Beinwil
Jetzt sind es noch vier Windkraftanlagen auf dem Lindenberg

Auf der Aargauer Seite des Lindenberges sind vier Windkraftanlagen geplant, auf der Luzerner Seite eine. An einer Veranstaltung erklärte die Windpark Lindenberg AG zudem, dass sie Betroffene, Behörden, Organisationen und Experten ins Boot holen will.

Eddy Schambron
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Deutlich über 300 Personen verfolgten in Beinwil die Ausführungen von Louis Lutz von der Windpark Lindenberg AG.

Deutlich über 300 Personen verfolgten in Beinwil die Ausführungen von Louis Lutz von der Windpark Lindenberg AG.

Eddy Schambron

Auf dem Lindenberg gibt es auf der Aargauer Seite maximal vier Windkraftanlagen, auf der Luzerner Seite eine. Diese Information war neu an der Veranstaltung der Windpark Lindenberg AG in Beinwil. Neu war auch, wie die Windparkbetreiber die Vorbereitungen gestalten wollen: Mit einer Begleitgruppe werden Betroffene, Behörden, Organisationen und Experten ins Boot geholt, um so das langwierige Planungs- und Bewilligungsverfahren breit abzustützen.

Deutlich über 300 Personen verfolgten die Ausführungen und zeigten damit das grosse Interesse, das dem Windpark auf dem Freiämter Hausberg entgegengebracht wird. Albert Betschart, Ammann der Standortgemeinde Beinwil, freute sich über den grossen Aufmarsch. «Er zeigt, wie wichtig den Leuten das Thema ist.»

Mit dem nun gestarteten, aufwendigen Gruppenprozess will die Windpark Lindenberg AG genau dieses Interesse nutzen und Fragen sowie Anliegen aus der Bevölkerung und weiteren Anspruchsgruppen frühzeitig aufnehmen und bearbeiten. Die Planung steckt noch ganz am Anfang, wie Louis Lutz von der Windpark Lindenberg AG, Leiter erneuerbare Energien bei der AEW Energie AG, feststellte.

Wo man sich Sorgen macht

Die Windpark Lindenberg AG wird als in der Sache kompetent beurteilt, muss aber ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Das ist eine der Erkenntnisse, die sich bei Befragungen von rund 40 Leuten durch Ruth Schmidt und Ursula Dubois von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag der Windpark Lindenberg ergeben hat.

Im Zusammenhang mit den Windkraftanlagen auf dem Lindenberg sorgt man sich vor allem um das Grundwasser, um die Landschaft und Ästhetik sowie um die Natur. Bezüglich Bewilligungsverfahren sind eine möglichst breite Beteiligung und Vernehmlassung der Bevölkerung, Ehrlichkeit, klare Ansprechpersonen sowie regelmässige, transparente Information gefordert. (es)

Neben der AEW AG mit 55 Prozent bilden die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) mit 25 Prozent und die Genfer Stadtwerke (SIG) mit 20 Prozent die Windpark Lindenberg AG. Mit dem nun gestarteten Prozess wird eine Auslegeordnung und Informationsgrundlage geschaffen werden, die das Projekt mit allen Vor- und Nachteilen aufzeigen und einen ausgewogenen Dialog ermöglichen soll.

Alle vertreten

Die Begleitgruppe, zusammengesetzt aus Vertretern der Landbesitzer, Anwohner, Standortgemeinde, Gewässer, Jagd, Wald, Gewerbe, Tourismus, Umwelt- und Landschaft, Vereinen und Interessengruppierungen wird sich in mehreren Sitzungen konkret mit Themen wie Grundwasser, Vögel und Fledermäuse, Schattenwurf und Schall, Naherholung, Auswirkungen auf Wald und Jagd und so weiter befassen.

Dazu gesellt sich eine Steuergruppe mit Vertretern aus Gemeinden, Regionen und Kanton. Sie kontrolliert die Einhaltung der vereinbarten Spielregeln, sammelt Themen und dokumentiert den Dialog. «Wir wollen alle einbeziehen sowie regelmässig umfassend und transparent informieren», unterstrich Lutz.

Einschränkungen bekannt

Die Windpark Lindenberg AG will mit den Windkraftanlagen bei der Umsetzung der Energieziele des Bundes mithelfen, den Anteil des regional produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien «mit technisch, wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Projekten» ausbauen und Strom aus Windenergie als sinnvolle Ergänzung zur Solarstromproduktion im Winter und in der Nacht zur Verfügung stellen.

Es hat verschiedene Gründe, dass nur noch maximal vier Windkraftanlagen auf der Aargauer Seite realistisch erscheinen. «Es gibt Einschränkungen einerseits von den Richtplänen und vom Bundesamt für Zivilluftfahrt, andererseits unter anderem vom Wetterradar Albis sowie von den Flugplätzen Emmen und Buttwil und der Richtstrahlstrecke Sulz–Rigi her», erklärte Lutz. Mit den Initianten der Luzerner Anlage auf Müswanger Boden, der Windenergie Lindenberg AG, ist man im engen Kontakt; die beiden Projekte werden aber unabhängig voneinander verfolgt.

Es sind langfristig Projekte, wie an der Veranstaltung klar wurde. Im besten Fall kann es im Herbst 2020 zum Entscheid für oder gegen die notwendige Zonenänderung in der Standortgemeinde Beinwil kommen. Die Bauausführung nach einer Baubewilligung nimmt ein Jahr in Anspruch.

Dazwischen liegen verschiedene Einsprache- und Beschwerdemöglichkeiten als Hürden, die aus heutiger Sicht auch genutzt und entsprechende Zeitverzögerungen mit sich bringen werden. «Eine Zeitprognose zu wagen, ist schwierig», stellt denn auch Lutz fest.