Bettwil
Jetzt ziehen die Schafe wieder umher: Sandro Wyss hat seine Tiere dem Hirten mitgegeben

Bettwiler Sandro Wyss hat seine Tiere zum vierten Mal einem Hirten mitgegeben.

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Idyllisch: Die 600 Schafe lagern im Sarmenstorfer Moos.

Idyllisch: Die 600 Schafe lagern im Sarmenstorfer Moos.

Andrea Weibel

Das idyllische Bild erinnert an früher: 600 Schafe machen es sich auf einem Feld gemütlich, der Hirte schaut zu und pfeift ab und zu seine Hunde herbei, wenn eines der Schafe sich zu weit von der Herde entfernt. Wer Glück und die Augen offen hat, kann dieses Schauspiel seit dem 7. Dezember wieder auf den Freiämter Feldern sehen. Denn dann starteten die 600 Schafe des Bettwiler Schafzüchters Sandro Wyss auf ihre winterliche Reise. «Es ist der vierte Winter, in dem wir die Schafe mit dem Hirten ziehen lassen», erzählt der junge Landwirt. «Wir machen das nicht aus finanziellen Gründen. Einerseits gefällt uns die Tradition. Vor allem ist es aber die natürlichste Art, Schafe zu halten. Sie sind im Winter gerne draussen und das Wetter ist derzeit perfekt für sie: kalt und leicht gefroren.»

Seetal hinunter, Reusstal hinauf und zurück nach Bettwil

Ein Problem gibt es momentan für die Schafe: «Weil immer weniger Bauern Milchkühe haben, gibt es auch immer weniger Grasland, auf das wir die Schafe im Winter bringen können», sagt Wyss. «Aber mit den Bauern, auf deren Wiesen wir noch weiden, haben wir ein sehr gutes Verhältnis.» Er muss sich nicht bei jedem Bauern vorher melden, sondern hat die Erlaubnis des Kantons.

Dieses Jahr hat die Schafwanderung nicht wie üblich auf dem Bettwiler Hof begonnen, sondern bereits in Muri. «Das gibt uns etwa zehn Tage mehr», erklärt Wyss. Gestern waren die Schafe noch in Sarmenstorf, nun ziehen sie nach Seengen, Hallwil und Seon, danach über Dottikon und Othmarsingen nach Mellingen, das Reusstal hinauf bis Bremgarten und von dort zurück nach Bettwil, wo sie etwa Mitte März erwartet werden.

Bis dahin wird Sandro Wyss die Schafe und den angestellten Hirten noch oft besuchen und immer wieder einzelne Jungtiere, die schwer genug sind, mit zum Metzger nehmen. «Das Schöne ist, dass die Lämmer so grundsätzlich von der Geburt bis zum Schluss bei der Mutter bleiben können», hält er fest. Er produziert vor allem Lammfleisch für die Migros. «Dass die Schafe wandern können, ist ganz klar für alle das Beste», freut er sich hörbar.