Bremgarten
Jugendarbeit: Berner sind ausgestiegen

Nur noch der Verein für Jugend und Freizeit aus Wohlen ist im Rennen um die offene Jugendarbeit

Lukas Schumacher
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Praktisch gelaufen: Der Wohler Verein – hier vertreten durch Karin Stoll, Geschäftsführer Arsène Perroud, Präsident Alex Meyer und Lukas Graf (von links) – wird den Zuschlag für die Umsetzung der offenen Jugendarbeit erhalten. Archiv/Toni Widmer

Praktisch gelaufen: Der Wohler Verein – hier vertreten durch Karin Stoll, Geschäftsführer Arsène Perroud, Präsident Alex Meyer und Lukas Graf (von links) – wird den Zuschlag für die Umsetzung der offenen Jugendarbeit erhalten. Archiv/Toni Widmer

Toni Widmer

Das Bremgarter Duell ist geplatzt. Überraschenderweise warf der Verein Jugendwerk aus Münchenbuchsee das Handtuch. Die Berner nahmen nicht an der zweiten Ausschreibungsrunde für die Vergabe der offenen Jugendarbeit teil, obschon sie dies im Sinn hatten. Weshalb die Kehrtwende? «Unser Vorstand hat sich letztlich anders entschieden», teilt Reto Blaser vom Verein Jugendwerk mit. Ausschlaggebend seien personelle Gründe gewesen. Man wolle sich vorderhand auf die acht Berner Jugendarbeitsmandate für 16 Gemeinden beschränken, die das Jugendwerk ausübe. Wegen der dünnen Personaldecke hätte sein Jugendwerk das Bremgarter Konzept kaum vernünftig stemmen können.

Wohlen konkurrenzlos

Als einziger Bewerber im Rennen verbleibt der benachbarte Verein für Jugend und Freizeit (VJF) aus Wohlen. Er wird demnach zu 99,9% den Auftrag erhalten. Offiziell fällt der Stadtrat den Vergabeentscheid in drei Wochen, auf Antrag der Jugendkommission Bremgarten.

Jugendarbeit mit Verzögerung

Vor einem Jahr, am 1. April 2014, hätte die offene Jugendarbeit Bremgarten starten sollen. Weil die Zusammenstellung des Leistungsauftrags länger dauerte als vermutet, verschob man die Umsetzung auf den Herbst 2014. Ein sehr umstrittener Entscheid des Stadtrats – das Jugendwerk Münchenbuchsee wurde mit dem Auftrag betraut und nicht der Wohler Verein für Jugend und Freizeit – sowie eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht verzögerten den Start erneut. Auf Anweisung des Gerichts musste der Stadtrat den Auftrag für die offene Jugendarbeit nochmals vornehmen, und zwar in Form einer öffentlichen Ausschreibung; die für ungültig erklärte erste Bewerbungsrunde war als Einladung an mehrere professionelle Anbieter von Betreuungsleistungen für Jugendliche gegangen, was dem Verwaltungsgericht missfiel. In der zweiten Runde hat sich einzig der Wohler Verein beworben. Er kommt per 1. August 2015 zum Handkuss. (sl)

Am 1. August, in vier Monaten also, startet die offene Jugendarbeit. Welche Person oder Personen der VJF mit dem Bremgarter Auftrag (100 Stellenprozente) betraut, ist noch offen. Das Konzept hingegen steht seit eineinhalb Jahren. Es ist ausgerichtet auf die rund 500 Bremgarter Jugendlichen zwischen 13 bis 19 und die rund 400 Oberstufenschüler, die auswärts wohnen und in Bremgarten zur Schule gehen. Im Mittelpunkt des Angebots stehen die aktive Freizeitgestaltung der Jugendlichen sowie die Unterstützung und Begleitung von Aktivitäten der jungen Leute.

Im Weiteren soll die offene Jugendarbeit den Jungen als gut vernetzte Anlaufstelle zur Verfügung stehen. Dies im Zusammenhang mit allerlei Anliegen, bei beruflichen Bewerbungen, bei Projekten sowie auch bei persönlichen Problemen der Jugendlichen. Zum räumlichen Dreh- und Angelpunkt des recht umfassenden Angebots wird der bestehende Jugend-Treff im Reussbrückesaal-Gebäude beim Casino.

33 Monate und 445 000 Franken

Im Dezember 2013 genehmigten die Städtchenbewohner die offene Jugendarbeit in Form einer dreijährigen Pilotphase. Der bewilligte «Fahrplan» dauert total 33 Monate. Er beginnt am 1. August 2015 und endet am 30. April 2018. Im Dezember 2017 wird die Gemeindeversammlung Bremgarten entscheiden, ob das Angebot unbefristet weiterläuft oder auf Ende April 2018 eingestellt wird.

Keine Änderung erfuhr der Ende 2013 mit dem Konzept genehmigte Kostenrahmen. Demnach kostet die dreijährige Testzeit total 445 000 Franken. Einnahmen von gesamthaft rund 84 000 Franken, zusammengesetzt aus Beiträgen des Kantons Aargau und kleineren Erträgen, verbilligen die Jugendarbeit. So bleiben Bremgarten Ausgaben von rund 361 000 Franken.

Bis zur Einführung der offenen Jugendarbeit ist der Jugendtreff im Reussbrückesaal vorderhand zweimal pro Woche geöffnet, jeweils am Mittwochnachmittag und am Freitagabend.