Alterskonzept
In Villmergen stehen Senioren nicht auf dem Abstellgleis

Die Bedürfnisse der Generation 60+ wurden mit einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Die Ergebnisse sind erfreulich, die Rentner scheinen sich wohl zu fühlen in der Gemeinde.

Toni Widmer
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Heinz Koch, der initiative Motor der Arbeitsgruppe Alter.

Heinz Koch, der initiative Motor der Arbeitsgruppe Alter.

Toni Widmer

Die Wohnungen in Villmergen sind der Generation 60+ zu teuer. Sie hätten gerne mehr günstige Kleinwohnungen und solche, die behindertengerecht konzipiert sind. Die Senioren wünschten sich auch mehr Verkehrssicherheit in Form von zusätzlichen Fussgängerstreifen, Trottoir-Absenkungen für Gehhilfen und Rollstühle oder bessere Beleuchtung an exponierten Stellen. Auch gegen ein gemütliches Café am Dorfplatz hätten sie gar nichts einzuwenden. Und, sagen sie weiter, ein öffentliches und behindertengerechtes WC wäre dort kein Luxus. Auch der öffentliche Verkehr könnte ausgebaut werden, findet die ältere Generation. Etwa mit mehr Haltestellen oder gar einer Feinerschliessung der grösseren Quartiere.

Dennoch: Insgesamt fühlt sich die ältere Generation in Villmergen sehr wohl und keinesfalls auf dem Abstellgleis. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die im Herbst 2015 durchgeführt worden ist und deren Resultate jetzt vorliegen.

290 Fragebogen ausgefüllt

Vor zwei Jahren hat der Gemeinderat die Arbeitsgruppe Alter ins Leben gerufen. Sie wurde damit beauftragt, herauszufinden, welche Massnahmen langfristig getroffen werden müssten, um der demografischen Entwicklung im Dorf gerecht werden zu können. Wie in der übrigen Schweiz werden auch in Villmergen die Leute immer älter. Heute sind 18 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt. In 20 Jahren werden es laut aktuellen Prognosen über 26 % sein.

Die Bedürfnisse der älteren Generation hat die von Heinz Koch geleitete Arbeitsgruppe über verschiedene Kanäle ermittelt und – mit der Herausgabe der «Wägwiiser»-Informationsbroschüre – bereits auch erste Weichen gestellt. Eine wichtige Grundlage für die zukünftige Arbeit in diesem Bereich hat sie mit ihrer am Mittwoch präsentierten «Abschlussarbeit» geschaffen. Im September lancierte die Arbeitsgruppe Alter an einem gut besuchten Informationsabend eine breit angelegte Umfrage zu verschiedenen, insbesondere die ältere Generation betreffenden Themen.

1306 Fragebogen wurden verschickt, 290 oder 22,2 Prozent kamen ausgefüllt zurück. Das ist für Umfragen dieser Art ein sehr guter Wert: «Mit dieser hohen Rücklaufquote dürfen wir sicher von einem repräsentativen Ergebnis sprechen», hielt Heinz Koch gegenüber den Medien fest.

Und Gemeindeammann Ueli Lütolf freute sich ebenfalls: «Die Umfrage zeigt dem Gemeinderat klar auf, wo er ansetzen muss, um unser Dorf für die Senioren noch lebenswerter zu machen. Dennoch ist die Umfrage auch ein Beweis dafür, dass es der älteren Generation in Villmergen gefällt und sie sich hier ernst genommen fühlen.»

Das bestätigt auch Heinz Koch: «Wir haben 25 Fragen gestellt. Aus 9 Fragen resultiert grosse Zufriedenheit und kein Handlungsbedarf und aus 8 weiteren lässt sich ein geringer Handlungsbedarf ableiten. Grösserer oder gar starker Handlungsbedarf zeigt sich lediglich bei 8 der 25 angesprochenen Themenkreise.» Daraus lasse sich generell eine hohe Zufriedenheit der Villmerger Bevölkerung ableiten, sagte Koch weiter.

Kommission berät Gemeinderat

Die Arbeitsgruppe Alter wird nach rund zwei Jahren intensiver Arbeit aufgelöst. Die von ihr erhobenen Grundlagen sowie die erstellten Konzepte und Leitsätze für eine gute Alterspolitik verschwinden aber nicht einfach in einer Schublade. In den nächsten Wochen wird vom Gemeinderat eine Kommission bestellt, die das Thema weiterverfolgt und der Behörde in beratender Funktion Lösungsmöglichkeiten für allfällige Probleme im Zusammenhang mit der Generation 60+ aufzeigt und vorschlägt. «Wir können sicher nicht alle in der Umfrage geäusserten Wünsche erfüllen. Aber wir sind gewillt, echte Defizite zu beheben», sagte Ueli Lütolf.

Heinz Koch, der initiative Motor der Arbeitsgruppe, wird zum grossen Bedauern des Gemeinderates in dieser Kommission nicht mehr dabei sein. Er hätte gerne weitergemacht. Doch er müsse aus privaten Gründen seine Prioritäten für die nächste Zeit anders setzen, erklärte Koch.

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