Wohlen

Jede vierte Ehe wird hier geschlossen: Heiraten im Museum ist im Trend

Blick auf eine Hochzeitsgesellschaft im Park des Wohler Strohmuseums. 35 Paare haben 2019 in der Villa geheiratet. So viele wie noch nie.

Blick auf eine Hochzeitsgesellschaft im Park des Wohler Strohmuseums. 35 Paare haben 2019 in der Villa geheiratet. So viele wie noch nie.

Die Wohler Standesbeamten hatten 2019 im Strohmuseum viel zu tun: 35 von 147 Trauungen fanden hier statt. Warum die Stube der Strohbarone als Location beliebt ist.

Heiraten im Esszimmer eines Stroh­barons? Und dann erst noch während er einem dabei zuschaut? In Wohlen ist das möglich. Seit sieben Jahren, seit es das Strohmuseum im Park gibt, kann dort auch geheiratet werden. Und zwar im Raum, in dem früher der Strohhutfabrikant Friedrich August Isler zu Abend gegessen hat und heute noch von seinem Gemälde aus Präsenz markiert. Neben ihm Porträts von Jacob Isler und Martin Bruggisser.

Die drei Strohbarone waren letztes Jahr die illustren Gäste von ausserordentlich vielen Hochzeiten, wie aus der Statistik des Zivilstandesamtes Wohlen herauszulesen ist. 35 von 147 Trauungen wurden hier durchgeführt. So viele wie noch nie. Zum Vergleich: 2013 fanden in der Villa 1 Prozent aller Trauungen statt, 2018 waren es 13 Prozent und im vergangenen Jahr bereits fast jede Vierte (24 Prozent).

Für viele Liebespaare wird die zivile Trauung zum grossen Tag

«Wir haben das Strohmuseum nicht speziell beworben», sagt Reto Wassmer, der oberste Wohler Zivilstandesbeamte, der sich den Anstieg mit Mund-zu-Mund-Propaganda erklärt. Und damit, dass das Bedürfnis nach einem speziellen Ambiente für die zivile Trauung steigt. Weil immer mehr Paare auf die zusätzliche Hochzeit in einer Kirche verzichten und somit die zivile Trauung zum grossen Tag wird.

«Dafür eignet sich das Strohmuseum natürlich gut mit der prächtigen Villa und dem schönen Park, in dem man danach noch den Apéro servieren kann», sagt Wassmer. Die Umgebung ist um einiges schöner als die des ordentlichen Traulokals im ehemaligen Streba-Gebäude an der Zentralstrasse, in dem mit 60 Prozent immer noch am häufigsten das Ja-Wort gegeben wird. Genutzt wird dieses etwa von jenen Liebespaaren, bei denen die zivile Trauung in erster Linie ein Verwaltungsakt ist.

Neben den Spitzenreitern Strohmuseum und Streba-Gebäude schliessen die Wohler Standesbeamten auch Ehen im Restaurant Linde in Büttikon, im Kloster Gnadenthal in Niederwil, im Sonnhaldenhof Wohlen sowie in der Kapelle Rüti und der Bruderklausenstätte, beide in Hägglingen. Letztere ist der persönliche Favorit des Standesbeamten, der nicht nur an Wochentagen, sondern auch samstags sagt: «Damit erkläre ich euch zu Mann und Frau.»

Geheiratet wird auch, wenn das Strohmuseum geöffnet ist

An zwölf Samstagen im Jahr kann man in Wohlen zivil heiraten. Für den diensthabenden Standesbeamten besonders strenge Tage. Bis zu fünf Trauungen stehen dann in seiner Agenda, teils muss er im 90 Minuten Takt von Location zu Location eilen. Von der Bruderklausenstätte in den Sonnhaldenhof, weiter ins Strohmuseum, wo auch geheiratet wird, während die Ausstellung geöffnet ist.

«Die Museumsbesucher freuen sich jeweils über eine Hochzeit», erzählt Stefanie Dietrich, die für die Kommunikation des Strohmuseums zuständig ist. «Und für uns sind Hochzeiten eine gute Gelegenheit, das Museum Menschen näher zu bringen, die noch nie als Besucher bei uns gewesen sind. Es gab auch schon Führungen von Hochzeitsgesellschaften», so Dietrich.

Sich im Strohmuseum trauen zu lassen, kostet etwa gleich viel wie in anderen Traulokalen. 200 Franken die Miete, dazu kommen Gebühren für die Vorbereitung der Eheschliessung und die Trauung. Am Samstag ist es ein wenig teurer. Wer anschliessend im Park vor der Villa auf die Vermählung anstossen will, zahlt 200 Franken für zwei Stunden. Jede weitere zusätzliche Stunde kostet 50 Franken, wie Stefanie Dietrich Auskunft gibt. «Möglich ist auch, in unserem Park im Anschluss an die zivile eine freie Trauung im Park durchzuführen.»

Dietrich weiss, wovon sie spricht. Sie selber hat im Strohmuseum geheiratet und anschliessend im Park eine Zeremonie gefeiert. «Für uns als Wohler war klar, dass wir in unserem Dorf heiraten wollen», erklärt sie. «Dazu bot das Strohmuseum mit der schönen Parkanlage das richtige Ambiente.» Und so sagten Stefanie und Simon Dietrich am 23. September 2017 im ehemaligen Esszimmer von Friedrich August Isler Ja zueinander. Hätten die drei Strohbarone in den Gemälden es gekonnt, sie hätten vor Freude applaudiert und die eine oder andere Träne verdrückt. Wie bereits über 100 Mal in den letzten Jahren.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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