Villmergen

Jäger prüfen Abschuss der Saatkrähen

Nicht alle freuen sich über die akrobatischen Flugspiele der Saatkrähen, die im Villmerger Torbehölzli nisten.

Über 100 Nester haben die Vögel im Torbehölzli nahe der Industrie gebaut – aber auch dort stören sie.

Saatkrähen sind – obwohl man das bei ihrem Namen denken könnte – für Bauern kein Problem. Es sind ihre nahen Verwandten, die Rabenkrähen, die den Bauern die Saat von den Feldern fressen. Saatkrähen sind nur dort ein Problem, wo Menschen sich vom Lärm oder vom vielen Kot unter den Brutbäumen gestört fühlen. Ein bekanntes Beispiel ist das Kantonsspital Aarau, wo mit verschiedenen Mitteln gegen die Tiere vorgegangen wird. Ein anderes der Bahnhof Muri, wo gar Nistbäume gefällt wurden. Die Vögel brüten in Kolonien, sodass, wenn sie sich einmal ein Brutgebiet ausgesucht haben, nicht nur ein wenig Kot auf den Boden fällt, sondern eben gleich jede Menge.

Genau das ist nun auch das Problem beim Torbehölzli, einem kleinen Wäldchen im Villmerger Industriegebiet. Hier haben die Vögel im Grunde kaum Anwohner, die sich über ihr Geschrei stören könnten. «Der Lärm ist nicht das Problem», bestätigt Peter Bühler, Seniorchef der Niwotron AG, die ihren Firmensitz direkt neben dem Torbehölzli hat, auf Anfrage. «Aber wenn das Auto, das draussen auf dem Parkplatz steht, jeden Abend von vorne bis hinten voller Kot ist, kann einen das schon nerven. Genauso sieht es mit unserer Fassade und den Fenstern aus.» Krähen hätten schon in dem Wäldchen genistet, als die Niwotron 2003 die Räume in der Villmerger Industrie bezogen habe. «Aber in den letzten Jahren ist es sehr schlimm geworden», sagt Bühler. Darum hat er sich vor ziemlich genau einem Jahr an die Gemeinde gewandt.

Krähenplage in Villmergen

Krähenplage in Villmergen

Jäger suchen Alternativen

Gemeindeschreiber Josef Kuratle kennt das Problem. «Wir haben nur eine einzige Beschwerde erhalten, sind aber dabei, zusammen mit den lokalen Jägern nach Lösungen zu suchen», bestätigt er auf Anfrage und verweist an Daniel Wehrli, Präsident der Jagdgesellschaft Villmergen-Hilfikon.

Auch dieser bekräftigt, er sei dran, mit verschiedenen Spezialisten Lösungen zu suchen. «Beim Kanton hiess es, man solle die Vögel abschiessen. Während der Brutsaison gilt jedoch einerseits eine Schonzeit, in der man sie nicht schiessen darf. Andererseits wollen wir aber auch nicht im Industriegebiet schiessen, das ist viel zu gefährlich, denn die Projektile kommen ja auch immer wieder irgendwo runter», macht der Jäger deutlich. «Ausserdem ist das Schiessen der Tiere nicht nachhaltig. Es würden ganz einfach neue nachkommen.» Genauso sei es, wenn man einen Falken zur Jagd einsetzen würde. «Ich habe mit einem Falkner geredet. Der meinte, nach zwei Wochen seien die Krähen zurück.» Dasselbe würde mit einem Plastik-Uhu zur Abschreckung passieren: «Irgendwann würden die Krähen merken, dass er keine Bedrohung ist.»

Doch, dass die geballte Ladung Kot, die die «Kackraben» täglich nahe ihrer Nester fallen lassen, wie es eine Mitarbeiterin der Niwotron AG ausdrückt, ein Problem ist, versteht Wehrli. «Im Moment überlegen wir, ob es sinnvoll wäre, einige Bäume in dem Gebiet zu fällen, sodass die Nester nicht mehr so nahe an den Firmenparkplätzen stünden.» Vielleicht würde das auch eine Verringerung der Anzahl Nester und so eine Besserung der Situation mit sich bringen. «Aber diese Baumfällaktion müsste natürlich zuerst bewilligt und bezahlt werden. Wir klären alles mit dem zuständigen Forstamt, dem Kanton und der Gemeinde ab.» Peter Bühler von der Niwotron AG hält fest: «Wir wären für jeden Versuch dankbar, den die Gemeinde gegen das Problem unternimmt.»

Bauernverband störts nicht

Wer sich über die Kolonie hingegen freut, ist André Keusch, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Villmergen.

Er hat die Saatkrähen im kleinen Schutzgebiet Torbehölzli schon oft beobachtet. «Ich habe gehört, dass sie immer weiter nach Osten vordringen. Diese hier kamen scheinbar von Basel via Aarau hierher», fasst er zusammen. «Vor zwei Jahren waren sie erstmals hier. Damals waren es etwa 50 Nester. Heute sind es über 100», hält er fest. Davor seien es wohl andere Krähenarten gewesen, die hier genistet hätten. Punkto Naturschutz machen ihm die Saatkrähen keine Sorgen. «So viel ich weiss, greifen sie keine anderen Vögel an. Im Torbehölzli nisten viele Wacholderdrosseln. Mir wäre nicht aufgefallen, dass ihr Bestand abgenommen hätte.»

Auch Ralf Bucher, Geschäftsleiter des Bauernverbands Aargau, bestätigt, dass die Tiere für die Bauern kein Problem seien. Auf der Website der Vogelwarte Sempach ist nachzulesen: «Saat- und Rabenkrähen fressen unter anderem Engerlinge, Käfer und Wühlmäuse. Es kann aber lokal auch zu Schäden kommen, insbesondere an frischen Mais- und Getreidekulturen.» Klar wird hervorgehoben: «Klagen über Krähenschäden betreffen in der Schweiz jedoch fast immer die häufigere Rabenkrähe. Die Saatkrähenschwärme sind im Sommerhalbjahr dazu in der Regel zu klein.»

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