Wohlen
Indiskretion im Wohler Gemeindehaus löst heftige Debatte aus

Die Mail von Gemeindeammann Walter Dubler, in der er Sozialvorsteher Bruno Breitschmid auffordert, Sozialfälle abzuwehren, hat gestern Dienstag in der Sozialkommission für rote Köpfe gesorgt.

Fabian Hägler
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Bruno Bertschi stört sich weniger an der Indiskretion als an Dublers Mail. (Archiv)

Bruno Bertschi stört sich weniger an der Indiskretion als an Dublers Mail. (Archiv)

Aargauer Zeitung

«Es gab heftige Diskussionen, wer Urheber der Indiskretion sein könnte», sagt Bruno Breitschmid, der die Kommission leitet. An der Sitzung sei auch über eine mögliche Strafanzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung diskutiert worden, führt Breitschmid aus. Zum Ausgang dieser Debatte will er sich aber nicht äussern. «Ich rufe jene Person auf, die den Mailverkehr der Zeitung zukommen liess, sich bei mir oder Gemeinderat Paul Huwiler zu melden», sagt Breitschmid.

«Sozialfälle abwehren? Wie denn?»

SVP-Einwohnerrat und Kommissionsmitglied Bruno Bertschi stört sich weniger an der Indiskretion als an Dublers Mail. «Sozialfälle abwehren? Wie denn?», schreibt Bertschi. Für ihn steht die Forderung des Gemeindeammanns völlig «quer in der Landschaft». Bertschi liess sich vor gut zwei Jahren in die Sozialkommission wählen, weil er den Eindruck hatte, «es werde mit der Sozialhilfe zu grosszügig umgegangen». Sehr bald habe er gemerkt, dass jeder einzelne Sozialfall, der zu behandeln ist, vorerst ein menschliches Schicksal darstelle.

AZ

Bertschi hält fest: «Den Sozialhilfebezügern wird nach eingehender Prüfung aller Fakten die ihnen laut geltender Gesetzgebung zustehende Hilfe ausgerichtet.» Für den altgedienten SVP-Politiker ist klar: «Daran führt kein Weg vorbei.»

Wenn Dubler meine, «er könne von der Kommandobrücke aus der Sozialkommission befehlen, man müsse Sozialfälle abwehren, dann ist das ein Griff ins Leere», macht Bertschi seine Meinung klar. Und: «Er hätte sich diese Denunzierung der Sozialkommission und der Mitarbeiter des Sozialamtes ruhig sparen können.»

Bertschi betont, er sei Mitglied der «aus allen Parteien zusammengesetzte Sozialkommission, die sich einmal pro Monat zur Sitzung trifft und dabei nicht Parteipolitik macht, sondern jeden Fall akribisch genau prüft und dann entscheidet». Vorgängig gebe es stapelweise Akten zu studieren. Der SVP-Mann hält fest: «Ich traf gut ausgebildete und kompetente Mitarbeiter des Sozialamtes mit ihrem Chef Urs Spillmann an.»

«Dubler wird sich Zähne ausbeissen»

Bertschi stellt seinerseits eine Forderung an den Gemeindeammann: «Ich lade Walter Dubler ein, sich sofort in die Sozialkommission wählen zu lassen, auch wenn darüber lange nicht alle begeistert wären.» Dann könne Dubler «alle Dossiers studieren und der Sozialkommission und den Mitarbeitern des Sozialamtes jeweils mitteilen, wo Sozialfälle abgewehrt werden können», schreibt der frühere Grossrat weiter. Bertschi prophezeit: «Er wird sich dabei mit Sicherheit die Zähne ausbeissen.»