Uezwil
In der Krippe mit 6000 Hühnern und 50 Kälbern

Kindertagesstätte Hüehnernäscht: Die Nachfrage nach Krippenplätzen auf dem Hof der Familie Koch war so gross, dass sie für ihre 12 kleinen Gäste nun ein neues Häuschen gebaut haben.

Andrea Weibel
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Sandra Schmid Koch spielt mit den Krippenkindern im Hof, im Hintergrund das gelbe neue Gebäude, in dessen Keller die Holzschnitzelheizung steht. Andrea Weibel

Sandra Schmid Koch spielt mit den Krippenkindern im Hof, im Hintergrund das gelbe neue Gebäude, in dessen Keller die Holzschnitzelheizung steht. Andrea Weibel

Andrea Weibel

Die Familie Koch hatte schon immer die schönste Aussicht über das kleine Dörfchen Uezwil. Nun dürfen diese Aussicht vor allem die 1- bis 6-Jährigen geniessen, die wochentags den Hof am Hang gegen Sarmenstorf hinauf bevölkern. Obwohl, bei all den Velos, Schubkarren und vor allem Tieren bemerken die kleinen Gäste der Kinderkrippe Hüehnernäscht die Aussicht meist gar nicht. Doch spätestens, wenn es einmal stark regnet, stürmt oder schneit, sodass sie nicht mehr den ganzen Tag draussen herumtollen können, werden sich die Kleinen an den grossen neuen Panoramafenstern erfreuen, durch die sie direkt hinunter zu den Ponys und Enten schauen können.

Derzeit sind die Kinder zusammen mit ihren Betreuerinnen jedoch noch daran, diese Fenster und den Rest der drei Spielräume, die sie vor wenigen Tagen an der Sarmenstorferstrasse 8 beziehen durften, zu dekorieren. «Es ist noch etwas chaotisch, denn es sind noch nicht alle Sachen gezügelt, sodass wir öfter hin und her gehen müssen», sagt Krippenleiterin Sandra Schmid. «Aber der Neubau ist wunderbar geworden.»

Krippe-Nachfrage war gross

Dabei sind sie und ihr Ehemann Peter Koch aus rein praktischen Überlegungen auf die Idee eines Neubaus gekommen: «Die Krippe war im zweiten Stock des Wohnhauses untergebracht, im ersten wohnten wir, im Parterre teilten wir uns die Küche, daneben war unser privates Wohnzimmer», beschreibt sie die Situation, wie sie noch vor wenigen Wochen anzutreffen war. Die Krippe wurde 2005 eröffnet und war ursprünglich für vier bis fünf Kinder konzipiert, auf die Schmid, Kindergärtnerin und diplomierte Bäuerin, alleine aufpassen wollte.

Da die Nachfrage nach Krippenplätzen aber so gross war, schaffte die Familie bereits nach knapp drei Jahren Platz für zwölf kleine Gäste. Schmid begann, Lehrlinge auszubilden, und hat mittlerweile zwei Betreuerinnen sowie zwei Haushaltshilfen angestellt. «Es waren immer viele Leute im Haus. Das war zwar schön, andererseits fühlten sich meine eigenen drei Kinder irgendwann nicht mehr wohl, weil sie kaum ungestört sein konnten.»

Das zweite Problem war die Heizung: Auf dem Hof leben neben den Kleintieren, die vor allem für die Krippenkinder angeschafft wurden, rund 6000 Mast-Hühner, 50 Mastkälber und 16 Aufzuchtrinder. «Den Hühnerstall haben wir bisher mit Gas geheizt, die Wohnhäuser mit Holz», erklärt Peter Koch. «Ich interessierte mich schon lange für Holzschnitzelheizungen, denn durch sie heizt man mit nachwachsenden Rohstoffen, das scheint mir viel sinnvoller, als jährlich 6000 Kilo Gas zu verheizen.»

Drei Fliegen mit einer Klappe

Das dritte Problem war ein sanierungsbedürftiger Schweinestall aus den 1930er-Jahren mit darunterliegendem Güllenloch. Schmid erinnert sich: «Die Idee, alle drei Probleme auf einmal zu lösen, kam meinem Mann: Wir könnten den alten Stall samt Güllenloch abreissen, darauf eine neue Krippe bauen und im Untergeschoss die Holzschnitzelheizung unterbringen. Drei Fliegen mit einer Klappe.» Der Einbau der Heizung machte zudem eine hohe Stützmauer unnötig, die der steile Hang, auf dem die Familie lebt, gefordert hätte. «Die Holzschnitzel stammen aus der Region, heizen den gesamten Betrieb samt Wohnhäusern und sorgen für Warmwasser.» Koch ist stolz: «Die Heizung selbst stammt aus Österreich, weil mich diese am meisten überzeugt hat. Aber kein Arbeiter hatte einen längeren Anfahrtsweg als eine Viertelstunde, sie stammen also alle aus der Region.»

Den kleinen Gästen der Kinderkrippe macht es wenig aus, womit ihre Räume geheizt werden, solange sie spielen können und nicht frieren. Doch dass sie sich über die neuen Räume freuen, ist offensichtlich, und das ist im «Hüehnernäscht» schliesslich das Wichtigste.

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