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Jobangebot dank erfolgreicher Apps

Alles begann als Abschlussprojekt der Sekundarschule: Raphael Biderbost aus Jonen entwickelt in seiner Freizeit Apps für iPhone und iPad und landete bereits auf Platz acht aller in der Schweiz gekauften Apps.

Sebastian Hagenbuch
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Biderbost führt ein Leben wie viele Jugendliche: Er absolviert eine Lehre als Elektroinstallateur, freut sich auf sein erstes Auto und hat ein iPhone mit zahlreichen installierten Apps – 168 insgesamt. Das Spezielle daran: Drei dieser Apps hat der bald 18-jährige Lehrling selbst entwickelt. «Das Programmieren einer App war meine Idee für das Abschlussprojekt in der Sekundarschule», erinnert er sich.

Biderbost bastelte eine Applikation, die er «Stromkostenrechner» nannte. Wer den Strompreis pro kWh und den Verbrauch eines Haushaltgerätes, beispielsweise einer Glühbirne, eintippte, sah, wie teuer ihn der Betrieb des Geräts während diverser Zeitspannen zu stehen kommt.

Die erste Freiämter App?

Seit Sommer 2009 ist Biderbosts erste App für jedermann im App-Store erhältlich. War es die erste im Freiamt entwickelte App? «Das lässt sich nicht genau sagen», meint er. Viel wichtiger für ihn ist, dass das Projekt erfolgreich war und auch ausserhalb der Schule (Note 6) honoriert wurde: Immer mehr Leute installierten die zu diesem Zeitpunkt kostenlose Applikation auf ihrem iPhone, sodass sich Biderbost entschied, die App weiterzuentwickeln, um später Gebühren dafür zu verlangen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits eine neue Anwendung für die unzähligen iPhone-Besitzer entwickelt. Diesmal handelte es sich um ein Geografiequiz mit dem Namen «Welcher Ort? (Schweiz)». Nach dem gleichen Prinzip ist die App nun auch für Deutschland erhältlich. Sie erfreute sich sofort grosser Beliebtheit. «Ich staunte nicht schlecht, als ich die Downloadzahlen prüfte und feststellte, dass es meine App auf Rang acht aller in der Schweiz gekauften Apps geschafft hat», lacht Biderbost.

«Ein schöner Zustupf»

Seit einigen Monaten sind die Downloadzahlen für Biderbosts Applikation konstant hoch genug, um seinen Lehrlingslohn wesentlich aufzupeppen. «Mein erstes Ziel war es, die Jahresgebühr von Apple von 100 Franken mit den verkauften Apps begleichen zu können», sagt Biderbost und lächelt verschmitzt. Mittlerweile hat er sich aus den Zusatzeinkünften einen iMac gegönnt und ausserdem etwas Geld beiseite legen können.

Der iMac ist denn auch sein Arbeitsgerät bei seiner aktuellen Freizeitbeschäftigung: «Ich habe soeben mit einer neuen App begonnen. Diesmal wird es ein international taugliches Geschicklichkeitsspiel werden», verrät der zurückhaltende Lehrling.

Hacker lauern überall

Die Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr: Generell legt Raphael Biderbost grossen Wert auf Privatsphäre und Diskretion. «Wer meinen Namen bei Google oder Facebook eingibt, soll nicht zu viel über mich erfahren», ist Biderbosts Devise.

Mit zunehmendem Erfolg einer App können auch Hacker zu einer Gefahr werden: «Sie klauen deine Applikation und stellen sie anschliessend kostenlos zum Download zur Verfügung», weiss der Joner. Zum Glück ist er bis anhin von solcherlei Übergriffen verschont geblieben.

Jobangebot aus St. Gallen

Trotz seines offensichtlichen Talents als Programmierer könnte sich Biderbost eine Informatikerlehre unmöglich vorstellen. «Den ganzen Tag am PC sitzen wäre eine Tortur für mich», erklärt er. Da biete ihm die Lehre als Elektroinstallateur einiges mehr an Abwechslung. Dennoch hat es ihn natürlich gleichwohl gefreut, als eines Tages ein Jobangebot einer Software-Entwicklungsfirma aus St. Gallen ins Haus geflattert kam. «Die wussten nicht, dass ich erst 17 Jahre jung bin, aber geschmeichelt hat mir das natürlich schon», sagt Biderbost.

Ob er sein Hobby eines Tages doch noch zum Beruf machen wird, weiss der junge Joner noch nicht. «Zunächst schliesse ich meine Lehre ab, dann schauen wir weiter.» Solang er Spass an seinem besonderen Hobby hat, wird Biderbost aber auf jeden Fall weiterprogrammieren.

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