Öffentlicher Verkehr
In Rekordzeit von Aarau nach Lugano: «Dafür haben wir fast 20 Jahre gekämpft»

Premiere: Der Südbahn-Express mit mehreren Halten im Aargau ist am Sonntag zum ersten Mal nach Arth-Goldau gefahren. Dieses neue Angebot gibt es immer an den Wochenenden.

Melanie Burgener
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Lugano ist ab sofort nur noch einen Katzensprung von Aarau oder dem Freiamt entfernt dank des...
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... Südbahn-Express, der am Sonntag erstmals fuhr.
Die Verbindung führt von Aarau bis Arth-Goldau.
Reto Widmer von der Kommission öffentlicher Verkehr Freiamt.

Lugano ist ab sofort nur noch einen Katzensprung von Aarau oder dem Freiamt entfernt dank des...

Bilder: Melanie Burgener

Stolz steht Reto Widmer in der Bahnhofsunterführung in Aarau und fotografiert die Anzeigetafel. «Arth-Goldau, Lenzburg, Wohlen, Muri, 8:48 Uhr auf Gleis 2» steht da in Leuchtbuchstaben geschrieben. Der Strategiebeauftragte der Kommission Öffentlicher Verkehr Freiamt strahlt. «Das ist eine Weltneuheit. In der ganzen Bahngeschichte gab es das noch nie.»

Am Sonntag legte der neue Südbahn-Express zum ersten Mal die Strecke von Aarau durch das Freiamt bis nach Arth-Goldau zurück. Mit dieser neuen Verbindung hält zum ersten Mal seit fast 25 Jahren im Kanton Aargau wieder ein Schnellzug auf der Südbahn. «Für das Freiamt ist das eine Renaissance eines Angebotes, das wir in reduzierter Anzahl bereits bis 1996 hatten», so Widmer.

In nur zwei Stunden und elf Minuten ins Tessin fahren

In den vergangenen Jahren war diese Strecke für Güter- oder Schnellzüge ohne Halt im Aargau reserviert. Mit dieser Neuheit des diesjährigen Fahrplanwechsels können Aargauerinnen und Aargauer ab sofort am Wochenende eine Reise von ihrer Hauptstadt bis nach Lugano in nur rund zwei Stunden und elf Minuten machen – und das mit nur einem Umstieg in Arth-Goldau. «Das ist eine Rekordzeit», so Reto Widmer.

Seit 20 Jahren setzt er sich für einen solchen Südbahn-Express ein. Und wer ihm zuhört, merkt, mit wie viel Herzblut er das tat. «Ich hatte das immer als Vision. Als mich unser Präsident Fredy Zobrist damals fragte, ob ich Teil der Kommission werde, habe ich gesagt, dass ich vielleicht nicht der Richtige bin», erzählt er lachend. «Ich habe manchmal Vorstellungen, die sich vielleicht nicht mit der Realität verbinden lassen.» Doch mit der Idee eines Fernverkehrs in den Süden stiess er auf offene Ohren.

Dass diese Einführung nun rund 20 Jahre gedauert hat, liege vor allem an den vielen Prozessen, die jede Neuerung im Öffentlichen Verkehr durchleben müsse. «Es gibt mehrere Hürden und Stationen, auf der politischen sowie auch auf der finanziellen Ebene», erklärt Widmer.

Dann, im Juni 2019, entstanden aufgrund der Zugersee-Ost- sperre Umwege über Rotkreuz und somit erstmals wieder schnelle Verbindungen in den Süden. Die Passagierzahlen in dieser Zeit hätten sich teilweise verdreifacht. Das zeigten Erhebungen des Kantons, der aufgrund dieser Zahlen beschlossen hätte, diese Anschlusslösung einzuführen, wie Widmer erklärt.

Nationalrat Jauslin will das Angebot weiter ausbauen

Für eine solche Verbindung in den Süden hat sich in den vergangenen Jahren auch Nationalrat Matthias Jauslin stark gemacht. «2012 habe ich als Grossrat zusammen mit Herbert Strebel aus Muri den Vorstoss für eine Anbindung an die Neat eingereicht», erzählt er. Für Jauslin ist diese neue Verbindung aber nur ein erster Schritt. «Von mir aus müsste es dieses Angebot auch unter der Woche regelmässig geben.» Er stehe in regem Kontakt zur Spitze der SBB und werde sich dafür stark machen, dass dieses neue Angebot in Zukunft noch stärker ausgebaut werde.

Der Südbahn-Express startet ab sofort immer samstags und sonntags um 6.50 und um 8.50 Uhr in Aarau. Am Abend fährt er um 17.23 und um 19.23 Uhr in Arth-Goldau ab. Wer weiter bis nach Lugano reist, erlebt auch noch eine zweite Weltneuheit: der 15,4 Kilometer lange Ceneri-Basistunnel, der gestern erstmals befahren wurde.

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