Wahlfeier

Jean-Pierre Gallati: «In Waltenschwil ist mein Ruf heute noch besser als hier in Wohlen»

Die SVP-Prominenz liess Jean-Pierre Gallati hochleben, die meisten Wohler aber blieben dem Empfang fern. Die Party-Reportage aus dem Wohler Casino.

Ob es Absicht war? Die Stehtische im Casino waren allesamt mit einem Weihnachtsstern geschmückt. Und die sind bekanntlich rot. So, wie SP-Mitglied Arsène Perroud, der als Wohler Gemeindeammann für die Wahlfeier von Neo-Regierungsrat Jean-Pierre Gallati die oberste Verantwortung getragen hat.

Möglich auch, dass Perroud die roten Weihnachtssterne am frühen Sonntagnachmittag aus Wettingen hat einfahren lassen. Dort, wo die geplante richtig rote Wahlfeier letztlich nicht hat stattfinden können.

Perroud war ehrlich: «Es war heute Mittag ein Krimi bis zum Schluss und ich verhehle nicht, dass ich persönlich auf einen Erfolg von Yvonne Feri gehofft habe.» Doch, fuhr der Wohler Ammann in seiner launigen Rede weiter, so sei Politik: «Man hat das Resultat zu akzeptieren und schafft zusammen weiter.»

Die Wahlfeier von Jean-Pierre Gallati im Video

Empfang für Jean-Pierre Gallati

Wahlfeier für Jean-Pierre Gallati im Wohler Casino

Er hoffe, dass Jean-Pierre Gallati den Unterlegenen künftig den nötigen Respekt entgegenbringe und als Regierungsrat bereit sei, Kompromisse einzugehen. Etwas Freude zeigte Perroud trotz seiner Vorbehalte: «Deine Wahl», wandte er sich an seinen einstigen Wohler Einwohnerratskollegen, «ist für unsere Region erfreulich. Du bist künftig zwar dem Gesamtwohl des Kantons verpflichtet, aber ich hoffe doch, dass Du bei Deiner neuen Tätigkeit in Aarau Deine Herkunft und Heimat nie ganz vergisst.»

Und sogar ein bisschen Lob gab’s für den neuen Regierungsrat: «Du hast in Wohlen oft provoziert oder Dich zumindest prononciert ausgedrückt. Doch Du hast immer auch bewiesen, dass Du durchaus auch andere Meinungen akzeptieren kannst und bereit bist, mit Andersdenkenden darüber zu diskutieren.»

Auch alt Nationalrat Theo Fischer gehörte zu den Gratulanten

Ausser den Weihnachtssternen gab es Sonntagabend wenig Rot im Casino. Dominiert haben, wie nicht anders zu erwarten, die Mitglieder der SVP und weitere aufrechte Schweizer. Alt SVP-Regierungsrat Ernst Hasler war ebenso da wie der ehemalige Wohler Autopartei-Nationalrat René Moser und für ein paar wenige Minuten ist auch SVP-Nationalratslegende Luzi Stamm etwas planlos im Wohler Casino umhergeirrt.

Mit 82 Jahren wohl zu den ältesten Gratulanten im Saal gehörte alt Nationalrat Theo Fischer aus Hägglingen, der als fairer und kompetenter SVP-Politiker parteiübergreifend geschätzt und respektiert wurde, zu einer Zeit, als die SVP-Parteispitze noch deutlich weniger von Populisten und Scharfmachern dominiert wurde.

Um die Wette gestrahlt haben im Casino auch der frühere SVP-Aargau-Präsident und Grossrat Thomas Lüpold, Möriken, SVP-Parteisekretär Pascal («Mosti») Furrer, Staufen, der SVP Aargau-Vize Clemens Hochreuter, zahlreiche (männliche und weibliche) SVP-Mitglieder aus der Region, Freundinnen, Freunde und Bekannte von Jean-Pierre Gallati und natürlich der (fast) komplette Vorstand der SVP-Bezirkspartei Bremgarten.

Deren Präsident René Bodmer sprach von einem Freudentag und überreichte Gallati als Geschenk ein Feuerwehrmesser, «damit Du Dich besser durch das Aargauer Verwaltungsdickicht kämpfen kannst.»

Eine noch glücklichere Mine als Bodmer trug allerdings dessen Vorstandskollege Mario Gratwohl zu Schau. Der Nesselnbacher Garagist und Abschleppunternehmer kann für Galatti im Grossen Rat nachrücken, was ihn mit viel Stolz und Freude erfüllt.

Offenbar gar nicht stolz auf den nach Hermann Huber (FDP, 1905 bis 1909) erst zweiten Wohler Regierungsrat ist die CVP. Im Gegensatz zu verschiedenen ehemaligen Einwohnerratskolleginnen und -kollegen aus FDP, Grünen, SP und GLP hatte aus dieser Fraktion niemand den Weg zur Wahlfeier ins Casino gefunden.

Vielleicht ist ja dafür ein Grüppchen zusammen mit Parteipräsident und Feri-Wahlhelfer Harry Lütolf nach Wettingen gereist, um dort ein bisschen Trost zu spenden. Peter Wertli, Ex-CVP-Regierungsrat, Ex-Villmerger und heute Nachbar von Jean-Pierre Gallati in Wohlen hat die Scharte aber ausgewetzt.

Er freute sich sichtlich über die Wahl, auch wenn er es bedauert, dass der Regierungsrat jetzt wieder zum reinen Männergremium geworden ist: «Ich habe es selber erlebt, als Stéphanie Möriker damals als erste Aargauer Regierungsrätin zu uns ins Team gekommen ist. Frauen haben bei vielen Themen eine andere Sichtweise als wir Männer und es ist für die Sache von Vorteil, wenn auch diese Sichtweise in die jeweilige Beratung einfliesst.»

Vertreten an der Wahlfeier war auch eine Gemeinderatsdelegation aus Waltenschwil. Dort ist Gallati aufgewachsen und dort, so sagte er in seiner Rede: «Ist mein Ruf heute noch deutlich besser als hier in Wohlen.» Na dann bleibt mal abzuwarten, wie rasch er mit einem guten Job im neuen Amt sein Ansehen auch an seinem Wohnort steigern kann.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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