Merenschwand
Jeder Kilometer zählt, weil am Schluss jeder Rappen zählt

Im Vorjahr sass sie über 5000 Kilometer im Velosattel, 3200 Kilometer sind es dieses Jahr – bis jetzt. Andrea Gross fährt täglich E-Bike und sammelt so rappenweise Geld für einen guten Zweck.

Robert Benz
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Andrea Gross hat für ihre Spende auch gelitten. Drei Unfälle hat sie überstanden, einmal fuhr ein Autofahrer einfach davon. ROB

Andrea Gross hat für ihre Spende auch gelitten. Drei Unfälle hat sie überstanden, einmal fuhr ein Autofahrer einfach davon. ROB

Robert Benz

Jeden Morgen fährt Andrea Gross mit ihrem ferrariroten E-Bike zur Arbeit und abends zurück nach Merenschwand; tagein, tagaus sitzt sie 40 Minuten im Sattel. «Ich mache das primär für meine Fitness», sagt sie.

Mindestens genau so gern macht sie das auch für die Aktion «Jeder Rappen zählt» (JRZ) des Schweizer Fernsehens. Im Kollegenkreis, im Quartier und in der Familie hat sie gefragt, wer sie sponsern würde: für jeden Kilometer einen Rappen, vielleicht zwei.

Der Rücklauf war beachtlich. Rund 30 Leute sagten ihre Unterstützung zu. Mag sein, dass viele nicht gedacht hätten, dass Gross gleich beim ersten persönlichen Sponsorenlauf 5 000 Kilometer zurücklegt, doch das ist nicht so wichtig, schliesslich kommen die je 5 000 Rappen einem guten Zweck zugute.

Dieses Jahr will Andrea Gross ihre Kilometerzahl noch steigern. Ihre Firma, die GEMÜ GmbH aus Deutschland, hat einen Teil der Kunststoffproduktion von Rotkreuz nach Emmen verschoben. Das kommt der E-Bikerin entgegen, weil der Arbeitsweg nun auf 24 Kilometer angewachsen ist. Am Morgen fährt sie um 5.45 Uhr ab, 40 Minuten später ist sie in Emmen.

«Zum Teil bin ich mit dem E-Bike gleich schnell wie mit dem Auto. Viele Autofahrer sehen mich fragend an, so als ob sie fragten: ‹Wieso fährt die so schnell›», erzählt Gross. Autofahrer seien oft nicht auf die rasanten E-Bikes vorbereitet und wüssten nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Gross ist bisher drei Mal gestürzt. Einmal wegen Glatteis, woraufhin sie das Velo wieder in die Garage stellte. Ein anderes Mal wollte sie Fussgänger überholen, wich auf eine tiefer liegende Fahrbahn aus und stürzte beim Versuch, wieder auf den Velostreifen zu gelangen, über den Randstein. Mit 45 km/h prallte sie auf den Boden.

Zwei Frauen und ein Gleisarbeiter überredeten sie, zum Arzt zu gehen, wo ihr Kinn genäht werden musste. Das dritte Mal wurde sie von einem Rückspiegel am Ellbogen getroffen. Ohne sich um Gross zu kümmern, fuhr der Übeltäter davon. Gross brach sich einen Knochen im Ellenbogen und musste eine Schiene tragen. All das passierte letztes Jahr.

Gross ist nicht nachtragend und hat bereits wieder 3 200 Kilometer für die nächste JRZ-Aktion abgespult. «Das Velo fahren macht Spass, Unfälle passieren überall», sagt sie, «und wenn ich das Auto nehme, bin ich bei der Arbeit müder als nach dem Biken.» Sitzt Gross im Sattel, geht sie Termine durch oder entwickelt Ideen.

Auch ihren Chef hat sie mit dem wohltätigen Hobby angesteckt. Der hat sich jetzt ein E-Bike gekauft und sammelt Rappen und Kilometer. Noch ist er zwar nicht so konsequent wie Andrea Gross, aber auch hier gilt: Jeder Rappen zählt.

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