Vor 147 Jahren
Intrige: Warum der Ammann für 17 Tage in einer Extrazelle landete

Im Jahr 1865 wurde Jakob Hüsser in Rudolfstetten abgeholt und 17 Tage in eine Zelle gesteckt. In einem nun erschienenen Buch ist nachzulesen, wie der Gemeindeammann die politische Intrige erlebte – und dass er später ein politisches Comeback feierte.

Toni Widmer
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Jakob Hüsser: «Sie mussten noch ein freches Weib, gegen mich als Waffe gebrauchen.»

Jakob Hüsser: «Sie mussten noch ein freches Weib, gegen mich als Waffe gebrauchen.»

zvg

Jakob Hüsser war kaum 24 Jahre alt, als er 1865 zum Gemeindeammann von Rudolfstetten gewählt wurde. Er war in seinem Amt nicht unbestritten, wie er in seiner Lebensgeschichte erzählt, die im kürzlich erschienenen Buch «Mänsche und Gschichte von Ruedistette-Friedlisberg» festgehalten ist.

«Schon bei meiner Wahl wurden mir von meinen politischen Gegnern alle möglichen Widerwärtigkeiten bereitet», blickt er zurück. Im Zusammenhang mit dem Loskauf «hiesiger Gerechtigkeit» (Nutzungsrechte) hätte er später die Interessen und den Standpunkt der Ortsbürgergemeinde vertreten müssen: «Da auf die zu grossen Forderungen der ansässigen Gerechtigkeitsbesitzer nicht eingetreten werden konnte, wurde hauptsächlich ich von meinen Gegnern beschuldigt, wobei der Hass gegen mich auf das Höchste stieg und meinen Feinden kein Mittel zu schlecht war, mich bei den Behörden zu verklagen.»

Offenbar war es diesen auch gelungen, den Bezirksamtmann in Bremgarten auf ihre Seite zu ziehen. Auf dessen Anweisung wurde Hüsser am 11. August 1868 verhaftet: «Unser amtseifriger Bezirksamtmann Weissenbach, begleitet mit seinem Amtsschreiber und einem gut bewaffneten jungen Polizisten, sprengte grossartig nach Rudolfstetten, um den gefährlichen Verbrecher zu verhaften. Wobei es diesem nicht einmal mehr erlaubt wurde, von seinen Leuten Abschied zu nehmen.»

Öffentliches Gut abgezweigt

Vorgeworfen wurde dem Rudolfstetter Gemeindeammann damals, er hätte «öffentliches Gut in eigenem Nutzen zu Privatzwecken verwendet». Eine Anschuldigung, die er sofort hätte widerlegen können und diesbezüglich auch Unterstützung von seinen Gemeinderatskollegen erhalten hätte. Allein: «Meine Erklärungen genügten dem feindlich gesinnten Bezirksamtmann nicht. Als in seinem Stolz er sah, dass sein Plan vereitelt werden könnte, schrie er: ‹Ich will nichts wissen› und stiess mich wie ein Wahnsinniger gegen die Zimmertür, wo der junge Polizist bereit war, mich in Empfang zu nehmen und abzuführen.»

Der Untersuch, berichtet Jakob Hüsser weiter, habe sich verlängert, weil täglich neue Klagen eingegangen seien. Nach 17 langen Tagen in der «gut schliessbaren Extrazelle» wurde der Rudolfstetter Gemeindeammann schliesslich frei gelassen und für die Haft angemessen entschädigt.

Die Auseinandersetzungen mit dem Bezirksamtmann dauerten jedoch an. «Ich hatte mit dem mir übel gesinnten Mann noch viele Anfechtungen, bis er im Jahre 1870 durch den Volksentscheid weggewählt wurde. Wobei sein Verfahren gegen mich bereits den Ausschlag gegeben hat.»

In Rudolfstetten allerdings gaben die Feinde von Jakob Hüsser nicht klein bei. «Meine Gegner waren noch nicht befriedigt. Sie mussten noch ein freches Weib, das auch für alle Schlechtigkeiten fähig war, gegen mich aufhetzen und als Waffe gebrauchen. Ich will hier nicht auf die höchst unangenehmen Einzelheiten eingehen. Es dürfte genügen, konstatieren zu können, dass dieses Weib mit allen falschen Anklagepunkten hoch instanzlich abgewiesen wurde.»

Dennoch wurde Jakob Hüsser 1880 abgewählt. Allerdings wurden Gemeinderäte gewählt, die nicht einmal in ihren Privatgeschäften richtig Bescheid zu geben vermochten. So kam es, dass 1890 wieder Neuwahlen stattfinden mussten. «Da wurde ich als Gemeindeammann wiedergewählt und es war nichts Geringes, den gesunkenen Kredit der Gemeinde wieder aufzuheben und die nötige Ordnung wiederherzustellen.» Jakob Hüsser blieb in der Folge Gemeindeammann bis 1919.

Quelle: Buch «Mänsche und Gschichte von Ruedistette-Friedlisberg.»

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