Es sind nur 60 Schülerinnen und Schüler, die in fünf Klassen der Privatschule «Lern mit» in Wohlen unterrichtet werden. Und doch hat die kleine Schule, die in einem ehemaligen Lagerhaus an der Bremgarterstrasse 109 untergebracht ist, bereits mehrfach schweizweit von sich reden gemacht. Als erste Schule des Landes hat sie iPads und später Virtual-Reality-Brillen im Unterricht eingeführt. Und durch ihre Erfahrungen konnten die Lehrpersonen Vorträge halten sowie Lehr- und Lernmaterial für Schulen in der ganzen Schweiz bereitstellen, das heute rege genutzt wird.

«Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen Schulen, sondern eine Bereicherung sein», fasst Schulleiter und Inhaber Reto Helbling zusammen. Er war einer von drei Mutigen, die vor zwanzig Jahren eine eigene Schule gründeten. Dass die 60 Plätze heute ausgebucht sind, gibt ihm recht. Doch im Grunde begann alles, weil es im Kanton Bern zu viele Lehrkräfte gab.

iPads und normale Schulbücher

«Tatsächlich bin ich 1993 ins Freiamt ausgewandert, weil ich zu Hause in Bern keinen Job fand», lacht Helbling. Er arbeitete sechs Jahre lang als Primarlehrer in Aristau und lernte dort das Ehepaar Regula und Urs Neyer kennen. «Nach sechs Jahren suchte ich eine neue Herausforderung», berichtet er. «Im Gespräch mit Neyers bemerkten wir, dass wir ähnliche Vorschläge hatten, wie man die Regelschule verbessern könnte. Und da ich 27 Jahre alt und voll motiviert war und zudem keine Verantwortung einer Familie gegenüber hatte, wagte ich mit Neyers den Schritt und investierte mein Geld in eine neue Privatschule.»

Eigene Grenzen kennen lernen

Ihnen waren verschiedene Dinge besonders wichtig: «Einerseits wollten wir nie Klassen mit mehr als zwölf Schülern. So kann sich die Lehrperson für jeden Zeit nehmen. Andererseits war uns wichtig, moderne Technologie und das Bewährte aus den traditionellen Unterrichtsmethoden zu vereinen.» So besitzt jeder Schüler ein iPad, es wird oft mit Computern, VR-Brillen oder auch Lego-Robotern gearbeitet. Daneben gibt es aber auch viel Frontalunterricht, die Schüler schreiben weiterhin in Hefte und lernen oft aus Büchern. «Wir sind staatlich anerkannt und orientieren uns am Lehrplan und Notensystem der Regelschule, denn wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf die Berufswelt vorbereiten, und die ist auf der Regelschule aufgebaut.» Doch darüber hinaus heisst ein Zauberwort bei «Lern mit»: Erleben.

Neben dem normalen Schulstoff bietet die Privatschule auch vieles, das die Schüler prägen soll. «Beispielsweise finden wir, dass Skilager viele tolle Erlebnisse bieten. Genauso ist es mit unserer Bergwald-Woche, wo wir jeweils im Julier-Gebiet in einem alten Hof wohnen und im Wald mit pädagogisch ausgebildeten Förstern Projekte für die Gemeinde ausführen. Mir ist wichtig, dass die Schüler ihre physischen und psychischen Grenzen kennenlernen», so Helbling. Dreimal pro Jahr geht es zudem mit Sackmessern in den Wald, wo die Schüler den Umgang mit dem Werkzeug, «das früher jeder im Sack hatte, heute aber oft als Waffe angesehen wird», erlernen sollen. Neben den physischen Tätigkeiten sind es auch viele geistige und zwischenmenschliche, die die Schüler lernen sollen. «Bei uns stehen immer alle Türen offen. Wir vertrauen den Schülern. Und sie wissen, falls etwas vorfällt, kommt es ans Licht. Ein so offener Umgang soll sie auf ihrem Weg zu verantwortungsvollen Erwachsenen begleiten.» Dazu kommen fiktive Bewerbungsgespräche mit externen Profis, die die Schüler gezielt auf ihre Wunschlehrstellen vorbereiten.

«Lern mit» bietet Klassen in der Mittel- und der Oberstufe an, und zwar im Sekundar- und Realstufenniveau. «Die Stufen werden gemischt unterrichtet, sodass die Fähigkeiten der Schüler pro Fach gefördert werden können. Falls zum Beispiel jemand in Deutsch schlecht, dafür in Mathematik gut ist, kann er im ersten Fach den Realstoff, im zweiten jenen der Sek bewältigen. Auch das kann bei der Lehrstellensuche grosse Vorteile haben.»

Vorsorge für nächste 20 Jahre

Zum Geburtstag hat Helbling der Schule selbst einen grossen, neuen Gemeinschaftsraum geschenkt, in dem das gemeinsame Mittagessen stattfindet, wo aber auch Musikunterricht oder Theaterproben stattfinden. «Unsere Schule soll von der Anzahl Schüler her nicht grösser werden, aber wir können den Raum qualitativ aufwerten», hat sich Helbling gesagt und die angrenzende Lagerhalle umbauen lassen. «Ich bin glücklich mit der Schule, und zwar mit dem Unterricht, für den ein sehr gutes und engagiertes Team von Lehrpersonen tätig ist, aber auch wirtschaftlich, was uns den dritten Rang im Aargauischen Unternehmerpreis 2017 eingebracht hat.» Mit der Investition in den neuen Raum sorgt er vor für die nächsten 20 Jahre.

Mehr Infos unter www.lernmit.ch