Wohlen

Journalist Christian Breitschmid: «Der Papst ist ein guter Kommunikator»

Christian Breitschmid: «Gute Kommunikation ist wichtig, gerade im kirchlichen Bereich.» BA

Christian Breitschmid: «Gute Kommunikation ist wichtig, gerade im kirchlichen Bereich.» BA

Christian Breitschmid ist als Kommunikationsbeauftragter das Sprachrohr der kantonalen Landeskirche. «Ich habe die schöne Aufgabe, den 228'000 Katholikinnen und Katholiken zu erklären, dass die Kirche für alle Menschen eine gute Sache ist», sagt er.

Nicht nur in der Wirtschaft und der Politik, sondern auch in der Kirche sind erfahrene Medienprofis gefragt. Seit einem halben Jahr sitzt der Wohler Journalist Christian Breitschmid (46) als Kommunikationsbeauftragter und Stellvertreter des Generalsekretärs an einer der Schaltstellen in der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Aargau in Aarau.

«Ich habe einen tollen Job, der mich voll fordert», meint Breitschmid.

«Ich habe die schöne Aufgabe, den 228 000 Katholikinnen und Katholiken zu erklären, dass die Kirche für alle Menschen eine gute Sache ist», meint Breitschmid. «Das Christentum soll alle Menschen ernst nehmen, gleichgültig, in welcher Stellung sie in der Gesellschaft stehen, ihnen eine Heimat vermitteln und als Vermittler von Werten auftreten.»

So mache sich die katholische Landeskirche auch für die Familien stark. «Gerade den jungen Familien wollen wir mehr Angebote machen.»

Kirche im Aargau wächst wieder

Nach einer geballten Ladung von Krisenmeldungen, die über die kat-holische Kirche durch die Weltpresse gingen, darf Breitschmid Erfreuliches berichten: «Die grosse Ausstiegswelle ist im Aargau zum Glück vorbei. Wir verzeichnen weniger Kirchenaustritte als früher. Die katholische Kirche wächst im Aargau sogar, durch die Zuwanderer.»

Glücklich ist Breitschmid auch über den neuen Papst Franziskus. «Ein einfacher Mensch, der die Menschen direkt anspricht, hat sein Amt angetreten. Das ist für die katholische Kirche ein Glücksfall. Ich habe die Papstwahl am Fernseher mitverfolgt und war begeistert, wie Franziskus die Menschen mit einem schlichten ‹Guten Abend, liebe Brüder und Schwestern› für sich einnahm.»

Kirchenpfleger in der Schulbank

Der Papst sei offensichtlich ein guter Kommunikator, meint Breitschmid. Richtig zu kommunizieren, sei keine Hexerei. «Aber man muss ein paar Spielregeln befolgen.»

Was Breitschmid von seiner Zeit als Zeitungs- und Fernsehjournalist schon kennt, sollen auch die Kirchenbehörden in den Gemeinden erfahren. Vor Ostern erklärte er an einer Tagung 300 Aargauer Kirchenpflegerinnen und -pflegern, wie sie agieren sollten, wenn neugierige Journalisten unbequeme Fragen stellen.

Breitschmid verwickelte einzelne Kirchenpflegemitglieder in gestellte Interviews. Er stellte die Fragen, die Kirchenpfleger hatten zu antworten. «Das Wichtigste in der Kommunikation ist: Den Satz ‹Kein Kommentar› gibt es nicht. Man kann immer eine Antwort geben. Man muss es sogar, wenn man nicht riskieren will, dass nach dem Interview etwas Falsches in der Zeitung steht.»

Das Interviewtraining habe auch ihm gut getan, stellt der Wohler Kirchenpflegepräsident Kurt Notter fest, der bei Breitschmid auf dem «heissen Stuhl» sass. «Ich habe viel dabei gelernt.»

Breitschmid machte den Kirchenpflegemitgliedern Mut: «In der Regel wissen die Journalisten weniger über die Kirche, als sie vorgeben.» Das müssten die Kirchenpfleger für sich ausnützen. «Ich habe ihnen gesagt, dass sie, die Kirchenpfleger, die Spezialisten seien.»

Wo Zweifel bestehen, dass die Botschaft richtig verstanden worden, sollten die Behördemitglieder auf dem Recht bestehen, den Text vor dem Druck gegenlesen zu dürfen, empfahl Breitschmid. So könnten Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

«Ich habe den Teilnehmern an der Tagung auch geraten, jedem Journalisten im Verlauf des Interviews zu erklären, welche guten Sachen in der Kirche gemacht werden», sagt Breitschmid.

Zuerst geben, dann nehmen

Die Kirchenpfleger wollten an der Tagung auch wissen, wie man «die Kirche» in die Medien bringt. Breitschmid wusste eine Antwort: « Kommunikation beruht auf dem Gesetz von Geben und Nehmen. Ich habe den Kirchenpflegern empfohlen, den Medien zuerst etwas zu geben, allenfalls wenn gewünscht auch einmal ein Veranstaltungsinserat. Wenn die Beziehung zur Zeitung stimmt, kommt auch etwas zurück.»

Ebenso wichtig wie korrekte Presseberichte über die Kirche sei die Kommunikation innerhalb der Pfarrei zwischen Pfarreiverantwortlichen, Personal und Kirchenpflege. Wo das nicht gut funktioniere, entstünden unnötigerweise Reibungsflächen.

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