Im Sommer werden Sandra und Johannes Meyer mit ihren drei Kindern in ihr neues Haus im Hägglinger Eggental einziehen können. Es wird dort weder nach Farbe noch nach Lösungsmitteln und anderen chemischen Stoffen riechen, sondern nach Holz. Meyers haben sich für ein Blockhaus entschieden und an diesem baut der 29-jährige Familienvater Johannes engagiert mit.

Der gelernte Zimmermann hat sich von seinem Arbeitgeber, der Hägglinger Firma Holzbau Geissmann, freistellen lassen und ist ein halbes Jahr lang Mitglied des Teams von Ivo Bühlmann. Bühlmann hat sich mit seinem Unternehmen «Wood and More» mit Sitz in St. Gallenkappel und Cham auf den Bau solcher Häuser spezialisiert und erstellt das neue Heim in Hägglingen.

Auf den Geschmack gekommen ist Johannes Meyer, als er ein Jahr in Kanada gearbeitet hat: «Die auf einfache und ökologische Art erstellten Bauten, für die ausser Holz kaum Fremdstoffe und vor allem keine Chemie eingesetzt werden, haben mich fasziniert. Ich habe dann mit meiner Frau verschiedene solche Häuser angeschaut und konnte auch sie dafür begeistern.»

Holz aus dem Bremgarter Wald

Gebaut wird seit Oktober, die Vorarbeiten haben jedoch schon viel früher begonnen. Das Holz für das zweigeschossige, unterkellerte Blockhaus mit einer Grundfläche von 11×11 Metern kommt aus dem Bremgarter Wald. Die Eichen für die unterste Balkenlage und die Weisstannen für den übrigen Teil haben Meyer und Bühlmann zusammen mit Revierförster Leonz Küng ausgesucht.

Gefällt wurde bei «Nidsigänd», also bei abnehmendem Mond. In diesen Phasen ist die Erdanziehungskraft am stärksten und die Bäume stehen weniger im Saft. «Die Stämme müssen für den Bau möglichst trocken sein.

Deshalb haben wir die Bäume nach dem Fällen drei Monate im Wald liegen lassen, damit die Äste Wasser zogen», erklärt Blockbauspezialist Bühlmann. Auf der Baustelle in Hägglingen wurden die Stämme noch einmal ein halbes Jahr gelagert. Zuvor waren sie von Johannes Meyer mit dem Hochdruckwasserstrahl entrindet worden.

Jetzt wird nach den exakten Architekturplänen Stamm für Stamm vorbereitet und auf den nächsten geschichtet. «Für mich ist das sehr interessant. Als Zimmermann arbeite ich mit viereckigen Balken und Platten. Hier ist es unverarbeitetes, lebendiges Rundholz, so, wie es die Natur geschaffen hat», sagt der Bauherr.

Die Stämme werden auch im Innern des Hauses nicht verkleidet und bleiben roh. So flach wie in «normalen» Häusern sind lediglich die Zwischenwände, für die mit Lehmplatten auch natürliche Materialien verwendet werden.

Und die Längsfugen der Aussenbalken sind mit Schafwolle abgedichtet. So erreicht das Blockhaus einen Isolationswert, der dem heute üblichen Standard entspricht.

Viel verspricht sich Johannes Meyer vom Wohnkomfort im neuen Heim: «Das Raumklima in Blockhäusern ist sehr behaglich und wegen der natürlichen Baustoffe vor allem auch gesund, davon bin ich überzeugt», sagte er.

Auch geheizt wird in seinem neuen Haus, für dessen Bau sehr wenig «graue Energie» verschwendet wird, umweltfreundlich und CO2-neutral mit Holz. Allein das Restholz, welches beim Bauen anfällt, dürfte dabei nach Meinung von Ivo Bühlmann für die nächsten fünf bis sechs Jahre reichen.

Für die künstlerische Note hat Toni Flückiger gesorgt. Der Holzskulpturenkünstler aus Grünenmatt bei Sumiswald hat mit seiner Motorsäge und etwas «feinerem» Gerät mehrere Holzkunstwerke geschaffen.

So blickt vom grossen Firstbalken aus künftig ein Adler in Richtung Dorf und im Innern werden die Bewohner dereinst von einer Eule und einem Bären beobachtet.