Wohlen
Jahrelange wohltätige Arbeit: Der Rotkreuzpreis geht an Brigitta Hubeli

Für ihr Lebenswerk, das Engagement für Flüchtlinge und sozial Benachteiligte erhält die Wohlerin 10'000 Franken.

Andrea Weibel
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Brigitta Hubeli in ihrem Garten: Hier kann die Wohler Rotkreuzpreisträgerin, die sich seit über 30 Jahren für Bedürftige einsetzt, abschalten.

Brigitta Hubeli in ihrem Garten: Hier kann die Wohler Rotkreuzpreisträgerin, die sich seit über 30 Jahren für Bedürftige einsetzt, abschalten.

Andrea Weibel

«Im Freiamt hört man immer wieder ihren Namen», so titelt das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Kanton Aargau die Medienmitteilung zu Brigitta Hubeli. Das ist tatsächlich so: Geht es im Raum Wohlen um Freiwilligenarbeit im Bereich Flüchtlinge oder sozial Benachteiligte, wird sie als eine der ersten genannt.

Hubeli hat im Freiamt immer wieder angepackt, damit es Leuten, die im Leben weniger Glück hatten, etwas besser geht. Seit über 30 Jahren. Dabei möchte sie am liebsten gar nicht im Vordergrund stehen, sondern erscheint einzig ab und zu in der Öffentlichkeit, um für ihre Projekte zu werben. Für dieses Engagement, das sie nicht nur freiwillig und unentgeltlich macht, sondern auch für alle, «die es nötig haben, egal, woher sie kommen, welchen Glauben sie haben und ob sie ein hohes oder ein weniger hohes Ansehen haben», erhielt sie nun den Rotkreuzpreis 2018.

Dies sind die Worte des forensischen Psychologen Josef Sachs, Vorstandsmitglied des SRK Aargau. Meist geht der Preis an Projekte oder Organisationen. Eine Einzelperson ist selten. Doch Hubeli habe es verdient, fand Sachs bei der Laudatio. Wer ist diese Frau, die nun 10'000 Franken für ihr Lebenswerk erhalten hat?

Ludothek und Mittagstisch

Die heute 68-jährige Brigitta Hubeli ist in Wildegg aufgewachsen und hat sich in Aarau zur Lehrerin ausbilden lassen. Als ihr Mann Heiner in Bern studierte, ging sie mit. Ebenso, als er in Wohlen eine Anstellung als Zahnarzt fand. Seit 1986 ist sie also Wohlerin. Als ihre drei Kinder noch klein waren, blieb sie zu Hause und half im Verein für Jugend und Freizeit (VJF) mit, der damals noch Freizeitverein hiess.

«Je mehr Leute ich kennen lernte, desto mehr fiel mir auf, was noch fehlte», erinnert sie sich. So schloss sie sich 1988 mit vier Leuten zusammen, um eines dieser Bedürfnisse zu befriedigen: Sie gründeten die Wohler Ludothek. «Sie wird bis heute immer wieder von jüngeren Frauen weitergeführt. Mittlerweile gehören auch mein Enkel und ich wieder zu den Stammkunden. Es freut mich sehr, dass das Projekt noch immer so gut läuft.»

«Es soll niemand glauben, ich hätte den Preis alleine verdient. Es gab unzählige Menschen, die mich unterstützt haben.» Brigitta Hubeli (68) erhält den Rotkreuz-Preis 2018.

«Es soll niemand glauben, ich hätte den Preis alleine verdient. Es gab unzählige Menschen, die mich unterstützt haben.» Brigitta Hubeli (68) erhält den Rotkreuz-Preis 2018.

Andrea Weibel

Von da an gings los: Hubeli setzte sich immer wieder für Anliegen der Menschen ein. «Es soll aber niemand glauben, ich hätte den Preis alleine verdient», sagte sie schon an der Preisverleihung. «Es gab unzählige Menschen, insbesondere Frauen, die mich tatkräftig unterstützt haben.» Damit spielt sie auf den gemeinnützigen Frauenverein Wohlen an, der als Dachorganisation für verschiedene Projekte Pate stand. So auch für den Mittagstisch Schmatz, der lange Bestand hatte und später an andere Organisationen übergeben werden konnte. «Das brauchte schon Mut und viel Überzeugungsarbeit, denn oft hiess es halt immer noch, die Frau gehöre an den Herd. Aber wir haben gemerkt, wie gut die Idee bei vielen ankam. Es hat sich gelohnt.»

Café International und Tischlein

Als sie 1995 wieder mit einem Teilzeitpensum an der Schule begann, wo sie Deutsch für Fremdsprachige unterrichtete, fiel ihr ein weiteres Bedürfnis ins Auge: «Ich bemerkte, dass viele ausländische Frauen keine Möglichkeit hatten, andere zu treffen oder Deutsch zu lernen.» Auch mit diesem Anliegen fand sie im Frauenverein Mitstreiterinnen und gründete vor elf Jahren das Café International nach dem Zufiker Vorbild. Noch heute wird das Café International sehr gut besucht, man lernt dort neue Leute kennen, kann sein Deutsch spielerisch verbessern und eine schöne, sorgenfreie Zeit verbringen.

Das Café International war es auch, wo ihr wohl bisher grösstes und bekanntestes Projekt entstand. «Ich bemerkte immer mehr Menschen, die kaum genug zum Überleben hatten. Also erkundigte ich mich und stiess auf ‹Tischlein deck dich›. Genau das wollte ich machen», erinnert sich Hubeli. Gesagt, getan. Seit über drei Jahren kann sie nun zusammen mit anderen Freiwilligen Helfern wöchentlich Esswaren für einen symbolischen Franken an Bedürftige verteilen. «Anfangs hatten wir etwa 35 Karten, mit denen die Leute bei uns Waren beziehen konnten, und die von der Gemeinde ausgestellt werden, um sicherzustellen, dass die Leute wirklich in Not sind. Heute sind es über 70 Karten.»

Ludothek, Mittagstisch, Café International, Tischlein deck dich – Brigitta Hubeli hat tatsächlich das Freiamt und dessen grosses Herz (mit-)geprägt. Daneben hilft sie immer wieder privat Leuten, die Probleme haben. «Mittlerweile haben wir den kirchlichen Sozialdienst der Caritas, die nehmen mir viel Arbeit ab», ist sie froh.

Ihr Ziel: andere motivieren

So viel Arbeit, und das gratis – wieso macht sie das schon seit über 30 Jahren? «Es gibt schon Momente, wo man sich das selber fragt», ist Hubeli ehrlich. «Aber man bekommt von den Menschen, denen man hilft, auch so viel Dankbarkeit zurück, das ist ein schöner Lohn.» Herz und Verständnis für Benachteiligte habe sie von ihren Eltern mitbekommen. Ohne ihren Mann, der sie nicht nur finanziell, sondern auch in all ihren Ideen unterstützt, hätte sie das aber nie machen können, ist ihr wichtig zu betonen.

«Jetzt freue ich mich umso mehr über den Preis des Roten Kreuzes.» Die 10'000 Franken möchte sie insbesondere der Ludothek und dem Frauenverein zugutekommen lassen. «Als Drittes möchte ich einen Ausflug mit Menschen machen, die nur ihren Wohnort kennen und es sich nicht leisten können, etwas anderes von unserer schönen Schweiz zu sehen», erzählt sie voller Vorfreude. Was aber ihr grösster Wunsch ist, den sie sich vielleicht mit diesem Preis erfüllen kann: «Ich wünsche mir, dass ich auch andere Leute motivieren kann, sich für Benachteiligte zu engagieren. Jeder kann etwas tun. Wer Interesse hat: Der Frauenverein, die Toolbox oder die Kirchgemeinden vermitteln da gerne. »