Martin Egli ist weit mehr als ein Klosterfreund und -führer in Muri. Er ist in etwa das, was gemeint ist, wenn in der Bibel vom Eckstein gesprochen wird: ein wichtiges, tragendes und bestimmendes Element beim Bau eines neuen Hauses. Als Mitglied und langjähriger Präsident der Kirchenpflege Muri, als Mitbegründer und ebenfalls langjähriger Präsident der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri hat sich Egli mit Leib und Seele dafür eingesetzt, dass die Klosterkirche als wichtiges Kulturgut und Erbe ihrer Begründer der Nachwelt erhalten bleibt.

Wer das Glück hat, unter Eglis Führung die Klosterkirche zu besichtigen, kann tief eintauchen in das Meer der Geschichte. In neun Jahren, 2027, kann die Klosterkirche ihr 1000-jähriges Bestehen feiern. Ihre Stifter, Radbot von Habsburg und seine Frau, Ita von Lothringen, sind unter den Bodenplatten vor dem Aufgang zum Chor der Klosterkirche beerdigt. Einkerbungen in den Platten zeigen die Positionen der Gräber an. Als die Herrschaft derer von Habsburg-Lothringen 1918 zu Ende ging, wurden das letzte Kaiserpaar und seine Familie des Landes verwiesen. Fortan war auch keine Bestattung mehr möglich in der Familiengrabstätte der Habsburger, der Kapuzinergruft in Wien.

Blitzschneller Vertragsschluss

Am 31. Dezember 1969 unterzeichneten Zita, die Kaiserin von Österreich, und ihre Nachkommen eine Vollmacht, die es Erzherzog Rudolph von Habsburg ermöglichte, «mit der römisch-katholischen Kirchgemeinde Muri einen Vertrag auf die Errichtung einer Familiengruft in der dortigen Klosterkirche abzuschliessen». Gesagt, getan. Am 19. März 1970 war der Vertrag mit der Kirchgemeinde Muri unter Dach und Fach. Unterschrieben, unter anderen, vom damaligen Kirchenpflegepräsidenten und späteren Nationalrat Leo Weber. «Sehen Sie», sagt Egli und zieht eine Kopie des handschriftlich verfassten Vertrages hervor, «die Kirchgemeindeversammlung hat am 26. Januar die Kirchenpflege zum Abschluss dieses Vertrages ermächtigt. Da gehe ich jede Wette ein, dass da schon weit im Voraus die ersten Verhandlungen stattgefunden hatten.»

Stube der Heiligen Familie

Dass sich Muri und die Habsburger einig geworden sind, kann Martin Egli nur freuen, denn seither beherbergt die Klosterkirche von Muri, in der Loretokapelle, beim Zugang zum südlich an die Klosterkirche anschliessenden Kreuzgang, einen wahren Herzensschatz. Es sind tatsächlich die Herzen von Kaiserin Zita und dasjenige ihres Mannes, Kaiser Karls I., die im Kamin der Loretokapelle aufbewahrt werden. Das hat seine besondere Bewandtnis, denn jede Loretokapelle der Welt ist ein Nachbau des Originals in Italien. Engel sollen die Stube der Heiligen Familie nach Loreto gebracht haben. Darum steht hinter dem Altar, mit einem Gitter abgetrennt, ein Kamin mit der Mutter Gottes darauf. Als Ehepaar sind die liebenden Herzen von Zita und Karl unter der Obhut von Maria wieder vereint. «Dabei müssen Sie bedenken», erzählt Egli, «dass Zita all die Jahre nach Karls Tod sein Herzglas mit sich herumgetragen hat. Sie trug es immer zuunterst in ihrer Hutschachtel mit, damit es ihr niemand wegnehmen konnte.»

Geschichten aus der Gruft

Die Nachkommen des letzten Kaiserpaares fanden ihre letzte Ruhestätte unter der Loretokapelle in der Habsburgergruft. Bronzetafeln in der Kapelle erinnern an die Menschen, die hier, in den Stammlanden ihres Geschlechts, eine letzte Zuflucht fanden, nachdem der Glanz ihres Hauses verblasst war: Erzherzogin Xenia, Erzherzog Rudolph und deren Sohn, Erzherzog Johannes. Erzherzog Robert, Erzherzog Felix und seine Frau, Erzherzogin Anna Eugenie, deren Herz in seinen Sarg gelegt wurde, damit ihrer beider letzter Wille erfüllt werden konnte. Die langjährige Kinderfrau der kaiserlichen Familie, Gräfin Maria Theresia Sidonia, fand ebenfalls in der Familiengruft ihre letzte Ruhe.

Wie Pfarrer Lorenz Baur anno 1983 nicht glauben konnte, dass Kaiserin Zita vor ihm stand und ihren Gruss erwiderte mit: «Ja, ja – und ich bin der König von Bayern» oder wie der Vater von Radbot von Habsburg seinen Sohn auf der Gemeinde Muri anmelden wollte und die Kanzlei ihm kundtat: «34 Vornamen sind bei uns nicht möglich», das und vieles mehr erfährt man auf einer Führung im Kloster Muri. Die nächste öffentliche Führung ist am Sonntag, 5. August. Besammlung ist um 14 Uhr vor der Klosterkirche.