Niederwil
Im Winter tragen Chüngel ihr Hochzeitskleid

290 Kaninchen und 120 Hühner und Hähne wurden an der 69. Freiämter Kleintierausstellung in der Niederwiler Mehrzweckhalle präsentiert und für einen glänzenden Auftritt zurechtgemacht.

Hanna Widmer
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Interessiert betrachten die Besucher die flauschigen Zuchthühner an der Freiämter Kleintierausstellung in Niederwil. hwi

Interessiert betrachten die Besucher die flauschigen Zuchthühner an der Freiämter Kleintierausstellung in Niederwil. hwi

Hahnenschreie in einer Mehrzweckhalle? Kein alltägliches Geräusch. Fürs vergangene Wochenende jedoch hatte sich die Niederwiler Halle in einen Ausstellungsraum für Kleintiere verwandelt. Laut krähte und flatterte es aus der Geflügelecke. Bei den Kaninchen gings ruhiger zu und her. Gemächlich mümmelten sie in ihren Käfigen und begutachteten die neugierigen Besucher, die ihre Nasen an die Gitterstäbe hielten.

Harte Kriterien

Am Donnerstag brachten die Züchter ihre Tiere, am Freitag gings zum Preisrichter: Jedes einzelne Kaninchen wurde vom Profi genauestens unter die Lupe genommen und bewertet. «Hinter verschlossenen Türen sozusagen», erklärt OK-Präsident und Züchter Hans Mathis. Zu dünn, zu dick? Dem Richterauge entging nichts. Mängel gaben Abzug. Unzählige Merkmale wurden bewertet, darunter auch ein schönes Fell.

Für einen glänzenden Auftritt werden die Tiere zurechtgemacht – oder «schaufertig», wie man in der Fachsprache sagt. Wächst da ein schwarzes Haar im weissen Fell, geht der Züchter mit der Pinzette dahinter und zupft es aus – sonst gibts Abzug.

Dass die Kleintierausstellungen im Winter stattfinden, ist kein Zufall. Dann tragen die Chüngel sozusagen ihr Hochzeitskleid – glänzend und dicht, also ideale Voraussetzungen für eine hohe Punktzahl.

Nachhilfestunde in Haltungsfragen

Die Kaninchen mussten von den Züchtern vorher ans «grosse Publikum» gewöhnt werden. «Wenn man ein Tier zum ersten Mal auf einen Tisch setzt, legt es sich erst einmal hin», so Mathis. «Da aber auch die Haltung benotet wird, ist es wichtig, dass man das vorher mit ihm übt.»

Nicht nur für die Kaninchen, auch für manche Besitzer war das Wochenende ein spezieller Anlass: Es waren nämlich erstaunlich viele Jungzüchter mit von der Partie. Eine Tatsache, die Mathis sehr freut. Meist sind hierbei die Eltern selbst Züchter, und irgendwann übernehmen die Jungen die Verantwortung für ein Tier, das sie dann ausstellen.

Tendenz zu den Zwergkaninchen

Rund 290 Kaninchen sind an der diesjährigen Ausstellung mit dabei. Unterschieden wird zwischen Zwerg-, Klein-, Mittel- und Grossrassen. Letztere werden heutzutage nicht mehr allzu oft gezüchtet. «Nach dem 2. Weltkrieg sind die damals aufgekommen», meint Mathis. «Mastige Tiere, die für den Lebensunterhalt wichtig waren.» Damals war praktisch jeder Haushalt im Besitz eines Tieres. Heute geht die Tendenz eher in Richtung kleine Tiere. Dafür sind die aber umso farbiger.

Züchterpech für die Spitzhaube

Beim Geflügel läuft das Begutachtungsprozedere ähnlich ab. 120 Hühner und Hähne waren dieses Jahr anwesend, in 20 verschiedenen Sorten. Züchter Moritz Bumbach hatte Appenzeller Spitzhauben dabei, einen Hahn und zwei Hennen. Drei Prachtexemplare.

«Beim Hahn haben sie leider einen Punkt abgezogen, weil die eine Hauptsichel fehlt», meint er etwas bedauernd. Der Hahn habe eines Nachts draussen neben dem Wassergeschirr übernachtet. Das Wasser sei – mit der Schwanzfeder drin – gefroren, und als der Hahn am nächsten Morgen weggelaufen sei, blieb die Feder hängen. Nun hat er nur noch eine, was ihn aber nicht davon abhält, stolz im Käfig herumzustolzieren und mit den anderen Hähnen um die lauteste Stimme zu konkurrenzieren.

Ein wenig weiter weg tummelten sich Holländische Haubenhühner. Bekannt sind vor allem die schwarzen «Perückenträger». Unterdessen gibt es sie auch kakifarben. «Eine neue Züchtung», sagt Mathis. Noch sind sie im Aufnahmeverfahren, in ein paar Jahren werden sie dann vermutlich anerkannt und wären damit, wie Mathis es sagt, «fixfertig».

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