Oberlunkhofen
Jetzt fliesst der Rhein durchs Aargauer Kunsthaus

Ester Vonplon möchte Unsichtbares sichtbar machen. Das Aargauer Kunsthaus zeigt eine ihrer Fotografien in der «Auswahl 12». Ihr ist es wichtig, nicht in eine Nische gedrängt zu werden.

Andrea Knecht
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Die Rheinschlucht im Bündnerland Ester Vonplon vor ihrem Panoramabild im Aargauer Kunsthaus

Die Rheinschlucht im Bündnerland Ester Vonplon vor ihrem Panoramabild im Aargauer Kunsthaus

AK

Die meisten ihrer Fotografien sind schwarz-weiss, jedoch nicht alle. «Ich arbeite auch farbig», sagt Ester Vonplon im Aargauer Kunsthaus. Ihr sei wichtig, nicht in eine Nische gedrängt zu werden, erklärt sie fast entschuldigend. Draussen schmilzt der Schneematsch auf den Strassen, das verschneite Aarau erinnert durch die hohen Scheiben gesehen selbst an eine Schwarz-Weiss-Fotografie.
Vonplon ist eine von 52 Kunstschaffenden, die ihre neuesten Arbeiten in der Auswahl 12 im Aargauer Kunsthaus präsentieren (siehe Box). «Die Auswahl geniesst im Aargau relativ viel Aufmerksamkeit. Ausserdem bietet sie die Möglichkeit, in einem Kunsthaus auszustellen, was sonst für junge Künstler sehr schwierig ist», beschreibt die Fotografin den Reiz der Jahresausstellung. Ein weiterer Ansporn sei der Werkbeitrag von 20 000 Franken des Kuratoriums.

«Auswahl 12» – Aargauer Künstlerinnen und Künstler

52 Aargauer Kunstschaffende zeigen ihre neuesten Arbeiten im Aargauer Kunsthaus in Aarau. Zwei fachkundige Jurys vonseiten des Kunsthauses und des Aargauer Kuratoriums haben die insgesamt 231 eingereichten Dossiers beurteilt und eine Auswahl getroffen. Für «herausragende Positionen» überreicht das Kuratorium zehn Werkbeiträge in Höhe von 20 000 Franken. Die Auswahl 12 ist eine vielseitige und anregende Schau zum aktuellen Kunstschaffen im Kanton Aargau. Die Ausstellung dauert noch bis zum 6. Januar 2013. (ak)

Kreativität unter Druck

Vonplon lebt von ihrer Kunst - wenn auch «eher schlecht als recht». Zwar sei sie bei einer Galerie unter Vertrag, von der sie Unterstützung bekomme, trotzdem sei das Künstlerleben nicht einfach. «Man muss sich immer wieder neu ausrichten und steht unter dem Druck, neue Arbeiten zu produzieren, ohne sich dabei zu wiederholen.»

Aufgewachsen ist Ester Vonplon in Rudolfstetten, sie fühlte sich jedoch auch immer im Bündnerland daheim. Ihre Eltern kommen von «dort oben». Die Grossmutter lebte in Castrisch, einem kleinen Dorf nahe der Rheinschlucht. Zur Schule ging sie auf dem Mutschellen, danach machte die Künstlerin eine KV-Lehre in Wohlen. «Das war furchtbar», erzählt sie und lacht dabei. Eine kaufmännische Lehre sei einfach nicht das Richtige für sie gewesen.

Heute wohnt die 32-Jährige in Oberlunkhofen und studiert an der Zürcher Hochschule der Künste. «Am Kunststudium interessieren mich vor allem die Hintergründe und die Kunstgeschichte», erklärt sie. Obwohl sie im Aargau lebt, verspürt sie noch immer eine grosse Nähe zum Bündnerland. So zeigt auch ihre Fotografie, die zurzeit im Kunsthaus Aargau in Aarau zu sehen ist, die karge Bündner Berglandschaft.

Aufwändig: Analoge Fotografie

Das prämierte Bild «O.T. Surselva» ist eine 2,2 auf 5,45 Meter grosse Fotografie, die wie eine Tapete direkt auf die Wand gedruckt wurde. «Um eine Arbeit in diesem Ausmass präsentieren zu können, muss man erst den Raum dazu haben», erklärt Vonplon. In schwarz-weiss zieht sich das Bild einer rauen Felslandschaft mit aufgeschossenen Tannen und einem schmalen Fluss über die weisse Wand des Ausstellungsraumes. Es ist das Resultat einer aufwändigen Technik: Die Künstlerin benutzte eine alte Mittelformatkamera, mit der sich der Film manuell transportieren lässt. Sie belichtete den Streifen zehnmal und schuf so das markant querformatige Panoramabild. Wer genau hinschaut, sieht Überschneidungen im Bild oder erkennt die Technik im unterbrochenen Fluss.

Erinnerungen, verlassene Häuser

Ester Vonplon hat das Projekt begonnen, als sie nach langjähriger Arbeit aus Berlin ins Bündnerland zurückkehrte und die Heimat aus einer neuen Perspektive betrachtete. Sie möchte das Unsichtbare sichtbar machen. «Plötzlich habe ich Dinge gesehen, die ich vorher nicht wahrgenommen habe», beschreibt sie. Sie habe viele verlassene Häuser fotografiert, Häuser, die leer stehen, seit die Besitzer gestorben sind. Manches bleibe jahrelang unverändert. «In einer Hütte lag eine Zeitung von 1946.» Sie suche die Erinnerungen, wie gerahmte Porträts an den Wänden.

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