Wohlen

«Jeder Zehnte ist mal psychisch krank»

Leiter des Ambulatoriums des EPD in Wohlen

Frank Marohn

Leiter des Ambulatoriums des EPD in Wohlen

Am Sonntag ist Welttag der psychischen Gesundheit – ein Film soll nachdenklich machen. Denn fast jeder hat irgendwann Krisen in seinem Leben zu bewältigen. Laut Experten ist jeder Zehnte einmal psychisch krank.

Jeder hat irgendwann Krisen in seinem Leben zu bewältigen. Für manche sind sie leichter zu meistern, für andere weniger. Beide Gruppen sollen sich aber nicht verstecken müssen, sondern haben immer jemanden, der für sie da ist: den Externen Psychiatrischen Dienst (EPD).

Ein solches Bild soll die negativen, verkrusteten Stigmata ersetzen, die rund um das Thema der psychischen Erkrankungen herumgeistern, das ist Frank Marohn wichtig. Er ist seit zehn Jahren Leiter des Ambulatoriums des EPD in Wohlen und hat bereits erhebliche Fortschritte in dieser Hinsicht feststellen können.

Krankheiten im Laufe des Lebens

Am 10. Oktober, dem Welttag der psychischen Gesundheit, stehen in diesem Jahr die psychischen Erkrankungen im Laufe des Lebens im Vordergrund. «Es gibt Krankheiten, die ein Leben lang andauern können, wie zum Beispiel eine manische Depression», erklärt Marohn. «Sehr viele psychische Erkrankungen treten aber an den Übergängen zwischen einzelnen Lebensphasen auf. Dazu gehören die Übergänge in und von der Pubertät, die Zeit nach der Geburt des ersten Kindes, wenn die Kinder ausfliegen und die Zeit nach der Pensionierung», zählt der Psychiater auf. Aber auch Krankheiten wie Demenz im höheren Alter werden zu dieser Kategorie gezählt.

Um Krankheiten zu veranschaulichen, beziehen Marohn und zwei seiner Kolleginnen gerne Kinofilme ein. «Aus diesem Grund haben wir uns auch entschieden, an diesem speziellen Tag einen Film im Kino Rex in Wohlen zu zeigen», sagt er. Mehrere Filme standen zur Auswahl.

Kinofilm «About Schmidt»

Die Wahl fiel auf «About Schmidt», einen Film aus dem Jahr 2002 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. «Im Film schaut ein Pensionär zurück auf sein Leben und fragt sich, ob er alles richtig gemacht habe», beschreibt Marohn. «Das geht uns doch allen manchmal so, da kann sich jeder gut hineinversetzen.» Man müsse öfter schmunzeln, werde aber auch nachdenklich, sagt er.

Nach dem Film kann, wenn es vom Publikum gewünscht wird, eine kleine Diskussionsrunde angehängt werden. «Dabei wollen wir mit Tabus und Vorurteilen aufräumen, die in der Branche oft auftreten. Man redet zum Beispiel immer gleich von der Irrenanstalt und von Verrückten. Dabei ist es vielleicht die Welt, die immer mehr wahnsinnig wird», meint Marohn nachdenklich.

Belastungsstörung und Depression

Auf diese Weise will der Leiter des Wohler Ambulatoriums an die Öffentlichkeit treten. «Rund 10 bis 15 Prozent der Menschen, also gut jeder Zehnte, leiden irgendwann im Leben an einer psychischen Krankheit, dennoch wissen nur sehr wenige darüber Bescheid», macht Marohn bewusst. Allein der EPD in Wohlen, der für das ganze Freiamt zuständig ist, hat jährlich zwischen 500 und 800 Patienten zu betreuen. «Dafür, dass das Freiamt aber etwa 100000 Einwohner hat, ist die Zahl nicht hoch», so Marohn. Rund zwei Drittel dieser Patienten leiden an Belastungsstörungen aufgrund von äusseren Ereignissen oder an Depressionen. Momentan seien vor allem Krankheiten wie Borderline, ADHD sowie posttraumatische Symptome sehr häufig.

Der Film «About Schmidt» läuft am Sonntag, 10. Oktober, um 11 Uhr im Kino Rex in Wohlen. Der Eintritt ist gratis.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1