Bremgarten

Immobilienmakler wollte trotz Kündigung ins Firmennetz

Makler wollte trotz Kündigung ins Firmennetz des Arbeitgebers. (Symbolbild)

Makler wollte trotz Kündigung ins Firmennetz des Arbeitgebers. (Symbolbild)

Wer mit einem falschen Passwort in das Computersystem seiner Arbeitgeberin eindringen will, macht sich bereits strafbar, auch wenn er dabei nicht erfolgreich ist und es beim Versuch bleibt: Das musste ein 54-jähriger Immobilienmakler erfahren.

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte ihn gestern wegen versuchtem unbefugtem Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 110 Franken. Die Probezeit setzte Gerichtspräsident Lukas Trost auf zwei Jahre fest. Zudem muss der Makler eine Busse von 500 Franken bezahlen und die Verfahrenskosten tragen.

Das Intranet reagierte nicht mehr

Mit seinem Urteil bestätigte Trost einen von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ausgestellten Strafbefehl, den der Angeklagte zur Neubeurteilung an das Bezirksgericht Bremgarten weitergezogen hatte. Bei der Verhandlung bestritt der Makler das Delikt. Er habe lediglich mit seinem Passwort ins Intranet der Firma kommen wollen, um einen Fall bearbeiten zu können. Nachdem das System auf das Passwort nicht reagierte, habe er sich beim Webmaster auf der Hotline erkundigt, warum das Einloggen nicht funktioniert habe.

Dieser teilte dem Makler mit, er solle es später wieder versuchen, dann werde er Zugang zum Intranet haben. Als dies auch nicht ging, verwendete der Makler die Zugangsdaten von zwei ehemaligen Arbeitskollegen - jedoch wieder ohne Erfolg. Das Intranet-Zugang war endgültig versperrt. Der Grund: Die Firma hatte dem Makler fristlos gekündigt. «Dabei war ich von den 190 angestellten Maklern unter den 40 besten», wandte der Angeklagte ein. Die Umstände, unter denen der Makler in einem Nebenjob bei der Firma gearbeitet hatte, und die Gründe für die Kündigung kamen nicht näher zur Sprache. Er wolle dazu nichts sagen, erklärte der Angeklagte.

Auf einem Nebenschauplatz wurde der Makler ebenfalls schuldig gesprochen. Er hatte eine Verkaufstafel mit seiner persönlichen Handynummer überklebt. Das sei in der Immobilienbranche so üblich, denn potenzielle Kunden sollten so direkt zum zuständigen Makler weitergeleitet werden, sagte der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wie auch Gerichtspräsident Lukas Trost erblickten im Vorgehen aber eine Sachbeschädigung und eine Täuschung. Grund: Damals sei der Makler bereits in einem gekündigten Arbeitsverhältnis gewesen.

«Nicht das ganz grosse Verbrechen»

«Was Sie gemacht haben, ist zwar nicht das ganz grosse Verbrechen. Aber es ist trotzdem strafbar», erläuterte Trost in der Urteilsbegründung. Angesichts der Tatsache, dass der
Immobilienmakler derzeit arbeitslos und wegen eines Unfalls krank geschrieben ist, gestand der Gerichtspräsident dem Mann zu, dass dieser die verhängte Busse in «angemessenen» Raten bezahlen könne.

Er verstehe, dass der Makler unter einem zerrütteten Arbeitsverhältnis gelitten habe, sagte Trost. Die Forderung des Anwalts der Arbeitgeberin gegen den Makler wurde abgewiesen. «In den nächsten 15 Jahren erhalten Sie von mir kein Geld», beschied der Makler dem Gerichtspräsidenten. Gegen den Angeklagten laufen mehrere Betreibungen.

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