Freiamt

In Wohlen sterben die Läden - einer nach dem anderen

Es steht schlecht um die Wohler Läden. Nach der Vögele- soll nun auch die Schild-Filiale geschlossen werden.

Seit über vierzig Jahren gibt’s an der Bahnhofstrasse 1 in Wohlen den Schild. Im Frühling 2018 soll die Filiale für immer verschwinden. Der Grund dafür liegt in der Neuausrichtung von Globus. Schild wurde 2013 von der Migros-Tochterfirma Globus aufgekauft. In einer offiziellen Medienmitteilung stellt das Unternehmen seine neue One-Brand-Strategie vor.

Globus, Herren-Globus und Schild sollen neu unter der Premium-Dachmarke Globus zusammengeschlossen werden. Aufgrund von detaillierten Standortanalysen wurde entschieden, welche Filialen geschlossen und wo dafür neue eröffnet werden. Marcela Palek, Leiterin Corporate Communications der Magazine zum Globus erklärt: «Leider verfügt die Schild-Filiale in Wohlen über eine zu kleine Verkaufsfläche und zu wenig Kundenpotenzial.»

Die Schliessung wird Ende März 2018 erfolgen. Zu einem potenziellen Nachmieter der Liegenschaft kann Marcela Palek noch keine Auskunft geben. Das künftige Globus Fachgeschäft in Spreitenbach sei für Kundinnen und Kunden jedoch eine nahegelegene Alternative.

Die Charles-Vögele-Filiale wird am 5. September ebenfalls schliessen. Dies jedoch aus einem anderen Grund: Die italienische Modekette OVS hat das Schweizer Modeunternehmen übernommen. Seit 19. Juni hängen die Ausverkaufs-Schilder in den Schaufenstern. An diesem Tag wurde die definitive Schliessung aller Filialen beschlossen. Nach der knapp einmonatigen Umbauzeit soll der italienische Marktführer im Modegeschäft bereits am 6. Oktober seinen Standort in Wohlen eröffnen.

Angestellte sind abgesichert

«Die Stellen der 17 Filialmitarbeiter sind sicher», bestätigt Nicole Borel, Corporate Communications Officer bei Charles Vögele. Ändern würden sich lediglich der Auftritt und das Angebot des Unternehmens. OVS wirkt jugendlicher als die Schweizer Modelinie. Sie führt weitaus mehr Kinderkleidung und bietet auch Babykleidung an, was Vögele nicht im Sortiment hat.

Auch Globus hat an die Zukunft seiner Angestellten gedacht, wenn auch mit einem anderen Ansatz. Der Stellenabbau würde, wenn möglich, über natürliche Fluktuationen, frühzeitige Pensionierungen und Stellenangebote innerhalb der Migros-Gruppe aufgefangen, heisst es in der offiziellen Medienmitteilung. «Selbstverständlich haben wir darüber hinaus einen Sozialplan, der Betroffene abfedert und unterstützt», ergänzt Palek.

Online Shopping schadet Läden

Doch was bedeutet die Schliessung der Schild-Filiale für die Wohlerinnen und Wohler? Die 20-jährige Edukata Mustafaj sieht die Situation eher gelassen: «In Wohlen gehe ich meistens in die Migros, den Coop oder in den Manor. Vögele und Schild besuche ich kaum.» Sie ergänzt: «Meine Mutter geht aber oft in den Schild, da er zu Fuss erreichbar ist, das ist praktisch. Nicht mehr in Wohlen selber einkaufen zu können, wird wohl eine Umstellung sein.»

Auch Vizeammann Paul Huwiler bedauert die Entwicklung in seiner Gemeinde sehr: «Die Schliessung der Schild-Filiale ist auf alle Fälle schädlich. Das Interesse am Schild war sicher vorhanden. Das Sortiment ist gut an die Wohler angepasst.» Für das Geschäft wünscht er sich einen gleichwertigen Nachfolger. «Am liebsten wäre mir natürlich ein Laden mit ähnlicher Qualität, wie der Schild», betont er.

Am Ladensterben trage der Konsument jedoch eine Mitschuld. «Das Kaufverhalten hat sich durch das Onlineshopping komplett verändert», stellt Huwiler fest. Das bestätigt auch die Medienmitteilung des Migros-Genossenschafts-Bundes. Neben der bereits genannten Vereinigung von Globus, Herren-Globus und Schild, wird darin auch das sich verändernde Konsumverhalten in der Schweiz erwähnt.

Diesem wollen sie mit einer neuen Einkaufswelt entgegenwirken, in der offline und online untrennbar miteinander verknüpft sein sollen. Wenigstens der Dritte grosse Modeanbieter bleibt Wohlen erhalten. Auf Anfrage der AZ heisst es, die Gemeinde sei ein interessanter Standort mit viel Potenzial. Auch der separate Home-Bereich werde weitergeführt. Der am Donnerstag kommunizierte Abbau von bis zu 200 Stellen betreffe nur den Manor-Hauptsitz in Basel.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1