Kirche in Not

Jonen empfängt Besuch aus Kirgistan

Pater Kahn mit Jugendlichen zvg/Kirche in Not

Pater Kahn mit Jugendlichen zvg/Kirche in Not

Pater Johannes Kahn berichtet über die Lage der Katholiken in dem muslimischen Land

Pater Johannes Kahn aus Kirgistan besucht vom 2. bis 18. Oktober die Schweiz. Er wird während 14 Tagen in Gottesdiensten und Vorträgen über die Projekte des Hilfswerks Kirche in Not in Kirgistan und über das Leben in diesem Land Zentralasiens berichten. Das internationale katholische Hilfswerk lädt immer wieder Geistliche in die Schweiz ein.

Pater Johannes Kahn feiert in der Kapelle Jonental am Samstag, 17. Oktober, einen Gottesdienst um 8.30 Uhr. In einer Medienmitteilung berichtet das Hilfswerk bereits jetzt ausführlich über das Leben und Wirken des Geistlichen.

Am Gottesdienst spricht der deportierte Deutscher darüber, wie die Hilfsgelder in Kirgistan eingesetzt werden. Kirche in Not unterstützt Projekte in Zentralasien mit jährlich rund 500 000 Franken.

Heimlich religiös erzogen

Pater Kahn wurde am 9. September 1965 in der Sowjetunion geboren, auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan. Seine Familie war sehr religiös. Er zog den katholischen Glauben sozusagen mit der Muttermilch auf. In seinem Heimatdorf gab es damals keinen katholischen Priester, wie an so manchen Gebieten in der ehemaligen Sowjetunion, weshalb seine Grossmutter ihn und viele andere Kinder aus der Umgebung religiös erzog, was damals nur heimlich passieren durfte, da dies verboten war.

Seine Familie zog innerhalb Kasachstans 1978 in ein anderes Gebiet, in dem ein katholischer Priester tätig war. Unter ihm wirkte Johannes Kahn als Ministrant, lernte die Freude der Liturgie kennen und entschied sich zum Theologiestudium. Auf Anraten des Priesters absolvierte er vor dem Studienbeginn den zweijährigen Militärdienst in der Sowjet-Armee.

Ordensleute teilen Einkommen

In dem zentralasiatischen Land gibt es keine Kirchensteuer, weshalb die katholische Kirche arm und für ihre Aufgaben auf ausländische Zuwendungen angewiesen ist. Katholische Geistliche verdienen ungefähr 1 200 US-Dollar pro Jahr. Das Geld wird grösstenteils von Hilfsorganisationen wie Kirche in Not bereitgestellt. Ordensleute teilen einen Teil ihrer Einkünfte mit armen Gläubigen, wenn diese in einer Notlage stecken.

Die grösste Religionsgemeinschaft bilden mit rund 75% die Muslime. Angehörige der russisch-orthodoxen Kirche stellen rund einen Fünftel der Bevölkerung. Katholiken sind nur wenige tausend. Daneben gibt es auch Protestanten und evangelikale Christen.

Muslime und Russisch-Orthodoxe geniessen in Kirgistan gewisse Privilegien. Katholiken sind oftmals arm und leben über das ganze Land zerstreut. Die katholischen Priester besuchen die Gläubigen so oft wie möglich auf dem Land und führen bei dieser Gelegenheit Hausmessen durch. Es ist eine beschwerliche Art der Seelsorge, da die Autostrassen schlecht ausgebaut sind, doch stärkt dies den Zusammenhalt zwischen Geistlichen und Gläubigen.

Den grossen Herausforderungen zum Trotz bereitet Pater Johannes Kahn sein Wirken viel Freude: «Das Schöne an meinem Auftrag ist, dass ich durch meinen Einsatz Seelen retten kann. Dies ist ein gutes und sinnstiftendes Wirken an meinen Mitmenschen, das mich antreibt und mir Zufriedenheit bereitet.»

Radikalisierung der Muslime

Pater Johannes Kahn ist der Ansicht, dass Kirgistan bis 2001 das friedlichste muslimische Land war. Dies habe sich allerdings geändert, als die kirgisische Regierung dem US-Militär einen Stützpunkt zur Verfügung stellte. Dies rief ausländische radikale Muslime auf den Plan, die nach Kirgistan strömten und die dort lebenden Muslime aufzuwiegeln versuchten. Seit mehreren Jahren fliesst aus dem arabischen Raum viel Geld ins Land, um neue Moscheen zu erstellen. Die in den vergangenen Jahren schleichende Radikalisierung der Muslime wurde von der Regierung als Bedrohung wahrgenommen, weshalb das neue Gesetz «über Gewissensfreiheit und religiöse Organisation in der Republik Kirgistan» erlassen wurde, das am 16. Januar 2009 in Kraft tat.

2010 kam es zu blutigen Pogromen gegen die usbekische Minderheit im Land. Seither hat sich die Lage stabilisiert, nicht zuletzt auch dank der Einführung der parlamentarischen Demokratie. (az)

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