Muri
Immer weniger Raucher – Zigarettenpapier-Hersteller gibt auf

Weil immer weniger geraucht wird, gibt die Benkert GmbH die Produktion von Zigarettenpapier in der Schweiz auf. Mit der überraschenden Schliessung des Firmenstandorts in Muri gehen zehn Arbeitsplätze verloren.

Eddy Schambron
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Ende September stehen die Maschinen bei der Benkert GmbH in Muri still – was mit dem Gebäude geschieht, ist noch unklar.

Ende September stehen die Maschinen bei der Benkert GmbH in Muri still – was mit dem Gebäude geschieht, ist noch unklar.

Eddy Schambron

Weil immer weniger geraucht wird, schliesst die Firma Benkert GmbH in Muri Ende September ihre Türen. Sie produziert seit 1965 Zigarettenmundstückbelagpapier und gehört zur Benkert-Group, die weltweit Produktionsstätten unterhält.

Mit der Schliessung gehen alle zehn Arbeitsplätze in Muri verloren. Was mit dem Firmengebäude an der Pilatusstrasse 3 geschieht, ist offen, wie Geschäftsleiter Vinzenz Hasler erklärt.

Die Schliessung in Muri kommt überraschend, wie Hasler einräumt. Es werden zwar nicht erst seit gestern weniger Zigaretten geraucht. «Aber wir hatten in den letzten Jahren immer wieder Ereignisse, welche den Rückgang der Raucher in unserem Betrieb kompensierten», erklärt Hasler.

So ging beispielsweise vor drei Jahren in Frankreich ein Konkurrent konkurs, was Aufträge zur Benkert GmbH brachte. Oder ein Brand in der schottischen Produktionsstätte der Benkert-Group machte die Produktion in der Schweiz nötig.

Sogar der Super-Gau von Fukushima hatte Auswirkungen: Die japanische Zigarettenfabrikation war betroffen, die Benkert-Group konnte einspringen. «Deshalb haben wir möglicherweise nicht so realisiert, wie stark der Rückgang war.»

Hinzu kommt, dass dem Unternehmen der Eurokurs Sorgen bereitet; 98 Prozent der Produktion wird in Euro verkauft.

Die Eigentümerfamilie bedauert die Schliessung sehr, «verlieren doch zehn motivierte, engagierte und loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Stelle.» Seitens des Unternehmens stellt man aber klar, dass es sich nicht um eine Produktionsverlagerung in sogenannte Billiglohnländer handelt.

«Dies wäre mit der Firmenphilosophie nicht vereinbar», sagt Hasler. Die Aufträge von Benkert GmbH Muri werden in Zukunft im Stammhaus in Deutschland gefertigt. Vinzenz Hasler selber geht «etwas früher als geplant» in Pension.

Zuerst aber will er und sein Unternehmen den Mitarbeitenden bei der Stellensuche behilflich sein. So werden bestehende Kontakte zu anderen Firmen genutzt, um Informationen über freie Stellen zu erhalten.

«Ein paar Tipps haben wir bereits bekommen.» Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter noch vor Ende September eine Stelle findet, kann dieses Angebot unabhängig von der Kündigungsfrist genutzt werden.

Das Mutterhaus der Benkert-Group steht in Deutschland. Ursprünglich in Dresden gegründet, fand das Unternehmen nach dem 2. Weltkrieg den Sitz in Herne. Die internationale Expansion begann 1965 mit der Benkert Suisse GmbH in Muri. Das heutige Gebäude wurde 1972 bezogen.

Benkert ist ein globaler Partner der Zigarettenindustrie. Die Firma unterhält Standorte auch in Grossbritannien, Malaysia und China. Ein zweites Standbein in der Produktion in Muri wäre schwierig gewesen, wie Hasler ausführt: Dafür seien die Maschinen zu spezialisiert.