Flach liegen sie auf dem Bauch, bewegen sich nicht. Man könnte ihren Blick als ängstlich beschreiben, aber das ist wohl Fantasie, einen richtigen Ausdruck haben die schwarzen Kugeln nicht. Drei hübsche Jungstörche sind es, die auf dem ersten Horst wenige Meter vom Birkenhof heranwachsen. Meist stehen sie im Nest und schauen hinunter. Nicht so am Mittwochabend, denn da waren sie Mittelpunkt des Interesses – und da stellen sie sich lieber tot.

Dies sei tatsächlich so, sagt die als Schweizer Storchenmutter bekannte Margrith Enggist, die im Namen von Storch Schweiz vom Bodensee angereist ist, um die drei zu begutachten und zu beringen. «Es ist ideal, sie im Alter von 5 bis 7 Wochen zu beringen, dann stellen sie sich tot, wenn jemand in die Nähe kommt. Ab der achten Woche läuft man Gefahr, dass sie vom Nest springen. Ab der neunten oder zehnten Woche fliegen sie aus.» Enggist wollte sie schon am Dienstag beringen. Leiter, Storchenfreunde und Presse standen bereit. Aber im Murimoos war so viel los, dass sie den Termin verschieben musste (siehe Kontext). Jetzt tragen sie die Nummern SL018 bis SL020.

Sarmenstorfer sind stolz

In Sarmenstorf ist man perfekt im Zeitrahmen, die Störchlein sind am 10. Mai geschlüpft und somit gut fünf Wochen alt. Marco Stettler, der vor zwei Jahren die Idee zu den Storchennestern im Sarmenstorfer Moos hatte und diese im Winter vor einem Jahr auch umsetzte, ist stolz: «Andere Dörfer warten jahrelang, bis ein Storchenpaar auf ihrem Nest brütet.

Störche von Sarmenstorf

Störche von Sarmenstorf

Bei uns kam das Paar schon letztes Jahr, kurz nachdem wir die Horste aufgebaut hatten. Damals war der Frühling zu nass, sodass kein Junges schlüpfte. Dieses Jahr waren es anfangs vier, jetzt sind es noch drei junge Störche. Wir freuen uns sehr.» Dass es sich um dasselbe Storchenpaar handelt, steht für Enggist beinahe fest. «Normalerweise kommen sie immer wieder an denselben Brutplatz zurück – ausser, wenn einer der beiden stirbt.»

«Kommen die Jungen zurück?»

Gleichzeitig mit dem Beringen sieht sich die Storchenexpertin auch die Schnäbel und Beine der Tiere an. «Ich schaue vor allem, ob nichts an den Beinen hängt und ob die Schnäbel sauber sind. Falls nicht, putze ich sie, dafür habe ich immer Handschuhe dabei.» In Sarmenstorf war das jedoch nicht nötig. Enggist stand auch den jungen Storchenfreunden, die die Beringung nicht verpassen wollten, gerne Red und Antwort.

Es war erstaunlich, wie viel die Sarmenstorfer Kinder bereits über die Störche wussten. Sie erzählte beispielsweise, dass die Tiere über den Winter nach Spanien und Nordafrika fliegen. «Kommen die dann nächstes Jahr wieder hierher und wohnen auf den zwei anderen Nestern?», wollte Vanessa (9) wissen. Enggist erklärte: «Eigentlich sollten sie erst nach zwei Jahren zurückkommen, nach einem Jahr sind sie noch nicht geschlechtsreif. Aber ob sie sich dann noch an Sarmenstorf erinnern, das werden wir dann sehen.»