Muri
In der «Bar Babylon» in Muri gibt es keine Sprachbarrieren

Mit «Bar Babylon» hat die Volkshochschule Oberes Freiamt ein neuartiges Angebot geschaffen. Kundig moderiert, unterhält sich eine Gruppe unterschiedlichster Menschen in der gewählten Fremdsprache. Ein Selbstexperiment.

Graziella Jämsä
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Kursteilnehmerinnen unterhalten sich in einer Fremdsprache. GRJ

Kursteilnehmerinnen unterhalten sich in einer Fremdsprache. GRJ

Kurz vor 20 Uhr, ich sitze bereits am «Bar Babylon»- Tisch im Ochsen in Muri und bin aufgeregt. Ich habe viele Jahre Englisch gelernt, doch das letzte ernsthafte Gespräch in dieser Sprache ist mehrere Monate her. Die Tür geht auf, eine Gruppe betritt das Lokal und schart sich um den «Stammtisch». Moderatorin Pamela Biondo stellt sich mir auf Englisch vor. Auch die Begrüssung der Frauen und Männer um mich herum verläuft Englisch. «Hello, how are you?»

Rasch setzen sich alle, die Getränke werden geordert, doch Stille lässt Pamela Biondo gar nicht erst aufkommen. Sie sei beim Aufräumen auf diesen kleinen New York Führer gestossen, erzählt sie und reicht das flexible Büchlein herum. «War jemand von euch schon dort?» Eine Teilnehmerin spricht von ihrer geplanten Reise, von den Sehenswürdigkeiten, die sie interessieren. Ich habe keine Schwierigkeiten, dem Gespräch zu folgen. Doch wenn ich mich äussere, fehlen mir immer wieder Worte. Krebs ist cancer, aber was heisst Krankheit auf Englisch? Pamela Biondo oder andere Teilnehmer helfen schnell aus, damit das Gespräch weiterläuft. Von New York zum Fernsehen, zur Medizin, zu Recherchemethoden der Polizei – unzählige Themen kommen zur Sprache.

Pamela Biondo behält die Übersicht, holt die schüchternen Teilnehmer mit gezielten Fragen immer wieder ins Gespräch zurück. Die Stimmung ist gut. Ich bin fasziniert, wie die Fremdsprache Menschen miteinander sprechen lässt, die sich sonst kaum treffen würden. Während ich an unserem Tisch zuhöre, werfe ich immer mal wieder einen Blick auf die spanisch sprechende Gruppe. Auch sie scheint sich zu amüsieren.

Kurz nach 21 Uhr, wir sprechen gerade über unterschiedliche Sprach- und Lernbegabungen, zeigt mir meine Müdigkeit, dass ich genau das seit einer Stunde tue: lernen. Aber ich fühle mich nicht unter Druck, Schulgefühle kommen keine auf. Ich bezahle mein Getränk, gebe etwas ins Sparschwein der Moderatorin. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schauen mich fragend an. «Are you leaving?» Ich nicke und verlasse winkend den äusserst lehrreichen Stammtisch. Doch mit dem festen Vorsatz, mir die kommenden Daten im Jahr 2013 gleich in der Agenda zu notieren.

Informationen zum Sprachenstammtisch der Volkshochschule Oberes Freiamt auf www.bar-babylon.ch

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