Er ist zwar pensioniert, aber trotzdem ein bisschen Bub geblieben. «Einer mit ein paar Runzeln», lacht Marc Arnold inmitten seiner unzähligen Miniaturautos, Flugzeugmodellen, alten Uhren und vielem mehr.

Er kauft und verkauft technisches Spielzeug, hat sich nicht nur ein Lager, sondern auch eine kleine Werkstatt und Verkaufsmöglichkeit im Fremo-Gebäude an der Aarauerstrasse 26 in Muri gemietet. Er repariert auch, was mit einem vernünftigen Aufwand zu reparieren ist. «Ich muss immer etwas machen», sagt der ehemalige Elektromechaniker. Manchmal ist er bis spät in die Nacht daran, Spielzeuge zu flicken oder Uhren wieder zum Laufen zu bringen.

Von der Decke hängt ein Modell-Zeppelin, die Hindenburg. An der Wand ticken alte Uhren mit Pendeln. Blechspielzeuge aller Art fesseln den Blick. In Vitrinen lagern zum Teil sehr seltene Auto- und Flugzeugmodelle.

«Hier», zeigt Arnold, «ein Rennwagen mit den Namen Jacky Ickx und Mario Andretti drauf, sehr selten.» Auch ein Grabstein ist da: Josefa Nideröst-Amhof, 1853–1929. «Für alles gibt es Sammler.» Also auch für das Ehrendiplom der Feuerwehr Jonschwil für Alb. Hess oder für Briefmarken des Deutschen Reichs mit Adolf Hitler drauf, «gestempelt und ungestempelt».

Marc Arnold verkauft seine Dinge vor allem an Sammler. Und übernimmt solche in erster Linie aus Hausräumungen. «Ich habe auch schon ein altes Trichtergrammophon aus der Mulde geholt.» Oft bringen ihm Leute alte Sachen vorbei, weil sie nicht wissen, wohin sonst sie damit sollen. Arnold nimmt aber nicht jeden Ramsch. Und neuere technische Artikel schon gar nicht: «Ein Computer würde hier nicht reinpassen», erklärt er und zeigt auf seine gesammelten Gegenstände. Der Game Boy ist das höchste der Gefühle, was moderne Zeiten anbelangt. «Weil Kunden manchmal mit ihren Kindern kommen und die vielleicht Freude daran haben.»

Es gibt immer was zu tun
Marc Arnold hat unter anderem eine Siebdruckerei geführt und als Techniker bei der damaligen Swissair gearbeitet, «eine tolle Zeit». Hier musste er sich nicht nur technischen Herausforderungen stellen und sich stetig weiterbilden, mit dieser Arbeitgeberin kam er auch in der Welt herum.

Bis heute fasziniert ihn die Fliegerei. Aber eigentlich hat alles mit Eisenbahnen angefangen, in jungen Jahren. Jetzt hat der Bub von damals Lokomotiven und Eisenbahnwagen von der kleinsten Spur Z bis zur Spur 1. Er zeigt eine Märklin-Lokomotive mit Spurweite 6 Millimeter, seine Augen glänzen. Teile einer Eisenbahn-Modelllandschaft sind genauso erhältlich wie Häuser dazu. Nimmt er etwas in Besitz, was nicht funktioniert, wird es zum Funktionieren gebracht. «Ich brauche diese Herausforderung», sagt Arnold, der sich nicht scheut, unbekanntes technisches Land zu betreten.

«Man muss verstehen, wie etwas funktioniert.» Für ein altes Röhrenradio hat er in Belgien eine spezielle Röhre bestellt. «Das ist jetzt auch schon sechs Monate her, man braucht etwas Geduld.» Auf Wunsch repariert er im Kundenauftrag, fast egal, was.

Oft ein Tauschhandel
Ein Tunesier fährt vor, hat zwei, drei mehr oder weniger alte Uhren dabei, fragt, ob Arnold Interesse hat, diese zu kaufen. «Das muss ich mir zuerst genauer anschauen», sagt der Befragte. Der Tunesier lässt die Ware da. Vertrauen gegen Vertrauen.

Er wird am Freitag wieder kommen, und dann wird Arnold wissen, ob er die eine oder andere Uhr kaufen wird und wie viel er dafür zu zahlen bereit ist. «Immer häufiger läuft ein Geschäft allerdings im Tauschhandel», weiss er. Die Ersttagsbriefe sind so in seine Vitrine gekommen, oder die Schreibmaschine Continental Wanderer-Werke AG, Chemnitz.

Davor steht ein Kinderharmonium, 108-jährig. Zu haben ist auch eine Schachtel «Pilot»-Tinte, wie sie früher in die Tintenfässer der Schulbänke gefüllt wurden. Oder Maloya-Veloschläuche, wobei Sammler nur an der Schachtel interessiert sind. Arnold weiss zu praktisch jedem Angebot etwas zu erzählen.

Mit dem Verkauf übers Internet hat es der Sammler nicht so. Deshalb hat er im Fremo-Gebäude seinen «Rampenverkauf» eingerichtet. Dieser ist jeden Samstag von 9 bis 17 Uhr offen - oder wenn er ohnehin da ist und irgendwelche Spielzeuge zu neuem Leben erweckt. Zeit für einen Schwatz oder für Fachsimpeleien ist immer inklusive.

Vorher führte er seinen Laden, wenn man das so bezeichnen will, in Bünzen in seiner Wohnung. Jetzt lebt er in Muri und hat mehr Platz im Fremo-Gebäude gefunden. Hier darf man eintauchen in ein Sammelsurium von technischen Spielzeugen vergangener Zeiten, kann sehen, fühlen, riechen. Das hat das Internet eben nicht zu bieten.