Meister Zopf, der Wegglibeck, Apotheker Pülverli, Gärtner Häckeli, Feuerwehrmann Brändli oder Konditor Süess – an die wunderbaren Namenskombinationen im «Kasperli-Theater» erinnert sich jeder. Man kann sich vorstellen, wie viel Spass es machen muss, sich solche Kombinationen auszudenken. Doch auch im Freiamt gibt es Kombinationen von Namen und Berufen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sie echt und nicht erfunden sind. Selbst Kasperli hätte sie sich nicht besser ausdenken können. Sind ihre Namen auf ihren Beruf zugeschnitten? Oder haben sich diese Freiämter ihren Beruf aufgrund ihres klingenden Familiennamens ausgesucht? Die AZ Freiamt hat bei drei Leuten – alle aus dem Bezirk Muri – nachgefragt, ob sie öfter Sprüche zu ihren Namen hören und wie sie damit umgehen. Denn diese drei Namenskombinationen könnten tatsächlich einem Kasperli-Kassettli entstammen: Der reformierte Diakon Weihrauch, der Weissenbacher Imker Hummel und der Merenschwander Metzger Stierli.

Der Imker Hummel

Kaspar Hummel, 80, ist Imker aus Leidenschaft und das seit 51 Jahren.

  

Weissenbach: Jedes Jahr sagt Kaspar Hummel, er werde bei seinen Bienenvölkern etwas reduzieren. Doch schaffte er das bisher nie. Er ist eben von ganzem Herzen Imker.

Auch er würde wunderbar in ein «Kasperli-Theater» passen. Immer wieder freuen sich die Leute und sagen: «Der Hummel hat Bienen!» Kaspar Hummel freut sich darüber: «Ich habe den Satz schon so oft gehört, die Leute haben wirklich Freude, wenn sie das bemerken, das finde ich schön.» Auch die AZ Freiamt hat deshalb vor zwei Jahren bereits einmal beim Weissenbacher Imker angeklopft und einen Artikel über ihn geschrieben, weil sie den Honig des Imkers Hummel in Wohlen im Volg entdeckt hat.

Imkern liegt in der Familie

Schon Vater und Grossvater Hummel waren Imker gewesen, weiss Kaspar Hummel. «Und auch die Brüder meines Vaters hatten Bienen.» Aber als der Vater mit den acht Kindern von Knutwil nach Weissenbach zog, brachte er keine Völker mit. «Mich hat das Imkern aber schon immer interessiert. Das meiste habe ich aus Büchern und von befreundeten Imkern gelernt. Und im Alter von 27 Jahren habe ich dann einfach damit angefangen. Das war vor 53 Jahren», lacht der 80-Jährige. Ihm ist wichtig: «Stets habe ich mich weitergebildet.»

Es ist ein grosser Aufwand, den er auf sich nimmt. Über grosse Teile des Jahres muss er zweimal täglich für seine Bienen arbeiten. Jedes Jahr wiederholt er, jetzt höre er dann auf. «Ich wollte ja wirklich nicht noch mehr, aber diesen Frühling sind sieben Völker geschwärmt, also habe ich jetzt eben 42 Völker», sagt er schulterzuckend und lächelt verschmitzt.

Stierli verkauft auch Stierli

Dorli und Beat Stierli mussten über die Namens-Anfrage lachen.

  

Merenschwand: Wie würde bei «Kasperli» einen Metzger heissen? Metzger Wurst? Metzger Speck? Oder vielleicht eben doch Metzger Stierli?

Im Freiamt gibt es gleich zwei Metzger mit diesem Namen, einen in Merenschwand, einen in Bremgarten. «Wir sind aber nicht verwandt», sagt Beat Stierli aus Merenschwand. «Und früher wurden wir auch nie verwechselt. Aber heute kommt das öfter vor, denn gibt man nur Metzger Stierli im Internet ein und schaut nicht genau, hat man schnell den Falschen am Apparat.» Das sei besonders an Weihnachten einmal dumm gelaufen: «Ein Kunde hatte in Bremgarten eine Platte Fondue chinoise bestellen wollen, hat dann aber uns angerufen. So wartete die Platte am 23. Dezember hier bei uns, während der Kunde in Bremgarten vergebens danach fragte», erinnert sich Stierli.

Nie darauf angesprochen

Darauf, dass sein Name und sein Beruf so wunderbar zusammenpassen, sei Stierli noch nie angesprochen worden. «Wer aber sicher oft Sprüche hört, sind meine Berufskollegen, Metzger Speck aus Rohr und Metzger Metzger in der Ostschweiz», lacht er.

Bei Stierli liegt der Beruf in der Familie. Schon Vater und Grossvater waren Metzger. «Ebenso zwei der Brüder meines Grossvaters. Ich habe mir den Beruf also nicht wegen meines Namens ausgesucht, sondern bin damit aufgewachsen.»

Nähme man es wörtlich, könnte man sagen, Metzger Stierli verkauft in seiner Metzgerei auch Stierli. «Das nennt man aber natürlich Kalbs- oder Rindfleisch.» Allerdings stimmt es, dass er keine Stiere, sondern höchstens Stierli im Sortiment hat: «Ausgewachsene Stiere sind viel zu zäh zum Essen», erklärt er lachend.

Der Weihrauch der Reformierten

Diakon Gerald Weihrauch mag die Sprüche über seinen Namen.

  

Muri: Sozialdiakon Gerald Weihrauch hört immer wieder Sprüche über seinen Namen – und freut sich mit den Leuten.

Der reformierte Sozialdiakon Gerald Weihrauch muss lachen, als er daran denkt, wie oft sich die Leute schon über seinen Namen gefreut haben. «Ich war früher Bankkaufmann und absolvierte erst später eine Ausbildung zum Sozialdiakon. Damals sagten viele, jetzt hätte ich den passenden Job», erinnert sich der aus Alzey bei Mainz stammende Deutsche. «Als ich mich vor über 22 Jahren in Muri bewarb, wollte ich mich telefonisch bei der Verantwortlichen melden. Ihr Sohn nahm das Telefon entgegen und richtete später seiner Mutter lachend aus, ein Weihrauch habe angerufen. Sie musste ihm erst klar machen, dass das kein Witz gewesen sei.»

Immer wieder fallen dem gut gelaunten Diakon weitere Geschichten ein: «Schon mehr als einmal ist es mir auch passiert, dass ich mich mit Weihrauch vorstellte und mein Gegenüber dann sagte: ‹Jaja, und ich bin Myrrhe.›» Ihn nerve das nicht, er freue sich immer mit den Leuten. «Schon sehr oft habe ich auch gehört, ich sei in der falschen Kirche, weil wir Reformierten ja keinen Weihrauch benützen, die Katholiken aber schon.» Schulterzuckend fügt er hinzu: «Dabei waren schon meine Eltern und Grosseltern evangelisch.» Woher sein Name kommt, weiss er nicht, doch selbst in Deutschland scheint es wenige mit dieser Schreibweise zu geben. «Irgendwo habe ich gehört, der Name soll aus dem Jüdischen kommen, aber als ich mich bei einem Rabbiner darüber erkundigte, war er sich sicher, dass das nicht stimmen könne.»

«Ich vertrage keinen Weihrauch»

Eine sehr lustige Geschichte weiss er noch, die sich ganz zu Beginn seiner Tätigkeit im Oberfreiamt zugetragen hat. «Damals gab es eine ältere Dame, die nach dem Gottesdienst in Sins stets mit dem Pfarrer nach Muri fuhr, wo sie bei ihrer Tochter zu Mittag ass. Im «Kirchenbote» stand dann bei mir natürlich ‹Gottesdienst mit G. Weihrauch›. Die Frau hat das wohl falsch verstanden, denn sie rief an, um mitzuteilen, dass sie leider diesmal nicht kommen könne, da sie Weihrauch nicht vertrage.»

Gerade bei Einweihungen höre er auch häufig: «Den Weihrauch haben wir, jetzt brauchen wir nur noch das Weihwasser.» Und einmal, als er einen Vortrag gehalten habe, habe sich ein katholischer Priester so sehr über seinen Namen gefreut, «dass er mir ein Döschen mit Weihrauch schenkte», erinnert sich Gerald Weihrauch voller Freude. Lustig sei auch immer, wenn er eine neue Religionsklasse erhält: «Ich stelle mich dann vor, indem ich ihnen von Gold, Weihrauch und Myrrhe erzähle und ihnen damit zeige, dass ich bereits in der Weihnachtsgeschichte vorgekommen bin. Da staunen die Kinder jeweils», berichtet er.

Die AZ Freiamt hatte gerade noch Glück, Diakon Weihrauch in diese Liste der Namens- und Berufskombinationen aufnehmen zu können. Denn im Oktober wird er pensioniert. Er wird aber vorerst nicht zurück nach Deutschland gehen, denn «in meinem Wohnort Walchwil habe ich einen Blick auf Rigi, Pilatus und Zugersee, das ist himmlisch.»