Muri
Josef Brühlmann ist gestorben, sein Lebenswerk bleibt erhalten

Er hatte jeden der über 700 Engel der Klosterkirche Muri mindestens einmal in der Hand. Jetzt ist der langjährige Restaurator Josef Brühlmann im Alter von 80 Jahren gestorben. Der heutige Glanz der Klosterkirche ist untrennbar mit ihm verbunden.

Eddy Schambron
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Josef Brühlmann hat als Restaurator grosse Verdienste erworben. Sein Name und der Glanz der Klosterkirche Muri sind untrennbar miteinander verbunden.

Josef Brühlmann hat als Restaurator grosse Verdienste erworben. Sein Name und der Glanz der Klosterkirche Muri sind untrennbar miteinander verbunden.

ZVG/Archiv

Josef Brühlmann, gelernter Schreiner, bildete sich an der Holzbildhauerschule in Brienz und später beim bekannten Kunstrestaurator Hans Fischer in Bern weiter. Er wurde zum Fachmann für barocke Innenausstattungen.

1961 begann die Innenrestaurierung der Klosterkirche Muri. Brühlmann war von Anfang an dabei und wurde in gut 40 Jahren Arbeit als Restaurator zum intimen Kenner der Kirche.

Immer Muri im Kopf

Der Murianer Restaurator erhielt zunehmend auch Aufträge von auswärts, wie der langjährige Präsident der katholischen Kirchgemeinde Muri, Hans Martin Strebel, im «Freiämter» in einer Geburtstagslaudatio festhielt.

So erhielt er beispielsweise zu Beginn der Neunzigerjahre den grossen Auftrag im Rahmen der Restaurierung der Wettinger Klosterkirche. «Immer mehr wuchs er zum Experten, welcher von Universitätsprofessoren sowie von Denkmalpflegern von Bund und Kantonen regelmässig beigezogen wurde.»

Von diesen auswärtigen Kontakten habe auch die Klosterkirche Muri reichlich profitiert, denn bei all seinen Reisen habe Brühlmann «seine» Kirche im Hinterkopf behalten. So entdeckte er beispielsweise im Estrich des Klosters Fahr das Ölgemälde, welches heute den Hochaltar ziert.

Ein in Holz geschnitztes Schwert, das er im Estrich der Klosterkirche aufbewahrte, passte genau in das Loch einer Holzskulptur im Pfarrhof Sarmenstorf, die er zufällige entdeckte. Es handelte sich um den Apostel Paulus, welcher nach der Klosteraufhebung entwendet worden war und nun auf dem Murianer Chorgestühl fehlte.

Beliebter Klosterführer

Seit Brühlmann 2006 in den Ruhestand getreten war, führte er Besucherinnen und Besucher aus nah und fern durch die Klosterkirche, den Kreuzgang und die Krypta. Am liebsten zeigte er den Kindern das alte, mechanische Uhrwerk der Klosterkirche von 1752. Dieses setzte einst die sechs Glocken in Bewegung. Es wurde 1957 abgebaut und fristete in einer Ecke ein Schattendasein, bis es dank der Emmy-Ineichen-Stiftung als Schauobjekt wieder aufgebaut werden konnte.

Hin und wieder liess er sich gewinnen, aus früheren Zeiten zu erzählen, von markanten Menschen wie dem früheren Feldmauser «Gängeli» Johann Stöckli oder der wunderlichen Maria Staubli, die «Näppitätsch» genannt wurde. Schliesslich brachte er 2003 den Bildband «Grüsse aus Muri» heraus, welcher das Klosterdorf mit Post- und Ansichtskarten aus seiner Sammlung zeigt.

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