, sondern leben die Partizipation. Wir nehmen die Jugendlichen und ihre Wünsche sehr ernst.»

Und auch die Jugendlichen selbst haben gezeigt, dass sie sehr am Geschehen in Wohlen interessiert sind. Am Freitag vor der Session haben nämlich 76 Jugendliche die Anliegen der Jugendsession diskutiert und formuliert. «Wir sind aus allen Nähten geplatzt, das ist ein neuer Spitzenrekord», freute sich Jugendarbeiterin Carmen Bärtschi von der Jugendarbeit Wohlen, die für Jugendrat und Jugendsession verantwortlich ist. Und auch zur Atmosphäre unter den Jugendlichen fand Huwiler: «Ihr diskutiert sehr gut mit und setzt euch ein. Es ist hier oft ruhiger als im Einwohnerrat.»

Denk global – handle lokal

Dieses Mal stand die Jugendsession unter einem speziellen Motto: «worldwidewohlen.ch: Denk global – handle lokal». Für Carmen Bärtschi schien das Thema beinahe unmöglich. Doch dann stiess sie zusammen mit den Jugendlichen auf verschiedene Ziele, wie das Zusammenleben in Wohlen verbessert werden könnte. Frei nach Laotses Motto, dass man erst sich selber verändern muss, um sein Haus zu verändern, um seine Strasse zu verändern, um seine Stadt zu verändern, um sein Land zu verändern, um die Welt zu verändern. So konnte der Jugendrat – der ein weiteres Jahr unter dem Präsidium von Lionel Zingg stehen wird – am Ende vier Themenschwerpunkte erstellen, die er dem Gemeinderat überreichen konnte.

Jugendfreundlicheres Wohlen

Ein wichtiger Punkt war die jugendgerechte Gestaltung der Gemeinde. Die Jugendlichen wünschen sich öffentliches WLAN, die Umgestaltung des Merkur-Areals, die Planung und Umsetzung des neuen Bahnhofs ohne Freiverlad und Güterschuppen, die Aufwertung der Zentralstrasse. Und sie sprechen sich – wohl anders als viele erwartet hätten – gegen die Oase Isler-Areal aus. Sie sind gerne bereit bei der Aufwertung Wohlens zu helfen. Zur Verbesserung des Zusammenlebens in der Schule möchten sie automatische Boxsäcke, an denen man Aggressionen loswerden kann, mit deren Erlös aber auch gemeinnützige Projekte finanziert werden sollen. Zudem schlagen sie einen «Tool-Pool» vor, wo man Geräte, die man selten braucht, mit anderen teilen kann. Und sie wünschen sich eine Gemeinde-App, die gerade Jugendliche über die Wohler Politik auf dem Laufenden hält. Vizeammann Paul Huwiler nahm diese Anliegen gerne entgegen.

In der restlichen Zeit wurde den Jugendlichen das Diskutieren und Debattieren gezeigt. Selbst die Politiker hatten Spass daran, sich den Argumenten zu stellen und zu einem interessierten Politnachwuchs beizutragen.