Bezirksgericht Muri

«Im Zweifel für den Angeklagten»: Tankwagenfahrer ist nicht für Feuersbrunst verantwortlich

Es hätte noch viel schlimmer kommen können: Der Brand am  22.12.2017 in der Überbauung Verdin in Muri.

Es hätte noch viel schlimmer kommen können: Der Brand am 22.12.2017 in der Überbauung Verdin in Muri.

Das Bezirksgericht Muri spricht den Chauffeur frei von Schuld am Brand in der Murianer Überbauung Verdin.

Der Lastwagenchauffeur war erleichtert: Das Bezirksgericht Muri sprach ihn von der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst frei. Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner konnte der Beurteilung der Staatsanwaltschaft, die sich wesentlich auf ein Gutachten des Forensischen Instituts Zürich abstützte, nicht zweifelsfrei folgen und schenkte den Aussagen des Chauffeurs hohen Glauben.

Der Tankwagenfahrer hatte 2017 bei der Überbauung Verdin in Muri die Tanks der Baustellenheizung zu füllen. Dabei kam es bei der Heizung und dem Tank zum Vollbrand, der den Einsatz der Feuerwehr notwendig machte. An der Fassade der Gebäude entstand ein Sachschaden von 164 000 Franken. Menschen wurden glücklicherweise keine verletzt. «Es ist ein Glück, dass nicht mehr passiert ist», stellte Baumgartner fest.

Sie hatte zu beurteilen, ob der Tankwagenfahrer die fahrlässige Verursachung dieser Feuersbrunst zu verantworten hatte. Ein forensisches Gutachten kam zum Schluss, dass die Brandursache der Kontakt von verspritztem Heizöl mit den heissen Oberflächen im Innern des zum Zeitpunkts des Brandausbruchs laufenden Heizautomaten war. «Es ist damit nachweislich während des Füllvorgangs zum Austritt von Heizöl gekommen.»

«Jegliche objektiven Anhaltspunkte fehlen»

Genau das bestritt der Tankwagenfahrer vehement, und genau diese Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft ist nach Ansicht des Gerichts nicht zweifelsfrei erwiesen. So sah es auch der Verteidiger des Angeklagten: Im «spekulativen Gutachten» würden «jegliche objektiven Anhaltspunkte» für den Austritt von Öl fehlen. Nach dem Brand sei festgestellt worden, dass die Zapfpistole mit dem Einfüllstutzen regelrecht verschweisst gewesen sei. Ein Überfüllen des Tanks sei ebenfalls nicht erfolgt.

Das sah die Gerichtspräsidentin differenzierter und meinte, eine solche sei nicht 100-prozentig auszuschliessen. «Aber sie ist doch fraglich». Der Tankwagenfahrer hätte sich nämlich bei der Einschätzung des Tankinhalts gewaltig verschätzen müssen, was als sehr unwahrscheinlich anzunehmen sei. «Die Version der Staatsanwaltschaft geht einfach nicht auf», rechnete sie als «Freundin der Zahlen» anhand von Litermengen und Befüllungszeiten vor.

Zwar hatte der Chauffeur festgestellt, dass Heizgeräte und Tank sehr nahe beieinander standen. «Aber meine Aufgabe ist es, zu prüfen, ob die Tankanlage nicht defekt ist, eine Auffangwanne hat und stabil steht, bevor ich den Befüllungsvorgang starte.» Er sei allen Vorsichtspflichten nachgekommen. Der erfahrene Fahrer gab der Gerichtspräsidentin einen Crashkurs in Sachen Tankbefüllung und machte deutlich, dass er die korrekte Installation einer Baustellenheizung weder beurteilen könne noch müsse.

Gutachten stellte nur auf Heizgerätehersteller ab

Interessant war seine Feststellung, die Heizgeräte auf der Baustelle seien alt gewesen und nach dem Brandfall plötzlich alle ersetzt worden. Der Verteidiger unterstrich, dass das Gutachten bei der Beurteilung der technischen Anlagen einzig auf eine Bestätigung des Heizgeräteherstellers abstellt.

«Es ist klar, dass die Firma bestätigt, dass ihre Geräte in Ordnung waren.» Tatsächlich stellt das Gutachten nicht fest, in welchen Zustand die Anlage war. Ein technischer Defekt könne nicht ausgeschlossen werden. Bei so vielen Unklarheiten und Zweifeln war der Freispruch keine Überraschung.

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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