Kälte
Jetzt liefern sie die Zeitungen eisgekühlt

Auch wenn es immer noch kalt ist: Die Zeitungsverträgerinnen und -verträger atmen auf. Die Temperaturen von zum Teil bis minus 20 Grad haben ihnen zugesetzt. Trudi Schneider ist eine der Verträgerinnen, die mit Zeitungen frühmorgens unterwegs sind.

Eddy Schambron
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Trudi Schneider verteilt in Muri die az Aargauer Zeitung.

Trudi Schneider verteilt in Muri die az Aargauer Zeitung.

ES

Trudi schneider gehört zu den rund 2000 Zustellerinnen der az Aargauer Zeitung und des «Sonntags».

Es ist in der Regel kurz nach 3 Uhr morgens, wenn sich Trudi Schneider auf die Tour macht, um in eineinhalb Stunden rund 100 Exemplare Aargauer Zeitung, 40 «Blick», 70 «Tages-Anzeiger», «Neue Luzerner Zeitung» und «Neue Zürcher Zeitung» in die Briefkästen der Abonnentinnen und Abonnenten zu stecken.

Bei Minustemperaturen im zweistelligen Bereich eine harte Arbeit. «Zu dicke Handschuhe eignen sich nicht, weil man die Zeitungen nicht richtig fassen kann, zu dünne schützen zu wenig vor der Kälte.» Trotzdem ist die Tour angenehmer als bei strömendem Regen. «In den letzten Tagen leuchtete mir der Vollmond den Weg.»

Ein bisschen Licht auf den vereisten Gehwegen konnte nicht schaden. «Mit diesem Job hier bin ich fit, ich bin jedenfalls nie erkältet.» Wenn sie schliesslich von den schönen Sommermorgen, von Sonnenaufgängen erzählt, kommt Schneider fast ins Schwärmen. Trotzdem schränkt sie diese Arbeit in gewissem Sinne ein: «Am Abend muss man früh ins Bett, da liegt der Ausgang nicht drin. Aber das ist eine Frage des Lebensstils, mir macht das nichts aus.»

Selbstständige Arbeit

An ihrer Arbeit schätzt Trudi Schneider, dass sie selbstständig ist und dann den ganzen Tag für anderweitige Tätigkeiten zur Verfügung hat. «Ausserdem sind die Leserinnen und Leser sehr dankbar für die pünktliche Zustellung ihrer Zeitung.» Das erfährt sie jeweils um die Weihnachtszeit, wenn ihre Arbeit mit
einem Kärtchen anerkannt wird.

«Kürzlich hat mir eine alte Frau schriftlich die Bitte hinterlassen, ob ich angesichts der Eisglätte nicht die Zeitung bis zum Haus bringen könne», erzählt Schneider. Klar, macht sie das, nicht wegen des Zehnernötlis, das beilag, sondern weil es zu ihrem Verständnis von Dienstleistung gehört. Positiv für sie ist auch der Kontakt unter den Zeitungsverträgerinnen und -verträgern. «Man kennt einander, man hilft sich, wenn zum Beispiel einmal jemand ausfällt.»

Risiken einschätzen

Angst hat Trudi Schneider auf ihren Touren nicht. «Ich bin mir aber bewusst, dass es schwierigere gibt als meine in Muri.» Gerade jetzt, im Winter, ist sie selten ganz allein in den frühen Morgenstunden unterwegs. «Auch die Männer vom Strassenunterhalt beginnen ihre Arbeit so früh wie ich», stellt sie fest und windet ihnen gleich ein Kränzchen: «Hier in Muri sind die Strassen sehr früh und gut geräumt.»

Von negativen Erlebnissen auf den Touren muss sie glücklicherweise nicht berichten. «Zweimal bin ich tüchtig erschrocken, als aus dem Nichts plötzlich Polizisten fragten, was ich hier mache», lacht sie. Sieht sie eine heikle Situation voraus, macht sie einen Bogen darum. «Ich gehe keine Risiken ein.» Inzwischen weiss sie auswendig, in welchen Briefkasten welche Zeitung gehört. Änderungen werden auch in ihrem Kopf laufend aktualisiert. «Wenn man immer die Liste konsultieren muss, verliert man zu viel Zeit.»

Eines ist ihr heilig: Bis 6.30 Uhr muss die Zeitung im Briefkasten sein. Eisglätte hin, Regen oder Schnee her. «Auch dafür zahlen die Leute ihr Abonnement.»