Ein Stück, das sich kritisch mit der Waldnutzung auseinandersetzt, wird Opfer der eigenen Thematik. Diesen Sommer hätte der Wald zwischen Erdmannlistein und Fulenbach zur Bühne für das Stück «Wald:Park» werden sollen – junge Künstler planten einen szenischen Spaziergang. Dagegen wehrt sich der Jagdverein Waltenschwil und der Aargauische Jagdschutzverein. Weil man aus terminlichen Gründen einen endgültigen Entscheid nicht abwarten kann, hat sich die Junge Bühne entschlossen, das Stück ins Kellertheater zu verlegen. Die Enttäuschung bei den Beteiligten ist gross.

«Seit letztem Herbst sind wir an den Vorbereitungen», erzählt Regisseur Simon Landwehr. Das Stück ist das Masterprojekt seiner Theaterpädagogik-Ausbildung. Bereits im Dezember wurden die Ortsbürger Wohlen informiert, denen der Wald gehört, sie signalisierten Zustimmung. «Die Abklärungen ergaben, dass wir unser Projekt öffentlich auflegen müssen», sagt Landwehr.

Also habe man den Kontakt mit den Interessengruppen – dem Kreisförster, dem Revierförster, dem Natur- und Vogelschutzverein, mit Jägern und Ortsbürgern – gesucht, bevor die Junge Bühne ein Gesuch bei der Gemeindeverwaltung Wohlen eingereichte. Marco Erni, technischer Leiter und verantwortlich für die Infrastruktur, erinnert sich: «Wir wussten damals noch nicht alle Details, zum Beispiel wo wir Licht einsetzen müssen.»

Nach rund zwei Monaten und mehreren Nachfragen kam der negative Entscheid: Der Spielort sei zu nahe am Naturschutzgebiet und die technischen Hilfsmittel, die zum Einsatz kämen, seien zu wenig genau spezifiziert, so die Begründung. «Wir fielen aus allen Wolken», sagt Landwehr rückblickend, «aber es gab auch positive Signale.

Man forderte uns auf, ein überarbeitetes Gesuch einzureichen.» Also wurde der Weg angepasst und die Theatermacher beschrieben, welche Hilfsmittel eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um LED-Akku-Fluter, die pro Aufführung zwischen 10 und 15 Minuten brennen. «Uns war der Umweltgedanke von Anfang an wichtig, wir wollten nur das Nötigste einsetzen und auf den bestehenden Wegen bleiben. Die Emissionen sind vergleichbar mit einer Pfadiübung bei Nacht», erklärt Landwehr.

Wild zu sehr eingeschränkt?

Dennoch reichten der Jagdverein Waltenschwil und der Aargauische Jagdschutzverein eine Beschwerde gegen das überarbeitete Gesuch ein. Die Bewegungsfreiheit des Wilds sei jetzt schon eingeschränkt, heisst es unter anderem in der Einwendung. «Durch das Theaterprojekt werden noch die letzten Austrittsmöglichkeiten beeinträchtigt. Die Störungen haben einen direkten Einfluss auf die Konstitution und den Gesundheitszustand des Wildes.»

Erni ist enttäuscht: «Wir hatten vor der Eingabe nochmals den Kontakt zu den Jägern gesucht und hätten das Projekt auch angepasst. Darüber wollten sie nicht diskutieren. Es scheint den Jägern mehr darum zu gehen, dass der Wald generell zu stark belastet sei. Sie wollen einen Grundsatzentscheid», vermutet er. Dies im Gegensatz zum Natur- und Vogelschutzverein, dessen Co-Präsident Thomas Burkard vom Projekt begeistert ist und die Junge Bühne unterstützt hat.

Patrick Isler von der Jagdgesellschaft Waltenschwil meint dazu: «Im Kern geht es uns um das Projekt. Aber natürlich ist es so, dass mit dem Sagenweg und dem Erdmannlistein schon zwei Ausflugsziele da sind, die stark frequentiert werden.» Als Jagdverein habe man die Pflicht, die Wildtiere zu schützen und deshalb habe man auch die Einwendung eingereicht.

Jetzt muss der Gemeinderat Wohlen die Situation beurteilen. Egal wie er entscheidet, es wäre möglich, dass der Entscheid beim Kanton angefochten wird. «Deshalb haben wir uns auch jetzt schon entschieden, das Theaterprojekt nach drinnen zu verlegen», erklärt Simon Landwehr.

«Das Dümmste, was uns passieren könnte, wäre eine Verschiebung eine Woche vor der Premiere.» Die Aufführungen laufen vom 20. August bis am 3. September.
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