Wohlen
Jetzt bestimmen die Integra-Klienten mit

Am Donnerstag wurden die fünf Mitglieder des allerersten Selbstbestimmungsrates der Stiftung für Behinderte im Freiamt gewählt.

Andrea Weibel
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Bruno Kuhn, Nicole Steimer, Michael Oeschger und Patrick Stocker (mit Blumen, von links, es fehlt Doris Meier) sind der neue Selbstbestimmungsrat der Integra in Wohlen. Die drei Initianten Adriano Meyer, Karin Gerin und Pascal Stutz (ohne Blumen, von links) freuen sich mit ihnen.

Bruno Kuhn, Nicole Steimer, Michael Oeschger und Patrick Stocker (mit Blumen, von links, es fehlt Doris Meier) sind der neue Selbstbestimmungsrat der Integra in Wohlen. Die drei Initianten Adriano Meyer, Karin Gerin und Pascal Stutz (ohne Blumen, von links) freuen sich mit ihnen.

Andrea Weibel

Die Spannung im Foyer der Integra Wohlen war am Donnerstagabend kaum auszuhalten. 21 Bewohnerinnen und Mitarbeiter nippten nervös an ihrem Apéro. Denn wenige Minuten später wurden sie bekannt gegeben, die fünf von ihnen, die zum allerersten Selbstbestimmungsrat der Stiftung für Behinderte im Freiamt gehören werden. Mitinitiant Adriano Meyer dankte allen und beglückwünschte sie bereits zur Kandidatur. Doch eigentlich wollten die Anwesenden seine netten Worte gar nicht hören. «Machs nicht so spannend», rief eine Frau.

Das Lachen ihrer Kollegen lockerte die Stimmung spürbar auf. Dann kam Meyer endlich zum lang ersehnten Punkt. Um es vorneweg zu nehmen: Der neue Selbstbestimmungsrat setzt sich zusammen aus Bruno Kuhn (Bereich Kreativwerkstatt), Doris Meier und Nicole Steimer (Bereich Wohnen) sowie Patrick Stocker und Michel Oeschger (Bereich Arbeiten). Einige von ihnen hatten es nicht anders erwartet, andere haben nicht zu träumen gewagt, dass sie gewählt würden.

Zurückhaltende Leute und Alphatiere im Rat

«Es ist eine bunte Mischung», freut sich Adriano Meyer, Mitinitiant und Sozialpädagoge in Ausbildung. «Es wurden sowohl Alphatiere als auch zurückhaltende Leute gewählt. Auch der Stärkegrad ihrer Beeinträchtigung variiert. Das wird spannend, wir sind gespannt auf die Entwicklung des Rats», sagt er.

Der Selbstbestimmungsrat wurde geschaffen, damit die Mitarbeiter und Bewohner der Integra, Stiftung für Behinderte im Freiamt, ihre Anliegen im Gremium besprechen und Lösungen finden können. «Unsere Aufgabe ist es, sie zu begleiten und dafür zu sorgen, dass alle Ratsmitglieder zu Wort kommen, ohne sie zu beeinflussen», sagt Meyer, der zusammen mit Karin Gerin, Teamleiterin Wohnen, und Mitarbeiter Pascal Stutz die Idee des Selbstbestimmungsrates in die Integra gebracht und ausgearbeitet hat. Dafür dankte Claudia Ris im Namen der Geschäftsleitung herzlich. «Es ist berührend, wie die Post abgegangen ist, nachdem drei Verrückte vor einem Jahr von einer Tagung zurückkamen und sofort begannen, alles umzusetzen», sagte sie und meinte das Wort «Verrückte» hörbar liebevoll. «Wir sind unglaublich stolz, dass wir nun diesen Selbstbestimmungsrat haben.»

Die Gewählten traten ihr Amt mit grossem Applaus an. Am 4. März tagen sie erstmals. Danach dürfen die Mitglieder, die alle für drei Jahre gewählt sind, einen zwölfteiligen Kurs zum Thema absolvieren.

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