13x Ja und 2 x Nein: Deutlich befürworteten die Vertreter der 15 angeschlossenen Bremgarter Bezirksgemeinden an der Versammlung die geplante kleine Strukturreform. Aus dem Jugendfürsorgeverein des Bezirks Bremgarten, so die Idee, soll in Bälde der Gemeindeverband Jugend- und Familienberatung werden. Bei den zwei Gemeinden, die gegen die Verbandslösung stimmten, handelt es sich um die Kellerämter Gemeinde Jonen und die Städtchengemeinde Bremgarten. Weshalb scherten die beiden Gemeinden aus?

Jonen: «Unglücklicher Zeitpunkt»

Der Gemeinderat Jonen sage keineswegs grundsätzlich Nein zum Gemeindeverband, stellt Frau Gemeindeammann Beatrice Koller klar: «Wir halten bloss den Zeitpunkt für unglücklich.» Nach Auffassung der Gemeindebehörde Jonen soll zuerst das Ergebnis eines Fachgutachtens abgewartet werden, ehe man über einen Gemeindeverband Jugend- und Familienberatung befindet.

Dieses Fachgutachten soll klären, ob ein grosser Dachverband der drei sozialen Organisationen im Bezirk Bremgarten – Jugendfürsorgeverein, Mütter- und Väterberatung, Kindes- und Erwachsenenschutzdienst – in relativ kurzer Zeit machbar ist und Sinn macht. Falls ja, so Beatrice Koller, könne man den Dachverband direkt anstreben, ohne den Umweg über einen separaten Gemeindeverband einschlagen zu müssen.

Bremgarten: «Türe nicht zugeschlagen»

Bremgarten lehnte an der Versammlung den Gemeindeverband ab, weil der Stadtrat den Abschluss von Leistungsverträgen ohne zusätzliche Verbandsstruktur bevorzugt. Bewirkt das deutliche Versammlungsresultat von 2:13 ein Umdenken im Stadtrat? «Das wird sich zeigen», sagt die Bremgarter Stadträtin Bernadette Sutter.

Die Stadtbehörde habe sich eine kurze Denkpause verordnet und werde das Thema demnächst nochmals besprechen. «Die Türe zum Vorstand des Jugendfürsorgevereins wird nicht zugeschlagen», erläutert Sutter. Nach den Sommerferien finde eine Sitzung mit den Vereinsverantwortlichen statt.

Als einzige Gemeinden stimmten Jonen und Bremgarten auch gegen das neue Finanzierungskonzept, das zur Finanzierung der Jugend- und Familienberatungsstelle eingeführt werden soll. Auch in diesem Punkt sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, heisst es aus Bremgarten. Das neue Finanzmodell gewichtet das Verursacherprinzip stärker als das aktuelle. Gemeinden mit vielen Fällen sollen fortan höhere Beiträge zahlen als heute.

«Notwendiger Zwischenschritt»

Ein definitives Nein der grossen Gemeinde Bremgarten würde den angestrebten Gemeindeverband gefährden, wenn nicht gar verunmöglichen. «Wir hoffen, dass sich Bremgarten auch aus Solidarität mit den anderen Gemeinden umbesinnt», sagt Patrick Cimma (Zufikon) vom Vorstand des Jugendfürsorgevereins. Klar sei, dass eine Verbandslösung ohne Bremgarten kein einfaches Unterfangen wäre.

Wie der Gesamtvorstand erachtet auch Cimma die Verbandslösung als «notwendigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einem möglichen Gesamtverband mit den drei Sozialinstitutionen des Bezirks.» Ob und wann man einen solchen Dachverband realisieren kann, sei zurzeit ungewiss. Auch deshalb sei der Zwischenschritt wichtig.

Als grossen Pluspunkt der geplanten neuen Rechtsform bezeichnet Cimma «die breitere Abstützung. Im Verband haben die Bewohner der angeschlossenen Gemeinden ein Mittbestimmungsrecht, bei der aktuellen Vereinslösung aber nicht.» Zudem würde ein Gemeindeverband die Jugend- und Familienberatungsstelle stabilisieren und auch politisch stärken.