Freiämtersturm
In 34 499 Schritten von Wohlen bis nach Aarau

180 Jahre nach dem ersten kam der zweite Freiämtersturm. Drei Schauspieler wandelten auf den Spuren des historischen Marsches von 1830. In Aarau haben sie fünf Begehren an den Grossen Rat übergeben.

Andrea Weibel
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Freiämtersturm

AZ

Am 5. Dezember 1830 waren es zwischen 4000 und 6000 bewaffnete Freiämter, die in zwei Tagen vom Oberfreiamt gegen die Kantonshauptstadt zogen. Diesen Sonntag, auf den Tag genau 180 Jahre später, pilgerten immerhin noch 14 Leute unter der Leitung des Theaters Szenart aus Aarau auf den Spuren der Geschichte von Merenschwand nach Wohlen. Gestern jedoch, als es um das grösste Stück Wegs von Wohlen nach Aarau ging, waren wir noch vier Personen, drei davon marschierten bis zum Schluss mit.

«Ich hätte schon mehr Leute erwartet, die mitgehen. Aber dass Sie das überhaupt machen, ist bewundernswert», erklärte der Wohler Gemeindeammann Walter Dubler gestern Morgen im «Sternen», wo schon der Revolutionsführer «General» Heinrich Fischer auf dem Freiämtersturm Quartier bezogen hat. Dubler wünschte eine gute Reise, und los ging der 25-Kilometer-Marsch.

Ein perfekter Freiämter Sturm

Das Wetter war perfekt auf das Tagesmotto abgestimmt: Ein Freiämter Sturm mit viel Regen verwandelte den Schnee in Matsch und arbeitete sich langsam durch die Wanderschuhe hindurch. Doch der künstlerische Leiter von Szenart, Hannes Leo Meier, Produktionsleiterin Anna Byland und Schauspielerin Kathrin Veith wie auch ich als Vertreterin der az Aargauer Zeitung liessen uns nicht abschrecken. «Falls wir vollkommen durchgefroren sind, lassen wir es offen, ob wir in Lenzburg abbrechen. Aber eigentlich wollen wir schon bis Aarau durchhalten», sagte Meier am Morgen.

Gespickt mit spannenden Gesprächen fiel das Marschieren aber leicht. Nach 4031 Schritten - laut Schrittzähler von Hannes Leo Meier - machten wir Halt in Villmergen, wo wir die Pullover ablegten, denn Wandern wärmt gewaltig. Über Dintikon und Ammerswil erreichten wir weitere 11 241 Schritte später den Gasthof Krone in Lenzburg, wo wir uns ein königliches Mahl leisteten - obwohl es beim Freiämtersturm wohl höchstens mitgebrachte Brote zu Mittag gegeben haben dürfte.

In Lenzburg verliess Kathrin Veith die Gruppe. Kurz darauf, im Lenzburger Wald, mussten wir erstmals die Route ändern, da der Weg durch den schweren Schnee allzu beschwerlich gewesen wäre. «Das hat uns eine gute Stunde gekostet», war Meier besorgt.

Nach zweimaliger Feldüberquerung und einem sehr kurzen Halt mit heisser Schokolade erreichten wir endlich die Grenzen der Hauptstadt. Besonders Anna Byland kämpfte mit ihren Blasen an den Füssen, doch auch Hannes Leo Meier tat langsam die Ferse weh. Ans Aufgeben dachte dennoch niemand. Im Gegenteil, durch die Stadt legten wir einen Sprint hin, um pünktlich am Regierungsplatz anzukommen.

Fünf Begehren

Die fünf Begehren, die Hannes Leo Meier mit sich getragen hatte, konnten dann, nach zwei Tagen Marsch, endlich an die Regierungsvertreter übergeben werden. Dafür haben sich der stellvertretende Staatssekretär Urs Meier und Adrian Schmid, Ratssekretär des Grossen Rats, eigens Zeit genommen. Auch sie hätten mehr Leute erwartet: «Angesichts der historischen Wichtigkeit dürften sich schon mehr Leute dafür interessieren», fand Adrian Schmid.

Dennoch freute er sich, dass jemand des Freiämtersturms gedachte. Die Begehren nahmen sie gern entgegen, insbesondere, dass eine Wiederholung des Marsches im nächsten oder übernächsten Jahr realisiert werden soll. Dieses Wunsches nehmen sich Hannes Leo Meier und Anna Byland gleich selber an.

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