Waltenschwil
In diesem Dorf hat Grüngut mehr Brisanz als ein Millionen-Projekt

Am 25. November wird abgestimmt, ob das Dorf zu einem neuen Feuerwehr- und Werkhofgebäude und auch endlich zu einer Grüngutgebühr kommt.

Andrea Weibel
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Das Thema Grüngutabgabe dürfte an der «Gmeind» viel zu reden geben.az/Archiv

Das Thema Grüngutabgabe dürfte an der «Gmeind» viel zu reden geben.az/Archiv

Vincenz Brunner vb

Zwei Themen haben das Potenzial, an der «Gmeind» hart diskutiert zu werden: das eine ein Millionen-Projekt, das andere eine Abgabe für Grüngut. Unbedarfte könnten glauben, Letzteres werde durchgewinkt, während über die Millionen heftig gestritten wird. Doch wie es verschiedene Gemeinden der Region vorgemacht haben, könnten auch die Waltenschwilerinnen und Waltenschwiler das Grüngut viel emotionaler anpacken und auf ihrem Standpunkt von «es ist ja bisher auch gegangen» verharren. Daneben könnte das «FeuerWerk», das neue Feuerwehr- und Werkhofgebäude an der Titlisstrasse, für das 4,8 Millionen Franken gesprochen werden müssen, rasch und einvernehmlich gutgeheissen werden.

Gemeindeammann Michel Christen macht bewusst, dass beide Themen wichtig sind und angenommen werden sollten. Aber er ist auch überzeugt: «Die Waltenschwilerinnen und Waltenschwiler sind vernünftig – das haben
sie bisher schon öfter gezeigt.»

Grüngutlösung gegen böses Blut

Die Grüngutentsorgung kostet das Dorf jährlich rund 90 000 Franken, die bisher über die Steuern beglichen wurden. Der Bund verlangt nun aber seit Jahren, dass die Gemeinden verursachergerechte Gebühren für die Entsorgung oder mindestens Pauschalgebühren einführen, die von der Bevölkerung direkt bezahlt werden. Der Gemeinderat hat sich für die Pauschalvariante entschieden. «Wie wir aus anderen Gemeinden erfahren haben, kann eine gewichtsabhängige Lösung zu bösem Blut führen, wenn beispielsweise jemand die Blätter des Nachbarbaums entsorgen muss, die in seinen Garten fallen», erklärt Christen.

Pro Einfamilienhaus oder Gewerbe sind nun 100 Franken im Jahr, pro Wohnung 50 Franken vorgesehen. «Das ist im Vergleich mit anderen Gemeinden sehr moderat. Darüber hinaus könnte das Gemeindebudget die Erleichterung um 90 000 Franken sehr gut brauchen, wenn man die kommenden Investitionen betrachtet», fügt der Ammann hinzu.

Solidaritätsbeitrag an Eishalle

Die bekannteste dieser künftigen Investitionen ist das «FeuerWerk», das der Gemeinderat an einem eigenen Infoabend bereits vorgestellt hat. «Das Schönste daran ist, dass das beste Projekt aus dem Wettbewerb auch das günstigste ist», sagte damals Gemeinderat und Baukommissionspräsident Hansruedi Müller. Wenn alles gut geht, sollte das Gebäude bereits im Sommer 2018 eingeweiht werden und so die Teams des Bauamts und der Feuerwehr von ihren viel zu kleinen, sanierungsbedürftigen Lagern und Räumen befreien können.

Auch werden die Stimmberechtigten über 28 000 Franken abstimmen, die die Gemeinde als einmaligen solidarischen Finanzierungsbeitrag an den Neubau der Eishalle Wohlen bezahlen möchte. «Immerhin kommen 2,7 Prozent der Eisbahnbesucher aus Waltenschwil und das Gesamtprojekt kostet 12,5 Millionen», so Christen. Umgerechnet spendet die Gemeinde 10 Franken pro Einwohner.

Zudem wird über das Budget mit unverändertem Steuerfuss von 106 Prozent abgestimmt. Die Gemeinde rechnet mit einem Ertragsüberschuss von 300 000 Franken. Insgesamt werden in den nächsten zehn Jahren Investitionen von knapp 9 Millionen Franken fällig. Zudem wird der Gemeinderat über den Stand der Altlastenuntersuchung der ehemaligen Deponien informieren.

Ortsbürger sanieren Drainagen

An der Ortsbürgergemeinde wird
am 21. November über einen Verpflichtungskredit von 100 000 Franken für die Sanierung und Instandstellung der Drainagen im Moos abgestimmt. Dies soll in den nächsten vier Jahren etappenweise durchgeführt werden. Zudem wird über die Aufforstung der Deponie Murhau informiert. Hier war ein Biotop geplant. «Doch weil für die Ausrottung der Neophyten alles hätte ausgebag-
gert werden müssen, hätte das Biotop 100 000 Franken gekostet», erklärt Michel Christen. Stattdessen ist nun eine Aufforstung angedacht. «Die Neophyten werden so durch Lichtentzug auf natürliche Weise bekämpft.» Diese Variante kostet 30 000 Franken.