Ob wegen der Liebe, wegen der Arbeit oder vielleicht auch, weil es im Norden weniger Moskitos gibt als im warmen Heimatland – Menschen ziehen aus den verschiedensten Gründen in die Schweiz. Ein paar Tausend von ihnen sind auch in unserer Region sesshaft geworden.

Im Durchschnitt leben in einer Freiämter Gemeinde Menschen aus 37 verschiedenen Nationen (Schweizerinnen und Schweizer nicht mitgerechnet). Am meisten vertreten sind, ähnlich wie im nationalen Vergleich, Menschen aus den Nachbarländern Deutschland und Italien sowie aus dem Kosovo. Bei weitem nicht alle Gemeinden entsprechen aber dem Durchschnitt; von den insgesamt 42 sind es lediglich 10, welche sich bezüglich ihres Ausländeranteils im Mittelfeld bewegen.

Der grosse Ausreisser nach oben ist klar Wohlen: Hier leben Menschen aus 94 Nationen, verteilt auf über 6000 Ausländer. Das sind 39 % der Gesamtbevölkerung (16'100). Damit ist diese Gemeinde die Vielfältigste. Überraschend sei die Erkenntnis nicht, findet Gemeindeammann Arsène Perroud: «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir einmal wenige oder gar keine Ausländer hatten. Die vielen Kulturen sind seit eh und je ein bereichernder Bestandteil unserer Gesellschaft.»

Viele Länder einmal vertreten

Ein hoher Ausländeranteil kann aber auch herausfordern: «Die grosse Aufgabe ist ja, die Menschen in den normalen Alltag einzuführen. Eines unserer wichtigsten Instrumente dabei ist die Schule», so Perroud. Sprachkurse und Anlässe seien aber ebenso wichtig, ergänzt er: «Im Kafi International zum Beispiel können Ausländer mit Freiwilligen aus dem Frauenverein über schweizerische Alltagsthemen diskutieren und so mehr über ihre neue Heimat in Erfahrung bringen.»

Bei fast 100 verschiedenen Nationen sind neben den häufig vertretenen, wie Portugal oder Italien, auch Leute aus Ländern da, die man weniger kennt. Viele Nationen sind spärlich oder, wie Estland und Ghana, auch mit nur einer Person vertreten.

Doch was bringt Menschen aus weit entfernten Ländern dazu, in die kleine Schweiz zu ziehen? «Bei mir war das ganz einfach. Ich habe mich verliebt. Mein Mann wohnte in Wohlen, und so bin ich hierhin gekommen», erzählt Ghada Seif. Die gebürtige Ägypterin lebt inzwischen seit 24 Jahren in der Schweiz. «Vor zwanzig Jahren war hier wirklich nicht viel los. Ich bin in Kairo geboren, da musste ich mich erst mal daran gewöhnen, dass die Läden beispielsweise nicht 24 Stunden geöffnet sind.» Die Anpassung an die Schweizer Kultur sei ihr anfangs zwar schwergefallen, mit der Zeit habe sich dann aber alles eingependelt. «Heute ist Wohlen fast schon eine kleine Stadt. Es ist viel mehr los.» Manchmal schaue sie aber trotzdem etwas nostalgisch zurück: «Die Ruhe, wie es sie früher gab, vermisse ich jetzt sogar ab und zu», gibt Seif schmunzelnd zu.

Beschaulichkeit gefällt

Diese Ruhe ist in den kleineren Gemeinden noch zu finden. Auch dort wohnen, neben der grösstenteils schweizerischen Bevölkerung, Menschen aus exotischen Ländern. So zum Beispiel Saara Stöckli. Sie ist in Finnland aufgewachsen und lebt mittlerweile seit elf Jahren in der Schweiz, zurzeit in Besenbüren. Die Freiämter Gemeinde hat mit 8 % den kleinsten Anteil Ausländer. Von 600 Einwohnern sind es gerade mal 52. Doch wieso hat sich Stöckli ausgerechten für diese Gemeinde entschieden?

«Ein kleines Dorf wie Besenbüren ist einfach der ideale Ort, um eine Familie zu gründen. Die Kinder können frei und sicher aufwachsen», erklärt die Finnin. Es gäbe alles, was man zum Leben brauche. «In Finnland sind die Dörfer verstreut. Ein direkter Nachbar ist vielleicht zwei Kilometer entfernt. Hier ist alles so nahe aufeinander, das ist speziell – und gefällt mir.»

Es geht aber noch kleiner: Am wenigsten Vielfalt gibt es im 200-Seelen-Dorf Geltwil. Die Gemeinde zählt «nur» sieben verschiedene Staatsangehörigkeiten. Gemeindeammann Felix Enzler findet diese Zahl jedoch keineswegs niedrig: «In einem so kleinen Dorf sind sieben Nationen eine stattliche Anzahl.» Tatsächlich, wenn man die Anzahl vertretener Nationen in Geltwil auf die Einwohnerzahl Wohlens umrechnen würde, so müsste Wohlen fast 564 Nationen beherbergen.