Das letzte Wohnhaus des Murianer Industriellen Otto Wild wird über kurz oder lang der Überbauung Bahnhofareal weichen müssen und steht schon länger leer.

Nun lädt der Künstler Pirmin Breu ab 15. Juni zu einem Rundgang in der Villa und damit zu einer Begegnung mit der Geschichte von Muri ein.

Neben dem Originalmobiliar, den Küchengeräten und sanitären Anlagen, die damals modern waren, sorgt das Team um ihn für weitere Überraschungen.

Blick auf die Otto Wild AG

Über 40 Aufnahmen, mehrheitlich aus der Sammlung des Murianer Fotografen Josef Stenz, zeigen Muri, wie es früher ausgesehen hat. Sie gewähren einen Blick auf die Fabrik der Otto Wild AG mit ihren riesigen Kesseln und Tanks, die auf Lastwagen verladen und bis nach Ägypten transportiert worden sind, sowie den Firmeninhaber.

Die Stimmung in der Villa Wild wird untermalt von Interviews mit Persönlichkeiten von damals, denen man in verschiedenen Räumen zuhören kann. Im Keller gibt es einen Kurzfilm über die Arbeit in der Otto Wild AG. Wer eigene Geschichten zu erzählen hat, kann das interaktiv ebenfalls tun.

Der Kühlschrank stand am Anfang

Als Pirmin Breu 2010 die Leitung des Singisenforums übernahm, stellte er als «Kulturgut aus der Region» auch einen Kühlschrank aus der Villa Wild in den Klosterhof. Ihm ging es dabei nicht um den Kühlschrank als solchen, sondern um die vielschichtigen Geschichten, die solche Objekte schreiben.

«Als ich die Villa damals von innen gesehen hatte, dachte ich mir, man müsste sie den Leuten zeigen», sagt Breu.

«Alle gehen immer wieder an ihr vorbei, und nur wenige wissen, wie es darin aussieht. Aber sie erzählt einen wichtigen Teil der Murianer Geschichte, sie lädt einen geradezu ein zu einer Zeitreise.»

Gleichzeitig ist ein Tausch der Perspektiven möglich. Die meisten sind schon hundertfach an der Villa an der Bahnhofstrasse 11 vorbeigegangen und haben sich gefragt, wie es wohl drinnen aussieht und wie es sich im Garten, der auch einmal einen Tennisplatz bereithielt, anfühlt.

Jetzt ist es möglich, die Seite sozusagen zu wechseln und für einmal aus der Villa auf den Bahnhof zu blicken. Oder die Perspektive vom damaligen Arbeiter in der Otto Wild AG zum Fabrikbesitzer, von der Hausangestellten zur Hausherrin zu wechseln.

Mut zur Veränderung

Breu möchte mit dieser Ausstellung aufrütteln. Er möchte den Menschen Mut zur Veränderung machen. Veränderung geschehe oft nur über Auseinandersetzung:

«Stellen Sie sich vor, wenn Sie das nächste Mal an der Bahnhofstrasse 11 vorbeigehen, nachdem Sie die Villa von innen gesehen haben. Und stellen Sie sich vor, wie es dereinst aussehen wird auf dem Grundstück, wenn das Haus nicht mehr steht.»

In diesem Sinne heisse Auseinandersetzung auch loslassen. Damit diese Möglichkeit nun geschaffen werden konnte, brauchte es neben Herzblut auch viele Helferinnen und Helfer.