Wohlen

Ist Strassenlärm ungesund? Dieser Kantischüler will das herausfinden

Besart Saliju ist Maturand der Kantonsschule Wohlen.

Besart Saliju ist Maturand der Kantonsschule Wohlen.

Lärm führt zu Stress, und Stress kann zu Herzproblemen führen. So lautet die These, die Besart Saliju zu Beginn seiner Maturaarbeit aufgestellt hat. Saliju besucht die letzte Klasse der Kantonsschule Wohlen

Besart Saliju möchte einmal im medizinischen oder naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten und ist stark an der Umwelt interessiert. Aus diesen beiden Themen entstand die Idee für seine Arbeit. «Ich wollte unsere industrialisierte Umwelt hinterfragen und herausfinden, welchen Einfluss sie auf uns hat», sagt Saliju. «Strassenlärm ist ein Aspekt, der schnell vergessen wird und einen Bezug zu unserer Gesundheit hat.»

In der Arbeit dient Wohlen als Beispiel

Der Hauptteil seiner Arbeit fand am Computer statt. «Im Projektunterricht haben wir den Umgang mit dem Programm Arc-Map gelernt. Man kann damit Datensätze auf eine Karte übertragen», erklärt Saliju. In seinem Fall war es eine Kombination aus zwei Datensätzen. Den einen erhielt er vom Kanton. «Es sind die Lärmmessungen entlang der Strassen von Wohlen», sagt er. «Dazu habe ich das Risiko für ischämische Herzkrankheiten (vergleiche nachfolgende Box) in Bezug auf den Lärm übertragen.»

Das Produkt ist eine Karte der Gemeinde Wohlen, auf der man die Risikoerhöhung für eine ischämische Herzkrankheit aufgrund der Lärmbelastung ablesen kann. Die Ergebnisse zeigen: Allgemein ist das Risiko an den Hauptstrassen am grössten. Vor allem aber unmittelbar an der Bremgarterstrasse. Anwohner sind dort teilweise bis zu 16 Prozent stärker gefährdet, an ischämischen Herzkrankheiten zu erkranken, als Menschen, die keinem Strassenlärm ausgesetzt sind. Die Immissionsgrenze von 65 Dezibel wurde an der Bremgarterstrasse überschritten.

Umwelt Aargau veröffentlicht Kurzversion

Ein weiterer Teil von Salijus Arbeit war ein Experteninterview mit Heiko Loretan, dem Sektionsleiter des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. «Er war von meinem Projekt begeistert und bot mir an, eine Kurzversion der Arbeit auf der Website von Umwelt Aargau zu veröffentlichen. Mir ging es nie darum, die Arbeit publik zu machen, aber das Angebot lehnte ich natürlich nicht ab», erzählt Saliju. «Ich finde es super, dass auch junge Menschen eine Chance bekommen, ihr Wissen zu teilen. Viel zu viele Maturaarbeiten gehen unter und werden nie gelesen», sagt er.

Als Beispiel für die Karte nahm Besart Saliju Wohlen.

Als Beispiel für die Karte nahm Besart Saliju Wohlen.

Viele Erkenntnisse seiner Arbeit habe Saliju in etwa so erwartet. «Es gibt aber auch Punkte, die mich überrascht haben», sagt er. Einer dieser Punkte sei, dass alle Menschen gleich stark von den Folgen von Lärm betroffen sind. Er sagt: «Es spielt keine Rolle, ob man sich vom Lärm gestört fühlt oder nicht. Denn unterbewusste Reaktionen erhöhen das Risiko, an ischämischen Herzproblemen zu erkranken. Das liegt an Hormonen, die ausgeschüttet werden und die Blutwerte verändern.»

Es sei aber wichtig, sich zu merken, dass andere Einflüsse das Risiko auf ischämische Herzkrankheiten weitaus stärker erhöhen. «Der Lärm sollte nicht die erste Priorität sein», sagt Saliju. «Ernährt man sich ungesund oder nimmt Drogen, sollte man zuerst da ansetzten, bevor man den Lärm als Hauptproblem sieht.» Es gebe aber einen grossen Unterschied bei der Bekämpfung: «Wir können niemandem verbieten, zu rauchen oder Fast Food zu essen. Wir können aber als Gesellschaft etwas gegen den Lärm unternehmen», sagt er.

Lärmsanierungen sind schwieriger, als man denkt

«In Sachen Lärmsanierung ist der Kanton Aargau Vorreiter», sagt Saliju. «Aber auch in Wohlen gibt es Gebäude, die den Grenzwert überschreiten.» Diese Überschreitungen kommen aber nicht deshalb nicht zu Stande, weil der Kanton schlecht gearbeitete hätte. «Lärmsanierung ist ein schwieriges Thema.» Als Erstes werde versucht, die Ursache des Strassenlärms zu bekämpfen. Das bedeutet, den Strassenbelag zu wechseln. «Neue Beläge können den Lärmpegel senken, da der Belag poröser ist und somit den Reifenlärm absorbieren kann.» Als Nächstes werden Lärmschutzwände oder Lärmschutzfenster eingebaut.

Saliju sagt: «Der letzte Schritt ist eine Reduktion der Geschwindigkeit. Die Leute wollen aber natürlich schnell ans Ziel kommen, und nur wenige sind dazu bereit, auf einer Hauptstrasse 30 zu fahren.»

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