Für das Referendumskomitee ist die Sache klar: «Wir sind hoch erfreut über dieses mit 54 % Nein-Stimmen äusserst deutliche Verdikt des Stimmvolks. Dieses hat damit klar zum Ausdruck gebracht, dass es Verkaufs- und Überbauungspläne entgegen den Ansichten von Gemeinde- und Einwohnerrat klar ablehnt und die grüne Dorfmitte befürwortet», schreibt Christian Lanz in einer offiziellen Stellungnahme des Referendumskomitees. Das Referendumskomitee will also einen Park.

Klar ist die Sache auch für seinen SVP-Parteikollegen Urs Stäger. Er hält in einem Leserbrief fest: «Es ist mittlerweile bekannt, dass es da nie einen Park geben wird. Der nahe Park beim Strohmuseum reicht und ist sehr schön.» Urs Stäger will also keinen Park, sondern den Verkauf des Isler-Areals ohne teure Planerhonorare.

Und noch eine dritte klare Meinung, diesmal die offizielle Pressemitteilung der SVP, unterzeichnet von Parteipräsident Roland Vogt. Er schreibt: «Überteuerte Planungskredite kann sich die Gemeinde Wohlen nicht mehr leisten und der Gemeinderat tut gut daran, seine sture und egoistische Denkweise endlich anzupassen.»

Vogt schreibt weiter: «Das Nein zum Rahmenkredit bedeutet aber auch für viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Nein zum Landverkauf und Nein zu einer Überbauung. Der einzig freie Platz im Herzen des Zentrums von Wohlen soll der Bevölkerung zur Verfügung stehen und der Gemeinderat soll endlich haushälterisch mit seinen finanziellen Mitteln umgehen und sein Loch in der Kasse nicht durch irgendwelche Landverkäufe aufbessern. Die Pressemitteilung der SVP kann man sowohl als auch interpretieren. Man kann daraus lesen, dass die Partei findet, der Rahmenkredit für die Investorenausschreibung sei zu hoch gewesen. Man kann die Mitteilung aber auch dahingehend interpretieren, dass die SVP aus dem Isler-Areal einen Park machen will.

Park 2008 vom Volk abgelehnt

Den Park sieht Thomas Burkard von den Grünen nicht: «Die grüne Oase wird es nicht geben. Diese Pläne haben die Stimmberechtigten schon 2008 klar abgelehnt.» Burkard vermutet als einen der Gründe für die Ablehnung des Kredites fehlende Kommunikation: «Das Fuder war recht überladen. Der Gemeinderat hat die Ausgaben für die Altlastenuntersuchung und jene für den Hochwasserschutz in die gleiche Vorlage gepackt und vielleicht haben diese Botschaft nicht alle verstanden. Von den 300 000 Franken wäre ja nur die Hälfte für die Arbeit der Planer ausgegeben worden.»

Sandra Lehmann von der GLP sieht es ähnlich: «Vielleicht hat die Message des Gemeinderates nicht alle Stimmbürger erreicht, weil mehrere Sachen in die gleiche Vorlage verpackt waren.» Die GLP sei sich einig: «Das Areal soll keine grüne Oase werden. Es muss entwickelt und überbaut werden.» Und das zügig, findet Lehmann: «Auf keinen Fall darf das Jacob-Isler-Areal in dem Zustand bleiben, in dem es jetzt ist.» Die Einwohnerrätin zweifelt allerdings daran, dass die Gemeinde das Vorhaben ohne Hilfe von aussen alleine stemmen kann. Der Gemeinderat sei jetzt gefordert, entsprechende Varianten aufzuzeigen. Die Altlastenuntersuchung und der Hochwasserschutz müssten ja auf jeden Fall gemacht werden.

«Was will das Volk genau?», fragt sich Corinne Manimanakis von der SP. «Ein Park», findet sie, «kann es ja nicht sein. Ein solches Vorhaben ist erstens vom Stimmvolk bereits 2008 deutlich abgelehnt worden und zweites wäre es eine Wertvernichtung, dieses Areal im Zentrum der Gemeinde nicht baulich zu nutzen.» Wie schon Einwohnerratskollegin Sandra Lehmann findet auch Corinne Manimanakis: «Ganz falsch wäre es, das Areal weiterhin im gleichen unansehnlichen Zustand zu belassen, in dem es jetzt ist.»

Kommt Zeit, kommt Rat

Franz Wille von der CVP kann sich hingegen genau das vorstellen: «Das Abstimmungsresultat ist zu respektieren. Meiner Meinung nach sollte man die Sache jetzt erst einmal etwas auf sich ruhen lassen.» Hochwasserschutz und Altlastenuntersuchung müssten allerdings trotzdem vorangetrieben werden. «Ich hätte mir ein positiveres Resultat gewünscht», hält Wille weiter fest, «etwas, das Wohlen weiterbringt und nicht den Status quo wie jetzt.»

Nach Willes Einschätzung haben mehrere Faktoren zur Abstimmungsniederlage beigetragen: «Nein gesagt haben die notorischen Neinsager, jene, die von einem Park träumen, jene die das Areals erst später verkaufen und überbauen wollen und jene, denen der Rahmenkredit zu hoch war.»

Thomas Geissmann von der FDP sieht ebenfalls einen Grund bei der Höhe des Rahmenkredits: «Das hat vermutlich sogar den Ausschlag für die Abstimmungsniederlage gegeben.» Für ihn sei es bedauerlich, «dass mit diesem Entscheid einmal mehr die Entwicklung von Wohlen verhindert wird.» Für Geissmann gilt es jetzt, umgehend eine neue Vorlage zu erarbeiten: «Die Gemeinde darf das Projekt nicht in die Schublade versorgen, sondern muss den Verkauf halt ohne fremde Hilfe selber an die Hand nehmen.