Bei ihm zu Hause gab es früher die normale und die «sogenannte schöne Stube», erzählt der 84-jährige Senior Josef Koch. «Ungefähr eine Woche vor Weihnachten kam mein Grossvater mit einem Tannenbaum unter dem Arm. Ab dann war die schöne Stube abgeschlossen. Da wusste man: Aha! Da ist etwas Weihnachtliches im Gange», erinnert sich der gebürtige Büttiker. «Wir haben damals sehr stark ans Christkindli geglaubt. Wir legten einen Zettel mit unseren Wünschen vors Fenster, am nächsten Morgen war dieser jeweils verschwunden.» Zum Abendessen gab es Pastetli oder einfach «öppis Bessers», so Koch. «Meine Mutter hat Guetzli gebacken – Mailänderli. Aber ich bin lieber draussen ‹umegrösslet›, als zu helfen. Der Mutter ging es sowieso ringer ohne uns.» Bei dieser Erinnerung muss Josef Koch lachen.

«Nach dem Znacht ist dann das Christkindli gekommen. Mein Bruder und ich mussten währenddessen abwaschen.» Die beiden wurden in der Küche eingeschlossen. «Wir haben immer durchs Schlüsselloch geguckt, aber nie etwas gesehen.» Das Zeichen, dass das Christkind wieder davonflog, war wenn es «glögelete». Der Vater drehte den Schlüssel im Schloss der Küchentür um. «Wir sind sofort losgerannt», erzählt der frühere Nähmaschinenverkäufer lachend.

«Wir hatten keinen Rappen»

In der schönen Stube leuchteten dann die angezündeten Kerzen auf den Ästen des Weihnachtsbaumes. Und darunter lagen die Geschenke. «Man musste aufs Geld schauen, deshalb bekamen wir etwas, das man sowieso brauchen konnte.» So gab es manchmal etwas zum Spielen, beispielsweise eine Eisenbahn zum Aufziehen, oder etwas Praktisches: Socken, Handschuhe oder einen Pullover. «Manchmal hätte man die Dinge schon früher gebraucht. Die Mutter dachte sich aber, es wäre schade, wenn sie uns nichts zu Weihnachten hätte.»

An ein Geschenk erinnert sich Koch noch besonders gut: Er bekam eine Handorgel. «Das war ein sehr grosses Geschenk. Wir hatten eine gemietet und ich hatte so Freude daran, dass es zu Weihnachten eine eigene gab.» Die Kinder schenkten ihren Eltern nichts. Koch erklärt: «Wir konnten gar nicht, wir hatten keinen Rappen. Die Alten haben sich aber gegenseitig etwas geschenkt.»

Kafi Schnaps für die Soldaten

Nach dem Abendessen gings, sofern es das Wetter zuliess, zur Mitternachtsmesse. «Wir wohnten nicht gerade bei der Kirche, und wir hatten kein Auto. Also zog man sich an und «machte noch einen schönen Verdauungsspaziergang».

An die Zeit während des Zweiten Weltkriegs kann sich der 84-Jährige noch gut erinnern. «Das war zwar nicht nur in der Weihnachtszeit so», stellt er klar, «aber auch dann mussten wir die Fenster immer verdunkeln. Und dann ging man halt schon früh ins Bett.» Ausserdem übernachteten in der Scheune der Familie damals um die 10 bis 15 Soldaten. «Sie hatten sich in einem Wäldchen in der Nähe eingegraben. Meine Mutter gab mir dann ein Milchkesseli mit Kaffee und Schnaps, das ich zu den Soldaten brachte. Die hatten richtig Freude.»

Damals hatte es noch viel mehr Schnee. «50 Zentimeter hatte es sicher. Vielfach war es weiss an Weihnachten. Und wenn nicht, dann gab es weisse Ostern», so der Senior. «Wir sind viel geschlittelt oder fuhren auf den Ski. Ski-Ferien vermochten wir nicht. Wir marschierten auf einen nahen Hügel und fuhren dort. Von einem Ski-Lift war weit und breit keine Spur.» Er schmunzelt. «Eine Abfahrt dauerte ungefähr zwei oder drei Sekunden.»

Krippen bauen als Leidenschaft

«Das war gar nicht mehr geheim, sondern ganz normal», erzählt Koch vom Weihnachtsfest mit seinen eigenen drei Töchtern. Die Tradition mit der Weihnachtsmesse in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember führte er aber weiter. Auch die Geschenke wurden weniger praktisch. «Wir haben immer geschaut, dass sie etwas zum Spielen hatten. Etwas zum Bäbele. Oder einen Chrämerlade.»

Die Familie hatte viel Weihnachtsdekortion, denn Koch entdeckte seine Leidenschaft: Krippenbauen. Er trat einem luzerner Krippenverein bei und erlernte in drei Wochen, verteilt auf drei Jahre, das Handwerk. «Ich war ein Holzwurm, schon seit ich Nägel einschlagen konnte.» Zu Hause hatte er eine Hobby-Werkstatt, in der er alles Mögliche zusammenbastelte.

Auch jetzt ist sein Zimmer in der Oberen Mühle in Villmergen mit weihnachtlichen Holzsachen geschmückt. Eine kleine Krippe und ein Drehspiel fallen ins Auge. Diese hat er zwar nicht selber gemacht, aber auf seinem Nachttisch stehen zwei selber geschreinerte Holzengel, in die eine Kerze gestellt werden kann. Allerdings nur eine elektrische, denn echte Kerzen sind im Seniorenzentrum nicht erlaubt.