Winterschwil/Beinwil

In der alten Mühle soll die erste Schweizer Oberstufenschule nach Montessori-Konzept entstehen

In Winterschwil/Beinwil soll eine für 4,2 Mio. Franken ausgeschriebene Liegenschaft in eine Montessori-Schule umgenutzt werden.

In den Weiler Winterschwil, in die alte Mühle, soll eine Schule für Kinder bis 18 Jahre, die erste Oberstufenschule der Schweiz nach dem Konzept der Montessori-Pädagogik, kommen. So jedenfalls plant es die am 25. September 2018 gegründete Stiftung Montessori Erdkinder Schweiz. Allerdings ist der Verkauf der Liegenschaft noch nicht erfolgt; auf der Immobilienplattform «Homegate.ch» ist das Objekt noch immer für 4,2 Mio. Franken ausgeschrieben.

Der Zeitplan der Stiftung wirkt angesichts der komplexen Ausgangslage sehr ehrgeizig, wenn nicht illusorisch: Sanierung und Ausbau der Gebäude sind bis August 2020 vorgesehen. Darauf soll gleich der Schulstart für zehn Schülerinnen und Schüler erfolgen. Von Fachleuten wird erwartet, dass es zwei, eher drei Jahre dauern wird, bis überhaupt eine Baubewilligung vorliegen kann. Raumplanung, Denkmalpflege, Ortsbildschutz, Brandschutz und weitere Kreise werden bei einer Sanierung und Umnutzung mehr als nur ein Wort mitreden. Die alte Mühle ist schliesslich ein besonderes Objekt und hat eine lange Geschichte.

Wie Jakob Kreyenbühl-Strebel im Beinwiler Buch «Zeitbilder einer Landgemeinde» von 1988 festhält, wurde die Winterschwiler Mühle am 15. November 1563 von einem Müller namens Bucher gekauft; vorher gehörte sie einem gewissen Suter. 1640 befand sie sich im Besitz der Familie Nietlispach, später in jenem von Johann Meienberg. Nach Renovationsarbeiten in jüngerer Zeit ist die Säge wieder funktionstüchtig. Das Grundstück befindet sich in der Landwirtschaftszone mit überlagerter Weilerzone und ausserhalb des bäuerlichen Bodenrechts. Der Weiler Winterschwil wurde 1987 mit dem Aargauischen Heimatschutzpreis ausgezeichnet.

Viele Möglichkeiten

Das Projektentwicklungsbüro 1618 in Zürich erstellt im Auftrag der Stiftung Montessori Erdkinder Schweiz das Nutzungskonzept und soll die Sanierung, den Ausbau und die Erweiterung des 400 Jahre alten Objektes vornehmen. Gründer ist Kai Isenmann, er sitzt auch im Stiftungsrat. «Inspiriert von der Leidenschaft, (manchmal vermeintlich verrückten) Ideen und Visionen Leben einzuhauchen, treibt mich eine brennende Neugier nach einem bewussten Leben, dem richtigen, nicht dem einfachsten Weg, voran», hält er zu seiner Person auf seiner Website «www.enkeltauglich-wirtschaften.ch» fest.

Zum «Campus Lindenberg» genannten Projekt wird auf «www.projekt1618.ch» festgehalten: «Die Liegenschaft bietet viele Möglichkeiten zu Gemeinschaftsarbeit und praktischer Betätigung, beides ein wichtiger Aspekt des Montessori-Erdkinder-Konzepts. Kleine landwirtschaftliche Projekte, Wasser- und Waldstudien, Ökologie und Geschichte warten darauf, von den Jugendlichen entdeckt zu werden.

Ein wissenschaftliches Labor, eine grosse Küche, Ateliers für künstlerische Tätigkeiten, Musik und Theater sowie Werkstätten für Holzbearbeitung, Handarbeit und eine Schlosserei sind direkt auf dem Grundstück zugänglich.» Zur Schule gelange man mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mittels eines Schulbusses. Tagesschülerinnen und -schüler, die mit dem Schulbus anreisen, erreichen die Schule in 25 bis 35 Minuten von Zürich, Zug oder Luzern aus. Internatsschülerinnen und -schüler hätten die Möglichkeit, am Wochenende nach Hause zu fahren, diejenigen mit längeren Anfahrtswegen können aber auch über die Wochenenden vor Ort bleiben.

Auch Experimentierfeld

Betrachtet man die angestrebten Voraussetzungen für eine Montessori-Erdkinder-Schule, bietet sich die alte Mühle in Winterschwil grundsätzlich an. Die Montessori-Erdkinder-Schule liege in einer ländlichen Umgebung, idealerweise auf einem Bauernhof, hält die Stiftung auf «www.erdkinder.ch» fest. Die Gemeinschaft aus Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren sei nicht nur eine Schule für die intellektuelle Entwicklung, sondern zugleich ein Experimentierfeld für soziales Lernen. «Die Jugendlichen lernen gleichermassen, sich in einer sozialen Gruppe zu bewegen und als unabhängige junge Erwachsene zu agieren.» Ein Bauernhof biete dafür ein gesundes, friedliches Umfeld sowie zahlreiche Möglichkeiten für sinn- und bedeutungsvolle gemeinsame Arbeit.

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