Jahrelang herrschte Ruhe um die Konsumgenossenschaft AG in Villmergen. Ihr gehören mehrere Liegenschaften am Dorfplatz, an der Anglikerstrasse und der Wohlerstrasse. Jetzt kommt aber Bewegung in die Gesellschaft. Die beiden Aktionäre Alfons Wey und Hans Stöckli aus Villmergen forderten die Aktionäre auf, ihre Aktien zum Stückpreis von 6000 Franken – deutlich über dem inneren Wert – an einen bisher unbekannten Geschäftsmann aus dem Kanton Aargau zu verkaufen. Der Investor soll sich laut Wey und Stöckli um die «langfristige und nachhaltige Nutzung» des Liegenschaftsbestandes und um die notwendigen Investitionen kümmern.

«Mehrheit steht hinter uns»

Der Appell von Wey und Stöckli an die einst 281 Aktionäre, ihre Aktien an den Investor zu veräussern, scheint Früchte zu tragen. Das lässt Wey verlauten. Er gibt sich selbstsicher, an der nächsten Generalversammlung der Konsumgenossenschaft vom 27. November etwas bewegen zu können. Die Mehrheit der Aktionäre stehe hinter ihm und Stöckli, sagt er.

Lange Jahre war Wey Vizepräsident und Aktuar der ehemaligen Konsum- und Landwirtschaftlichen Genossenschaft. Nach der Umwandlung in eine reine Immobiliengesellschaft, die Konsumgenossenschaft Villmergen AG, war er Mitglied des Verwaltungsrates. «Ich besitze deshalb recht viel Insiderwissen», sagt er, «der Verwaltungsrat wird sich warm anziehen müssen.»

In einem Brief warnten Wey und Stöckli die Aktionäre vor dem anstehenden Investitionsschub in die Liegenschaften, den die Gesellschaft ohne neues Eigenkapital nicht schultern könne. So sei es logisch die Hilfe bei einem Investor zu suchen. Wenn nicht investiert werde, dann bestehe die Gefahr, dass die heute noch guten Immobilien bereits in wenigen Jahren «schwer oder nicht mehr vermietbar sind und an Wert verlieren würden.».

Die «ersten aktuellen Leerstände», so das Restaurant Kajüte, scheinen dies zu belegen, teilten Wey und Stöckli den Aktionären mit. Der namentlich nicht genannte Investor sei solvent. Davon hätten sie sich mit einer Bestätigung einer Grossbank überzeugt. Als Drehscheibe für den Verkauf der Aktien schalteten Wey und Stöckli den Aarauer Rechtsanwalt Conrad M. Walther ein. Ihm sollten die Aktionäre innerhalb von zehn Tagen mitteilen, ob sie die Aktien veräussern wollen. Die Frist ist inzwischen abgelaufen.

Aktienbuch in falschen Händen

Der Verwaltungsrat der Konsumgenossenschaft wehrt sich vehement gegen das Vorgehen von Wey und Stöckli. Befremdet ist er darüber, dass Rechtsanwalt Walther und die beiden Aktionäre Wey und Stöckli über das Aktienbuch der Gesellschaft mit allen Adressen verfügen, obwohl es sich um ein internes Dokument handelt. Der Verwaltungsrat hätte das Aktienbuch Dritten nie zur Verfügung gestellt – auch nicht auf Anfrage, teilte dieser den Aktionären mit. Die von Wey und Stöckli ausgelöste Aktion wirke nebulös, zumal die beiden den Namen des Investors und die verfolgten Absichten bisher nicht bekannt gegeben hätten.

Wenn eine grössere Zahl von Aktionären die Meinung vertrete, dass die Konsumgenossenschaft AG als Ganzes verkauft oder strategisch neu ausgerichtet werden solle, dann stehe es ihnen frei, das Anliegen an der nächsten ordentlichen oder an einer ausserordentlichen Generalversammlung zur Sprache zu bringen. «Der Verwaltungsrat würde sich einer solchen Diskussion nicht verweigern», teilte der Verwaltungsrat den Aktionären mit.

Nur acht Aktien pro Person

Der Verwaltungsrat belehrte die Aktionäre auch rechtlich. Ein Aktionär könne nach den heute geltenden Bestimmungen ohne Zustimmung des Verwaltungsrates gar nicht mehr als acht Aktien ins Aktienbuch eintragen lassen, hielt er fest. Diese wichtige Tatsache hätten Wey und Stöckli in ihrem Brief an die Aktionäre aber «unverständlicherweise» verschwiegen.

Der Verwaltungsrat fordert, dass die Zukunft der Gesellschaft gemeinsam diskutiert wird und zwar im Rahmen der Statuten. Auf das Angebot des unbekannten Investors sollten die Aktionäre deshalb nicht eintreten. Verwaltungsratspräsident Robert Schmidli will sich gegenüber der az zu diesem Fall nicht weiter äussern und verweist auf die Generalversammlung. Der Verwaltungsrat sei mit den beiden opponierenden Aktionären im Gespräch, sagte er.