Vor 400 Jahren wurde der Vertrag für den Bau einer neuen, grossen Orgel für die Klosterkirche Muri unterzeichnet. Grund genug für Murikultur und Musik in der Klosterkirche, am 26. Mai, um 17 Uhr ein Orgelkonzert mit Johannes Strobl, Muri, und Gabriel Wolfer, Saint-Ursanne, zu organisieren.

Am Dreifaltigkeitssonntag, 26. Mai 1619, setzten der Klosterschreiber Ulrich Honegger und der Orgelbauer Thomas Schott aus Bremgarten im Beisein des Abts Johann Jodok Singisen, des Priors Benedikt Lang sowie des Organisten Jakob Geiger ihre Namen unter den Vertrag zum Bau einer neuen grossen Orgel für die Klosterkirche Muri. Am Sonntag, 26. Mai – dem 400. Jahrestag dieser Vertragsunterzeichnung – gestalten Johannes Strobl, Organist der Klosterkirche Muri, und Gabriel Wolfer, Organist der Stiftskirche Saint-Ursanne, ein Konzert an den drei historischen Orgeln der Klosterkirche Muri. Diese Konstellation ist kein Zufall: Auch das Chorherrenstift Saint-Ursanne nahm Thomas Schott im Jahr 1619 für eine neue Orgel unter Vertrag. Diese konnte bereits 1623 eingeweiht werden, während das Kloster Muri noch bis 1630 auf die Ankunft des neuen Instruments warten musste. Die Schott-Orgel von Saint-Ursanne ist heute allerdings nicht mehr erhalten.

In die Zeit der Erbauung

Mit ihrem Programm – Werke von Piotr Drusinski, Carl van der Hoven, Francisco Correa de Aurauxo, Jan Pieterszoon Sweelinck, Manuel Rodrigues Coelho, Anthoni von Noordt, Charles Luython, Heinrich Scheidemann und Dieterich Buxtehude – führen die beiden Organisten am 26. Mai ihr Publikum in die Zeit der Erbauung der Grossen Orgel. In Sweelincks Variationen über den Choral «Allein Gott in der Höh sei Ehr», abwechselnd gespielt an den beiden Chororgeln, erklingt der Wunsch Thomas Schotts, sein neues Instrument möge zur Ehre Gottes gespielt werden.

Gabriel Wolfer ist Titularorganist an der historischen französischen Orgel (1776) der Stiftskirche Saint-Ursanne. Sein Orgelstudium begann er bei Paul Flückiger in Porrentruy. Später studierte er am Conservatoire in Belfort in der Orgelklasse von Jean-Charles Ablitzer sowie Cembalo und Generalbass bei Michel Laizé. 15 Jahre lang setzte er sich in Kursen von Michael Radulescu mit dem Werk von Johann Sebastian Bach auseinander und wirkte seit 1998 als Continuospieler an vielen grossen Aufführungen der Bachakademie Porrentruy unter der Leitung von Michael Radulescu mit. Seit 2010 ist Gabriel Wolfer Präsident der Fondation Pro Musica Porrentruy und vom Kanton Jura beauftragter Kustos der AhrendOrgel der Jesuitenkirche. Unter seiner Leitung findet das Festival «Tribunes baroques» statt.

Mit Künstlergespräch

Johannes Strobl stammt aus Kärnten, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst «Mozarteum» Salzburg bei Heribert Metzger und schloss seine Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis bei Jean-Claude Zehnder, Jörg-Andreas Bötticher, Jesper Christensen und Rudolf Lutz ab. 2001 wurde er zum Kirchenmusiker der Pfarrei Muri gewählt und betreut die Konzertreihe «Musik in der Klosterkirche Muri» inzwischen in seiner 18. Saison. Seit 2011 unterrichtet er Improvisation und Liturgisches Orgelspiel, Generalbass und Aufführungspraxis an der Hochschule Luzern – Musik.

Das Jubiläumskonzert am Sonntag, 26. Mai, beginnt um 17 Uhr, dauert eine Stunde und findet bei freiem Eintritt statt. Nach dem Konzert wird um einen Beitrag an die Kollekte gebeten. Ausserdem findet um 16.30 Uhr im Besucherzentrum direkt neben der Klosterkirche ein kurzes Gespräch mit den Künstlern statt. (az)