KSB Wohlen
Jugendliche lehnen die Juso-Initiative ab

Politiker konnten Schülerinnen und Schüler der ksb Wohlen mit ihren Argumenten nicht überzeugen.

Fabio Vonarburg
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Die Schüler und Schülerinnen der ksb Wohlen forderten die vier Jungpolitiker mit ihren Fragen. Fabio Vonarburg

Die Schüler und Schülerinnen der ksb Wohlen forderten die vier Jungpolitiker mit ihren Fragen. Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Es ist schon fast ein ungeschriebenes Schüler-Gesetz: Zuerst werden die hintersten Stuhlreihen gefüllt, egal ob im Klassenzimmer oder in der Aula. Dies war an der gestrigen Podiumsdiskussion der Kantonalen Schule für Berufsbildung Wohlen (ksb) nicht anders. Die Schüler und Schülerinnen des 10. Schuljahrs nahmen im Casino in den hinteren Reihen Platz, die zwei vordersten blieben mehrheitlich leer. Die Jugendlichen verfolgten die Debatte über die Juso-Abstimmungsvorlage vom 28. Februar, «Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln», lieber aus dem Hintergrund. Einzig vier junge Männer «wagten» sich in die erste Reihe. Wie alle anderen hörten sie den vier Politikern aufmerksam zu, doch kaum war die Fragerunde eröffnet, schnellten ihre Hände in die Höhe.

Platz Zwei für Juso-Initiative

Einer der vier ist Ricardo Lanz. Er interessiere sich für Politik, begründet der 19-Jährige nach der Podiumsdiskussion seine Motivation. Er durfte bereits bei den einigen Abstimmungen seine Stimme abgeben, jene am 28. Februar beschäftigen ihn aber besonders: «Am meisten interessiere ich mich für die Durchsetzungsinitiative, auf Platz zwei folgt aber schon die Abstimmung über die Spekulation mit Nahrungsmitteln.» Diese fordert, dass mit Nahrungsmitteln wie Reis, Kaffee, Soja oder Weizen in der Schweiz zukünftig keine spekulativen Geschäfte mehr gemacht werden dürfen.

Matilde Russo, Teamleiterin ksb Wohlen, hat die Podiumsdiskussion mitorganisiert: «Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, über die Durchsetzungsinitiative zu diskutieren. Denn wir hatten vor zwei Jahren bereits die praktisch gleiche Thematik behandelt – die damalige Masseneinwanderungsinitiative.» Jedes Jahr organisiert die ksb Wohlen für ihre 10. Schuljahr-Absolventen eine Podiumsdiskussion. «Die Jugendlichen sollen unser Politiksystem hautnah erleben können», sagt Russo. Während zehn Schulstunden bereiteten sich die Klassen auf die Podiumsdiskussion vor. Recherchierten über die Thematik, schrieben einen Aufsatz darüber und vor allem: diskutierten. «Die Diskussion nahm ein Grossteil der Zeit in Anspruch», sagt Russo.

Auch Ricardo Lanz hat sich im Vorfeld intensiv mit der Initiative der Juso auseinandergesetzt. Und es hat ihn beeinflusst: «Am Anfang war ich dafür. Als ich mich aber länger damit auseinandersetzte, machte ich einen Schwenk auf die Gegnerseite.» So war Ricardo Lanz besonders gespannt auf die Podiumsdiskussion. Würde er seine Meinung erneut anpassen müssen? Nach der 90-minütigen Podiumsdiskussion stand sein Verdikt fest: «Nein, die Befürworter konnten mich nicht wieder auf ihre Seite ziehen.»

Keine Meinungsänderungen

So wie ihrem Mitschüler Ricardo Lanz ging es den meisten 10.-Klässlern der KSB: Auch bei ihnen waren die Meinungen schon vor der Podiumsdiskussion gemacht und die vier jungen Politiker auf der Bühne schafften es nicht, an diesen zu rütteln. Weder die Befürworter mit Sandro Covo (Juso) und Daniel Hölzle (Grüne), noch die Gegner der Vorlage, die an diesem Vormittag vertreten waren durch Yatin Shah (Jungfreisinnige) und Jan Severa (FDP). Als Moderator Mathias Küng, Politchef der Aargauer Zeitung, die Schüler nach deren Meinungen befragte, zeigte sich ein klares Kräfteverhältnis. Die Gegner der Vorlage waren weit in der Überzahl.

Letztendlich musste Moderator Mathias Küng die Fragerunde abbrechen, sonst hätten die Schüler wohl hungrig in die Schulstunden am Nachmittag gehen müssen. Das Mittagessen wäre schlicht ausgefallen. Denn die Fragen schienen unerschöpflich, vor allem jene der vier in der ersten Reihe. Kaum hatten sie eine Antwort bekommen, schnellten ihre Hände wieder hoch.

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