Berikon
Ingo Malm steht nun ohne Praxis da – die Schuld gibt er Franziska Roth

Die Patienten des Ärztezentrums Mutschellen standen am Dienstag vor verschlossenen Türen. Ein drängenderes Problem sind allerdings die verschwundenen Krankenakten. Derweil macht Inhaber Ingo Malm Regierungsrätin Roth für das Ende seiner Praxis verantwortlich.

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Ingo Malm in einem Kassensturz-Beitrag im Jahr 2011.

Ingo Malm in einem Kassensturz-Beitrag im Jahr 2011.

Screenshot SRF

«Wir wissen zurzeit nicht, wo die Ärzte sind», bestätigt Kantonsarzt Martin Roth im «Fokus» auf «TeleM1». Seit Dienstag stehen die Patienten des Ärztezentrums Mutschellen vor verschlossenen Türen. Die Ärzte und Inhaber Ingo Malm sind verschwunden. «Wir versuchen, die Ärzte zu kontaktieren und eine gemeinsame Lösung zu finden, dass die Patienten weiter betreut werden können», so Roth. Allerdings könne man die Ärzte nicht zwingen, sich wieder um ihre Patienten zu kümmern.

Das drängendere Problem als die verschwundenen Ärzte sind die Krankenakten der Patienten. Zurzeit habe man keinen Zugriff auf diese. «Zur Berufspflicht der Ärzte gehört die Aufbewahrung der Krankengeschichten während zehn Jahren. Dazu gehört auch, dass man den Zugriff auf die Krankengeschichten sicherstellt.» Sei dies nicht der Fall, handle es sich um Verletzung der Berufspflichten und dann werde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, so der Aargauer Kantonsarzt.

Gegenüber dem "Wohler Anzeiger" bestätigt Ingo Malm die Schliessung des Ärztezentrums Mutschellen, das er leitete und für das er auch als Verwaltungsrat agierte. Malm, dem der Kanton 2012 die Berufsbewilligung entzog, darf selbst nicht mehr als Arzt praktizieren. Er komme nicht an die Akten und könne die Patienten aus diesem Grund nicht informieren. Seit Dezember sei klar, dass das Ärztezentrum in der bisherigen Form nicht weiterbestehen könne. "Der befristete Mietvertrag endete Ende Dezember 2017 und wurde nicht verlängert", erklärt die Hausbesitzerin gegenüber der Zeitung.

Malm gibt Regierungsrätin Roth die Schuld

Gemäss Recherchen von «TeleM1» hat Malms Ärztezentrum ausstehende Rechnungen von über einer Million. Gegenüber dem "Wohler Anzeiger" spricht Malm lediglich von 500'000 Franken Schulden. «Diese resultieren vor allem aus dem Umbau der Räumlichkeiten», sagt er. Aufgrund rückläufiger Umsätze habe er die Rechnungen nicht bezahlen können. Die Schuld daran gibt Malm Regierungsrätin Franziska Roth beziehungsweise der Politik des Kantons Aargau.

Für Ärzte, die die Praxis verlassen hatten, habe er keinen Ersatz gefunden, «da der Schweizer Ärztemarkt leer gefegt ist und Ärzte aus der EU – vor allem aus Deutschland – nicht mehr in den Aargau kommen dürfen», so Malm. Eine neue Aargauer Regelung schreibt vor, dass Ärzte aus dem Ausland nur noch praktizieren dürfen, sofern sie mindestens drei Jahre lang in einem Schweizer Spital gearbeitet haben.

Gemäss Malm wollten sechs seiner Ärzte weitermachen und eine neue Gesellschaft gründen. «Wir wollten einen möglichst nahtlosen Übergang für die Patienten». Allerdings habe es Probleme mit den neuen Räumlichkeiten gegeben. Ein schwacher Trost für die Betroffenen. «Es gibt momentan keine andere Lösung, als dass sie einen anderen Arzt oder den Spitalnotfall aufsuchen», sagt Kantonsarzt Roth. (sam)

Ein Blick zurück

Ingo Malm wurde bereits in Deutschland mehrfach wegen Finanzdelikten verurteilt. 2012 ging er in der Schweiz mit seiner Praxis Konkurs, 2014 wurde ihm die Berufsausübungsbewilligung als Arzt entzogen. Nichtsdestotrotz gründete er im gleichen Jahr ein Ärztezentrum in Berikon, dem er als Verwaltungsratspräsident vorsteht. Seither hat er immer mehr Schulden angehäuft.

Unter anderem soll er die Beiträge für AHV und BVG sowie die Löhne für seine Angestellten nicht bezahlt haben. Anfang Jahr reichte Regierungsrätin Franziska Roth gegen Malm Strafanzeige ein.